Wenn die Nachbarn Israels eines erkannt haben, dann die Notwendigkeit, bis an die Zähne bewaffnet zu sein, am besten mit Atomwaffen. Und wenn Israel eines nicht erkannt hat, dann das Scheitern einer durch Waffen erzielten verbesserten Sicherheitslage. Sämtliche Maßnahmen Israels zur Verhinderung eines palästinensischen Staates führen zu immer höheren Opferzahlen, nicht jedoch zur Beilegung des Ausgangskonflikts. Über die Folgen der Bibifizierung Israels.
Der Schlächter des Nahen Ostens, der in einem Sumpf von Bombenterror, Korruption und antidemokratischen Maßnahmen versinkende israelische Premier Binjamin Netanjahu, warnt seit Jahrzehnten ohne Vorlage auch nur des geringsten glaubwürdigen Beweises vor dem großen bösen Wolf Iran und seinem nuklearen Potenzial. Wäre in all dem auch nur ein Körnchen Wahrheit enthalten, müsste der persische Gottesstaat längst über Dutzende Atomsprengköpfe verfügen, was jedoch nicht der Fall ist. Am 28. Februar 2026 greift das Israel Bibis mit dem mittlerweile messianisch auftretenden Führer der USA in einem unvorstellbaren Akt der Brutalität den Iran an. In der unverständlichen Hoffnung, die meist wirkungslose Enthauptungsstrategie Israels würde im Iran zu gänzlich unerwarteten Ergebnissen führen, wird zunächst die bekannte Führungsriege der Mullahs umgebracht. Dann wird auffällig ziellos weitergebombt und wirr darüber argumentiert. Das Ergebnis: die weitere Zuspitzung der ökonomischen und politischen Lage des Westens, die unter Berücksichtigung der traumatisierenden IS-Attentate 2016, der Pandemie 2020, dem Brexit 2021, der seit 2022 als schwarzes Haushaltsloch fungierenden Ukraine-Posse sowie der fortgesetzten Konfrontationsstimmung gegenüber einem durch die Billiglohn-Exportpolitik der USA zum Produktionsgroßmeister erstarktem China alles andere als aussichtsreich ist.
Die westeuropäischen Regierungen agieren derweil wie gelähmt, verharren in der Tätigkeit, sich gegenseitig mit immer abenteuerlicheren und verzweifelteren Maßnahmen gegen Russland zu übertreffen und versinken gleichzeitig in einer immer größeren Ohnmacht hinsichtlich ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit. Erstaunlich bleibt angesichts dieser desolaten Situation die kaum eingeschränkte Unterstützung Israels, das so die Rolle einer „Tänzerin“ des 19. Jahrhunderts einnimmt, die sich aufgrund ihrer Schönheit alles erlauben kann. Allerdings ist Israel keine Kurtisane, sondern ein selbstmörderischer Aussätziger, dessen Verführungspotenzial sich keinem Vernunftmenschen mehr erschließen will. Mit den Grundlagen transatlantischer Realpolitik hat dies nichts mehr zu tun, denn die Tür zum Herzen der USA öffnet Israel nur noch unter Trump. Die Stimmung im Land des Sternenbanners kippt. Einer aktuellen Gallup-Umfrage zufolge geben mittlerweile 41 Prozent der US-Amerikaner an, dass sie in der Nahostfrage mehr mit den Palästinensern sympathisieren, während nur noch 36 Prozent eher mit den Israelis sympathisieren. Der Unterschied von fünf Prozentpunkten ist statistisch zwar noch kaum von Bedeutung, deutet jedoch einen Richtungswechsel an. Die Strategie vor allem Deutschlands, sich die Liebe der USA mit der bedingungslosen Hingabe zu jeder noch so faschistischen Regierung Israels zu erkaufen, scheitert. Die Freundschaft zu Israel ist ein von Nachteilen behafteter Fluch und außer Waffenproduzenten niemandem mehr förderlich.
