Der berüchtigte deutsche Diktator Adolf Hitler mit seiner Geliebten Eva Braun an seinem Geburtstag von Blumen umgeben (20. April 1943)

Kann denn Nazi Sünde sein?

Das westliche Wertemassaker führt zu so absurden Ergebnissen wie dem mittlerweile kaum mehr zu erkennenden Unterschied zwischen links und rechts oder bahnbrechenden Erkenntnissen, dass es gute wie schlechte Nazis gibt und Israel letztlich immer noch zum Fassen von Juwelendieben dienen kann.

Der Bundeswehr-Fanclub boomt zwar, die Zahl der Mitschießenden aber nicht. Bellizistische Fürsprecher geben sich empört, da geplant war, dass von der Bundeswehr eine hohe Anziehungskraft ausgehen würde. Armeen sollen immer alle Gefahren und alle Mittel dagegen kennen. Sie sollen wissen, was gut und schlecht oder was vom Schlechten gut und Guten schlecht ist. Mit Frieden und dessen friedlicher Wahrung ist eine Armee hingegen überfordert, prinzipiell ist Frieden der Feind aller Armeen, so auch der Bundeswehr. Also muss Frieden schlecht gemacht werden.

Wir hielten uns für Befreier, aber als ich jene Palästinenser sah, wusste ich: Das trifft die Sache nicht.

Michael Wolffsohn am 28. Mai 2019 über seinen Wehrdienst in der israelischen Armee 1967

Prominenter verbaler Verteidiger der bewaffneten Verteidiger ist der medienwirksame 78-jährige Michael Wolffsohn, der über dreißig Jahre an der Universität der Bundeswehr München Neuere Geschichte lehrte und in Tel Aviv geboren ist. Zwar gab er seine israelische Staatsbürgerschaft 1984 auf, doch blieb der „kosmopolitische deutsch-jüdische Patriot“ (Wolffsohn über sich selbst) weiterhin Fürsprecher des gelobten Landes. Er weiß dabei mit wirren Auffassungen zu polarisieren, weshalb ihn 1992 der jüdische Bauunternehmer Ignaz Bubis als „Vorzeigejuden der deutschen Rechtsradikalen“ bezeichnete und er sich 2009 mit der Israelitischen Kultusgemeinde zerstritt. Dem unsicheren kosmopolitischen Wolffsohn, der mit all seiner Erfahrung die Welt so viel besser verstehen könnte, steht letztlich der dominierende religiös-provinzielle Wolffsohn gegenüber und gewinnt.

Der lautstarke Boykott israelischer Verteidigungsunternehmen durch den Präsidenten Macron und der Hilferuf an die [israelische] Sicherheitsfirma passen nicht zusammen.

Michael Wolffsohn am 8. November 2025 über das widersprüchliche Frankreich

Wer einen Beitrag mit „Jedermann erkennt“ in Bezug auf einen Juwelendiebstahl einleitet und dann auch noch meint, dass bei Bedarf Juden „sogar von ihren Kritikern, Gegnern und Feinden“ umworben würden, will zwar mit allen Mitteln aus einer völkisch aufgeblasenen Glaubensgemeinschaft einen Club der unweigerlich Weisen machen, bestätigt damit aber nur die irrationale Struktur eines radikalen Staates. Zwar hat jeder Polizeistaat eine omnipräsente Polizei und jede Militärdiktatur eine herrschsüchtige Armee, nur in Israel aber käme man auf die Idee, die aus der Tatsache des gnadenlosen Besatzers entstandene Paranoia zur Tugend zu erklären.

Wolffsohn vertrat schon zuvor die Auffassung, dass das im Dauerkrieg erstickende Israel der einzige Hort der Sicherheit für Juden darstellte, da Europa Opfer einer demografischen Revolution wäre, in der Muslime eine fortwährend wachsende Minderheit und damit politisch gewichtiger würden. Analog zu Juden in Nazideutschland übernehmen bei Wolffsohn Muslime die Rolle des Buhmanns. Der Unsinn solch völkischer Phantasien ist kaum zu unterschätzen, Sicherheit immer relativ und die Sicherheit der einen stellt die Bedrohung der anderen dar. Eine Sicherheit, die nur für auserwählte Völker gilt, ist keine Sicherheit, sondern Unterdrückung.

Auf besondere Weise weise ist Israel zweifelsohne, auf die vorstellbar schäbigste allerdings. Die Zahl der militärischen, politischen und anderen Affären, in die Israel ausnahmsweise einmal nicht verwickelt ist, nimmt kontinuierlich ab. Da wären einerseits der Staatsterrorismus Israels, für den es gar eine eigene Wikipediaseite gibt (natürlich nicht auf Deutsch), die lange Liste der Spionageskandale Israels, oder die fortwährenden politischen Skandale des Landes, von denen Katargate nur der jüngste wäre. Auf der nach oben offenen zionistischen Skandalskala ist jederzeit für alles Platz. Für Wolffsohn begründet sich all das damit, dass Juden nie wieder Opfer sein wollten, ganz so wie Deutsche nie wieder Täter.

