„Die Ersatz“ – so nannten Frankophone die Deutschen während ihrer beiden glorreichen Weltkriege. Als es mit der Kriegstüchtigkeit vollends abwärts ging, traten sie mit ihrem Ersatzheer an – auf Ersatzbataillone folgten Ersatzdivisionen, während der verbliebene Rest an Zivilisten sich mit Ersatzkaffee zu begnügen hatte. Selbst heute noch gelten so genannte E-Fuels in Deutschland als Ersatzbenzin. Weniger bekannt hingegen ist die Ersatzwahrheit, neuhebräisch auch als Hasbara bezeichnet.
Rechthaberischer als heute sind Staaten sonst nur zu Kriegszeiten. Noch befindet sich Deutschland allerdings nicht im Kriegszustand, obgleich bereits sämtliche Vorzeichen zu erkennen sind. Es wird aufgerüstet, was das Zeug hält und alles andere abgebaut, was noch zum Schutz oder Wohle der Bevölkerung diente. Stattdessen Waffen, die außer Ärger nichts schaffen. Gleichzeitig rieselt leise wie laute Propaganda aus allen Kanälen, selbst im ehemals erholsam andersartigen Online-Medium Telepolis gibt es nun eine Waffenrubrik, während herausragend Verwirrte aus dem Mikrokosmos des Tollhauses Axel Cäsar Springer in die Rüstungsindustrie investieren oder ganz darin landen. Das alles wegen des irrationalen Expansionsdranges der NATO und gefährlichen wie unberechenbaren Staaten vom Kaliber Israel oder Ukraine, die weder Mitglieder der EU noch der NATO sind.
Natürlich wird auch die neue deutsche Kriegstüchtigkeit scheitern, natürlich wird das, was dann vom Land der Richter und Henker noch übrig ist, wieder schwören, seine Lektion gelernt zu haben. Stets ist die Zeit nach dem letzten Krieg die Zeit vor dem nächsten, denn die Menschheit im Allgemeinen wie auch Deutschland im Besonderen lernen nicht. Und bis ein Blackrock-Kanzler wie Merz endlich erwachsen wird, wird noch viel Boden verbrennen müssen: kultureller, sozialer und wirtschaftlicher.
In einer solchen Welt werden Ersatzwahrheiten immer beliebter. Nicht etwa Tatsachen gelten mehr, sondern Zielsetzungen. Was nicht den Vorgaben entspricht, das wird mit allen Mitteln bekämpft. So wurden erstmals seit langer Zeit wieder Zensurmaßnahmen gegen Autoren geschaffen, die den Politikern im Waffenrausch im Wege stehen. Es zeugt von beeindruckender propagandistischer Schwäche, wenn unfähige Regierungen Einzelne aus einem ohnehin immer enger werdenden Spektrum der Meinungsvielfalt herausschneiden müssen, um ihre Behauptungen und Lügen besser verbreiten zu können. Was die Bevölkerung nun vorgesetzt bekommt, ist zunehmend peinlich. Eine Woche ohne eingebildete Drohnen ist eine gute Woche.
Das amerikanisch-deutsche Protégé Israel ist da schon deutlich weiter. Es muss wohl jene Zukunft sein, die dort bereits als finstere Gegenwart vorherrscht, die Europa, zumindest aber die sterbenden Regierungen Deutschlands, Frankreichs und der britischen Insel als folgsames wie waffenstrotzendes Nirwana anstreben. Im Judenstaat ist seit Jahrzehnten zu beobachten, wie die vermeintlich angestrebte Sicherheit im Zuge immer aggressiverer militärischer Gewalt langsam aber sicher vollends verschwindet. Und nicht nur das: der Vertrag mit Generationen neuer Feinde gilt bereits jetzt als abgeschlossen, wodurch – Bibi sei dank – Israel niemals mehr sicher sein dürfte. Und damit einhergehend verpufft auch die Sicherheit sämtlicher Nachbarstaaten.




Jüngstes Drama um den ewigen Kampf des Eindringlings gegen all seine selbstgemachten Gegner ist der britisch-israelische Dokumentarfilm NAZA von Yuval Abraham und Rachel Szor. Die darin enthaltenen Zeugenaussagen waren nur eine weitere von vielen schallenden Ohrfeigen für die richtig misslungene zionistische Sache am falschen Ort und ließ HB-Männchen Bibi abermals in die Luft gehen. Abraham und Szor sollten ihre mittlerweile ziemlich wertlose Staatsbürgerschaft verlieren, die beteiligten Personen enttarnt und angeklagt werden. Sogleich wurde die rostige Hasbara-Maschine angeworfen und dann seit fünf Uhr 45 zurückgeschossen. Der billige Taschenspielertrick diesmal? Eine Ersatzwahrheit, ganz in der Ersatztradition des deutschen Ersatzvorbilds. Unter dem Titel NAZA: The Real Story wurde Lüge erneut zu Wirklichkeit, eine eigens dafür geschaffene Website eingerichtet, in der abenteuerlich hohe Abrufzahlen überzeugen sollen.
Das Machwerk stammt vom israelischen Propagandisten und Armeereservisten Ariel Averbuch und Roi Danino, einem Kandidaten der radikalzionistischen Partei Israel zuerst (ישראל תחילה). Schon wenige Tage nach der Premiere des Originals während des Festivals in Venedig stand die Website der zu jenem Zeitpunkt noch nicht vollendeten Ersatzdoku zu Verfügung, die sich zunächst als verlogene Werbemaßnahme des tatsächlichen Dokumentarfilms ausgab. Seither wird eifrig der propagandistische Ersatz von israelischen Botschaftsangehörigen und Regierungsmitgliedern verteilt, während das NAZA-Original selbst erst im November in die Kinosäle kommt und gleichzeitig auch kostenlos per Streaming zu sehen sein wird.
Der Ersatzstaat Israel ist seit langer Zeit führend im Bereich der Verbreitung einer Ersatzwahrheit. Die Frage ist nur, wie ein Lügengebäude auf Dauer tragfähig sein soll, wenn das brutale und kulturlose zionistische Gebilde abgesehen von biblischen Märchen sonst kaum etwas Grundlegendes zu bieten hat? Eingebildete Juden gibt es bereits zuhauf, eine eingebildete Wahrheit aus einem eingebildeten Land mit einer eingebildeten Wirklichkeit aber dürfte so manchem Anhänger einer wertewestlichen Konstellation im Nahen Osten schnell zu viel werden.
David Andel