Das von Israel in der Levante praktizierte Ungleichgewicht des Schreckens fußt auf der beharrlichen Unfähigkeit zum Frieden mit den Palästinensern und dem leidenschaftlich fortgesetzten Prozess ihrer Enteignung. Gern gerechtfertigt wird dies mit dem Massenmord der Deutschen an den Juden – einen Zusammenhang, den es jedoch nicht gibt. Widmete sich Israel der Entschärfung und nicht der Pflege der palästinensischen Diaspora, wäre dem vorgeblichen Sicherheitsbedürfnis der bibifizierten Nation schnell Genüge getan. Stattdessen wird aber nach jeder Möglichkeit gesucht, weiteres Öl ins Feuer zu gießen, weitere Problemherde zu schaffen und weitere Generationen dazu zu verdammen, die sinnlose Schlacht zwischen Arabern und Juden weiterzuführen.
Der Schaden, den Israel mit jeder Likud-Politikergeneration drastisch vergrößert hat, ist nun irreparabel und Nährboden jahrzehntelangen Terrors nicht nur dort, sondern auch in seinen Unterstützerstaaten. Die Tatsache, dass nur ein Land in der Region über Milch, Honig und Massenvernichtungswaffen verfügen soll, wird zum rechtlichen wie zu rechtfertigenden Problem seiner Fürsprecher, deren Argumente esoterischer und extremer – ein ausgewachsener Glaubenskrieg entsteht. Die größte Gefahr für Israel ist durch seine vehemente Erniedrigung der Palästinenser selbstgemacht, die größte Gefahr für die Region ist Resultat des auf die Spitze getriebenen palästinensischen Feindbilds Israels. Das auserwählte Land hat gemordet, geraubt, vernichtet und vertrieben, es will es weiterhin tun. Es will es weiterhin auch außerhalb seiner ohnehin schon willkürlichen Staatsgrenzen tun. Jeder, der dies nicht akzeptiert, wird zum Feind und ebenso Opfer von Landnahme und Waffengewalt. Es ist diese Logik des Schreckens und keine aus der Geschichte gezogene Lehre, die Deutschland zu seiner Staatsräson gemacht hat, während es sich gleichzeitig darauf vorbereitet, einen Krieg gegen sein anderes größtes Opfer des Zweiten Weltkriegs zu führen, nämlich Russland.
Die geopolitische Logik des Westens ist surreal. Wird dem Willen einer kriegstüchtigen EU nun auch im Bibi-freundlichen Ungarn Genüge getan, tragen diesmal die Konflikte der beiden Millionenopfer des von Deutschland im Alleingang initiierten Zweiten Weltkriegs dazu bei, die ganze Welt ins Chaos zu stürzen und nicht nur die fragile Union Europas nachhaltig zu zerstören. Der apokalyptische Prinzipienreiter Deutschland als bedingungsloser Unterstützer Israels und gleichzeitig kompromissloser Feind Russlands steht in diesem furchteinflößenden Szenario erneut an vorderster Stelle. Auch der möglicherweise schon längst begonnene Dritte Weltkrieg wäre dadurch in nicht geringem Maß wieder ein deutscher.
Die als „Gleichgewicht des Schreckens“ bezeichnete bedrohliche, jedoch austarierte, Konfrontation nuklear gerüsteter Staaten soll vom Westen der Werte im Nahen Osten unter allen Umständen verhindert werden. Der Iran darf keine Atomwaffen besitzen, obgleich er dies ursprünglich auch gar nicht wollte, jetzt aber garantiert umdenkt. Das Resultat dieser ignoranten Politik lässt sich in den Ruinen Gasas und des Libanon beobachten. Der mit den meisten Waffen ausgestattete Staat herrscht dort ungebremst mit seinen Bomben, die er auf Kinder, Frauen, Zivilisten und seine prozesslos hingerichteten vermeintlichen Gegner wirft. Was folgt auf Gasa und den Libanon? Syrien und der Iran? Wie groß muss die Fläche verbrannter Erde sein, damit die Sicherheit Bibis oder Israels gewährleistet werden kann?