Wer jetzt verwirrt ist, muss einfach historisch zurückblicken, denn es geht hier um Blockdenken. Auch Nazis fühlten sich fortwährend missverstanden, waren stolz auf ihre angeblichen Errungenschaften, etwa den Autobahnbau oder die Vollbeschäftigung und nicht minder der Auffassung, dass all ihre Verbrechen einem höheren Ziel dienten. Zwar erkennt jedermann, dass das Quatsch ist, so er nicht selbst Nazi ist. Zeitgenossen wie Wolffsohn verweigern sich dem aber, da sie selbst nunmal Verfechter einer größeren Idee oder Vertreter eines höheren Zieles sind und somit nicht willens wie imstande sind, sich von davon loszulösen oder geschweige denn sich jemals davon zu emanzipieren.

Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.

Aus George Orwells Farm der Tiere (Originaltitel: Animal Farm), 1945

Selbstzweifel sind unangebracht, Israel über alles, Deutschland über alles und MAGA (Make America Great Again) außerdem. So entsteht Kolonialismus, so radikalisieren sich dessen Opfer, so führt Gewalt zu Gewalt. Es gibt immer zwei Kategorien von Menschen: solche, die ihr gesamtes Leben lang etwas vor sich hertragen, was sie als Identität missverstehen und solche, die dies nicht brauchen oder wollen. Jene der ersten Kategorie werden zu gewalttätigen Prinzipienreitern, der Rest zu Opfern, Selbstverteidigung als Terrorismus denunziert. Das Prinzip des Staates Israel ist zionistisch, woraus sich das der Einzigartigkeit, Überlegenheit und Unbesiegbarkeit ableitet. Etwas, was zuvor bereits viele andere soziale Gruppen für sich beansprucht haben und schließlich an ihrer eigenen Kompromisslosigkeit scheiterten. Womit wir wieder beim Thema Nazis wären.

Vielleicht ist er einer dieser netten Nazis, die nicht bei allem mitmachen wollten?

Zitat aus der britischen TV-Serie The Walshes, dritte Episode „Limbo“ vom 27. März 2014

Die alten Nazis fanden ihren postnationalsozialistischen Heimathafen nahtlos in der CDU und fühlten sich dort sauwohl, machten Karriere, prägten die Bundesrepublik bis in die Siebziger Jahre hinein, deren Kinder und Kindeskinder dann weiter. Jeder in dieser miefigen Partei des provinziellen deutschen Protestantismus wusste das, machte sich nichts draus, fand es gut. Auch heute gibt es noch zahlreiche aktive Nazis, in der Ukraine etwa. In jenem besonderen Fall hat sich der Westen der Werte allerdings dazu entschlossen, diese als nette Nazis zu definieren. Der Dokumentarfilm „My Nazi Legacy“ (2016) der BBC beschreibt die Geschichte dreier Kinder berüchtigter deutscher Nazi-Größen, die ihre jeweils eigenen Lebensschlüsse zogen. Und die sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Ab 1:09:06 ist einerseits ein kaum reuiger und alles relativierender Horst von Wächter, Sohn des Kriegsverbrechers Otto Wächter, zu sehen und andererseits der fassungslose Niklas Frank, Sohn des Kriegsverbrechers Hans Frank, der im Gegensatz zu Wächter im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1946 zum Tode verurteilt und gehängt wurde. Für den einen sind die ukrainischen Nazis nett, für den anderen kaum erträglich.

Das Leit- und Leidmotiv jüdischer Weltgeschichte lautet: Der Jud hat seine Arbeit getan, der Jud kann gehen.

Michael Wolffsohn am 8. November 2025 über das philosophische Judentum

In diesem schillerschen Sinne empfinden die Fürsprecher der Ukraine dies ganz genauso als schreiende Ungerechtigkeit, weshalb die dortigen Nazis ausnahmsweise weiter ihre Arbeit verrichten dürfen und zwar keine Juden mehr, zumindest aber weiterhin Russen töten sollen. Sobald dies dann erledigt ist, steht ihnen die Karriereleiter im EU-gestützten antirussischen Traumland zur Verfügung. Analog zu den ukrainischen Nazis sind die nützlichen Idioten aus den Reihen der jüdischen Kolonialisten Palästinas zu sehen. Selbst die zuvor Konvertierten finden auf diese Weise Eintritt in den exklusiven Club des auserwähltes Volkes im gelobten Land. Wer sich in der israelischen Armee einen Namen macht, so viele Araber wie möglich tötet, auch für den steht die politische Karriereleiter bereit.

Hitler ist ein Cecil B. DeMille des Massakers und des Todes. Er ist ein Surrealist.

Salvador Dali während des surrealistischen Tribunals am 5. Februar 1934

Wie einst in Südafrika gilt im politischen Darwinismus immer und überall die Verteidigung irgendeiner Vorherrschaft. Sind alle Araber, Arbeitsscheuen, Fahrradfahrer, Juden, Linke, Moslems, Russen, Schwarzen, Vegetarier oder was auch immer tot oder weg, soll sofort alles besser werden. Das war selbstredend nie der Fall und wird auch niemals der Fall sein. Kann denn Jude Sünde sein? Das muss sich nach dem gewaltsamen Tod von zigtausend Palästinensern jeder Israeli fragen. Damit derlei Fragen gar nicht erst aufkommen, erscheinen Artikel wie jener des Herrn Wolffsohn in der NZZ. Immerhin sind wir nun der Tatsache gewahr, dass Frankreich ohne Israel keine Juwelendiebe mehr dingfest machen könnte. Wer jedoch glaubt, daraus eine Lebenserkenntnis machen zu können, darf sich auf eine Überraschung vorbereiten.

David Andel