Uri Avnery ist tot, wird unsterblich

Seine treuen Leser fürchteten schon das Schlimmste, denn seit zwei Wochen war von ihm nichts mehr zu vernehmen. Es blieb still um den bis ins hohe Alter aktiven journalistischen Rebell im Optimistenpelz, der wie ein echter Jecke allwöchentlich freitags einen keineswegs kurzen Artikel zum ungeschönten Stand der Dinge Israels ablieferte. Die letzten beiden Freitage blieben die Veröffentlichungen des immer alles verstehenden und erklärenden Uri Avnery jedoch aus. Heute früh kam schließlich die traurige Nachricht, dass der Chronist, Friedensaktivist und Politiker genau drei Wochen vor seinem 95. Geburtstag in einem Krankenhaus in Tel Aviv den Folgen eines schweren Herzinfarktes erlag. Unmittelbar nach Beendigung seines letzten Beitrages zum neuen „Nationalstaatsgesetz“ und vor seiner Teilnahme an einer Demonstration zum gleichen Thema brach er zusammen.
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Herrchen gesucht

Abgehalfterte politische Bordsteinschwalben wie Berlusconi, Sarkozy oder Blair kehren selbst im postsexuellen Alter noch wie flügellahme Motten zum Gaslicht am Regierungsstrich zurück, sofern es die Dummgeilheit des Wählers nur erlaubt. Irgendwann aber ist das Verfallsdatum der machtverzweifelten Satyre so deutlich überschritten, dass als letzte sinnvolle Instanz nurmehr der Vorsteher des Kaffeekränzchenplanungskomitees im Seniorenheim offen steht. Auch Pudel Blair hat das nicht begriffen und streunt pinkelnd von einer Ecke zur nächsten. Herrchen ist längst weg, sein britischer Köter aber bellt verzweifelt immer noch den schimmernden Medienmond an. Wer mag ihm wohl zuhören?
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Terrorport Zaventem

Der ganz alltägliche Terror des vor den Stadttoren Brüssels befindlichen Flughafens im flämischen Zaventem wird keineswegs von fundamentalistischen Wirrköpfen im Gewaltrausch verursacht, sondern ist Gegenstand regionaler wie kommerzieller Interessen menschenverachtender politischer Provinzfürsten. Über dem Himmel der dichtbesiedelten Hauptstadt Europas tummeln sich nun schon seit Jahrzehnten tagein, tagaus lärmende Luftfahrzeuge, die sich um aeronautische Regeln oder die Gesundheit der Bürger Brüssels einen feuchten Kehricht scheren.
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Hinz, Kunz, Schulz

Kaum etwas wird bewusst derart am Bürger vorbeiexerziert wie die Europäische Union: Drehtürfetischisten, Lobbysklaven, Parlamentsaltlasten, Regulierungswütige, Universalfeiglinge und Inkompetenzfanatiker wie Bangemann, Barroso, Juncker, Koch-Mehrin, Oettinger, Santer und viele andere mehr können und werden nur auf dieser reformunfähigen Politikerhalde existieren, sofern sich die in steuerfinanzierten Ledersesseln onanierende Eurokratie nicht irgendwann ihres Eheversprechens mit dem vergessenen Europäer entsinnt und von vorne anfängt. Selbst der Brexit-Warnschuss scheint dazu aber nicht anlassgebend genug gewesen zu sein, denn die SPD rekrutiert ihren Kanzlerkandidaten nun ausgerechnet aus den Reihen derer, die nicht nur die Griechen vernichtet und die Briten vertrieben, sondern auch ein Europa der Gegensätze statt Gemeinsamkeiten geschaffen haben.
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Ein Unwicht namens Trump

Die Luftlinie von Berlin nach Moskau ist keine 2000 Kilometer lang, die äußerste Ostgrenze der USA jedoch zumindest 5000 Kilometer von der äußersten Westgrenze Europas entfernt und dennoch beherrschen die Ereignisse dieses kulturell wie politisch völlig andersartigen Landes unsere zunehmend weniger massenhaften Medien. Immerhin, die Zeiten, in denen es fast jede US-amerikanische Schlechtwetterfront auf die Titelseiten europäischer Postillen brachte, sind lange vorbei. Es mag zwar noch der Fall sein, dass uns der eine oder andere Film- und TV-Torrent aus „Gottes eigenem Land“ effekthascherisch vom Schlaf abhält – alles andere von dort drüben hat aber das Höchstmaß an Bedeutungslosigkeit längst hoffnungslos überschritten, so auch Hair-Hopper Trump, 45. Häuptling des Sternenbanners.
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Steves Donald

Guter Ruf und schlechtes Gedächtnis sind enge Verwandte – das wissen alle Unholde. Und wenn Cent-Diktator Cook Martin Luther King als Trump-Trotzablasser bemüht, dann stinkt das nach altem Fisch, denn Messias Steve kam meist ganz ohne Rücksicht auf Mitmenschen und insbesondere politische Korrektheit aus. Es wäre ein total total total wahnsinniger Traum, glaubte man an den Übermenschen Steve Jobs, der sich mit bewusstseinserweiternden Substanzen im Kopf, Baez im Zelt und Dylan in den Ohren auf die Suche nach einer besseren Welt begab, dabei dann irgendwann über den Mac, das iPhone und den perfekten Fernseher stolperte und kurz vor seinem Tod noch Isaacson die Unternehmerbibel diktierte.
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Wehe, wenn sie losgelassen!

Rechtspopulistische Parteien sowie deren Wähler sind gehorsame Soldaten eines endlosen Krieges gegen eine niemals abnehmende Überzahl amorpher Feinde. Sobald diese jedoch auf das kampfuntüchtige Heer des karriereoptimierten Gemeinplätze-Debattierclubs aus den Reihen so genannter Volksparteien treffen, entsteht ein asymmetrisches Schlachtfeld, welches das Kartenhaus einer bislang als Ordnung missverstandenen wie verkauften Kleptokratie in Sekundenschnelle zum Einsturz bringen kann.
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Hip hip Hipster?

Lifestyle-Laien rätseln: sind Hipster avantgardistische schwarze Jazzmusiker, frisch gewaschene Hippies oder ulkige bärtige Männer in Holzfällerhemden? Richtig, alles und nichts davon. Auffällig oft sieht man sie heute aber hinter einem Mac. Ob zurecht oder unrecht, Apple ist oft dabei, wenn sich irgendetwas tut. Das liegt daran, dass sich hinter dem Apfelsymbol Globalisierungskrämpfe besser verleugnen und Kreativitätsschübe besser zur Schau tragen lassen als dies hinter dem aufrichtigeren Medion-Statement möglich wäre.
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Abschied von einem Undefinierbaren

Es war am 24. Juni 1983. Die vier jungen Leute hatten ihre Fahrt zum Open-Air-Konzert im Bieberer Berg Stadion in Offenbach fast militärisch vorbereitet. Zwei davon hatten das Konzert der „Serious Moonlight“-Tournee bereits am 20. Mai in der Frankfurter Festhalle gesehen und für gut befunden. Die anderen beiden sollten erst an diesem Abend auf ihre Kosten kommen. Zuvor jedoch wollte der elterliche Fiat nicht so recht, ganz so, als habe er sich gegen David Bowie entschieden. Das Fahrzeug quälte sich nur mühsam über die Autobahn, es stank verdammt nach verbranntem Gummi und die erwartete Hochstimmung blieb zunächst völlig aus …
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Türkische Zeitbombe

Das osmanische Reich ist in den Köpfen mancher Türken längst kein abgeschlossenes Kapitel. Im Gegenteil, die Tatsache, dass südlich der Landesgrenze dank des Dauerkriegs zwischen Diktatoren, Extremisten und fremdländischer Militärinterventionen Chaos und Verwüstung herrschen, wird nicht nur als Gefahr, sondern auch Gelegenheit territorialer Phantasien gesehen und ist nicht das erste Mal Anlass zur Großmannssucht. Ein einerseits zwar verständliches Wunschdenken, das sich dank NATO-Bündnistreue aber andererseits allzu schnell in einen gefährlichen Brandherd verwandeln könnte.
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Ausnahme-Notstand

Der Bart (De Wever) ist ab: Nur ein Tag, nachdem die Écolo-Vizepräsidentin Zakia Khattabi zurecht die Frage nach den Hintergründen des militärischen Affentheaters gestellt hatte, ließen die Nationalisten der N-VA ihren üblich-dümmlichen Ergüssen freien Lauf: „Zwanzig Jahre Nachlässigkeit der PS und des Islamo-Sozialismus haben uns dorthin gesteuert, wo wir nun mit Brüssel als Hinterhofbasis der islamistischen Barbarei angelangt sind.“, meinte N-VA-Senatsmitglied Karl Vanlouwe, der sich ansonsten mit so überaus wichtigen Dingen beschäftigt, wie dem von ihm heiß ersehnten Austritt Belgiens aus der „Organisation Internationale de la Francophonie“.
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Brüsseler Terrorspitzen

Es ist Montag früh in Brüssel, die Stadt ist voller Militär und Polizei. Eine Beamtin tritt aus einem Regierungsgebäude im Stadtzentrum und wird gefilmt. Da die beiden Kameramänner alles andere als professionell oder auch nur glaubwürdig wirken, stellt sie die Frage, für wen sie arbeiten. Die mutmaßlich nicht echten Journalisten flämischer Herkunft verweigern die Antwort und reagieren aggressiv. Daraufhin wendet sich die Frau an einen Polizisten, der die Papiere der beiden überprüfen will. Doch die falschen Kameramänner sind bereits verschwunden …
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