Währenddessen lässt sich im NATO-Expansionskrieg der Ukraine beobachten, wie das von Atomwaffen angeblich gewährleistete Gleichgewicht des Schreckens ignoriert wird und stattdessen vom grausamen „Kochen eines Froschs“ die Rede ist. In all dem ist keine Logik mehr auszumachen. Wenn Atomwaffen keine abschreckende Wirkung haben, welche Rolle spielen sie dann überhaupt und wieso soll der Iran dann keine haben? Die Argumente der Militärs scheinen nur noch dem Selbsterhalt und Machtausbau zu dienen – ein einziger Clausewitz.
Keine der immer drastischer werdenden Aktionen zur Erhöhung der Sicherheit Israels hat bislang Wirkung gezeigt. Alles, was passiert, dient weiterhin nur der Ablenkung von der Palästinafrage. Israel zufolge darf und soll es niemals mehr einen Staat Palästina geben, denn jene Palästinenser, die es tagtäglich so zahlreich und routiniert wie Ungeziefer auf seinen Feldern ermordet, gibt es angeblich nicht. Zur Herstellung dieser menschenverachtenden zionistischen Wirklichkeit ist dem radikalen jüdischen Staat alles recht, auch ein Krieg zur totalen Auslöschung der Zivilisation des Iran.
- Der Bau einer 60 Kilometer langen Mauer um den Gasastreifen im Jahre 1994, die zwischen 2019 und 2021 stark ausgebaut wurde und bis zu 40 Meter in den Boden reicht, konnte die im Rahmen der „Operation al-Aqsa-Flut“ (عملية طوفان الأقصى) durchgeführten Anschläge der palästinensischen Hamas vom 7. Oktober 2023 nicht verhindern. Die ursprünglich bis zu 300 Meter breite Sicherheitszone wurde stets vergrößert und verschlechtert die Lebensumstände der dort lebenden Palästinenser kontinuierlich. Zwischen Ende 2005 und Ende 2010 erschoss die israelische Armee in der Sicherheitszone 177 Palästinenser, darunter mindestens 38 Zivilisten. 2004 wurde das 13-jährige Schulmädchen Iman Darweesh Al Hams in der Nähe eines Kontrollpunktes von einem Hauptmann der israelischen Armee mit 17 Schüssen brutal ermordet.
- Der seit dem 7. Oktober 2023 von Israel unter dem Namen „Operation Eiserne Schwerter“ (מלחמת חרבות ברזל) durchgeführte israelische Bombenterror im Gasastreifen, welcher als Racheakt für die Anschläge des 7. Oktober 2023 verkauft wird und sich gegen eine Hamas richten sollte, die zuvor von Israel unter lautstarkem Zynismus finanziell und propagandistisch gestärkt wurde, um jegliche funktionale palästinensische Regierung zu verhindern, führte nicht zur Auslöschung der Hamas, jedoch zu großen Teilen der Einwohner von Gasa sowie deren gesamter Infrastruktur. Offiziellen Angaben zufolge kamen bislang mindestens 80.692 Palästinenser zu Tode, mindestens 171.761 wurden verletzt, mindestens 1,9 Millionen vertrieben und mindestens 12.000 Personen von Israel inhaftiert. Es ist davon auszugehen, dass die endgültigen Opferzahlen noch deutlich höher sind.
- Die vom israelischen Geheimdienst Mossad bewirkten Explosionen von Pagern und Walkie-Talkies der Hisbullah am 17. und 18. September 2024, bei denen libanesischen Angaben zufolge mindestens 37 Menschen getötet und rund 3.000 verletzt wurden führte keineswegs zum Ende der Hisbullah. Am vergangenen Mittwoch trafen auch nach Aushandlung eines Waffenstillstandes mit dem Iran binnen zehn Minuten israelische Kampfflugzeuge einhundert Ziele im Libanon und töteten mindestens 303 Menschen, 1.150 weitere wurden verletzt, darunter zahlreiche Zivilisten. Die Hisbullah allerdings besteht weiter.
- Der von Bibi am 28. Februar initiierte und noch andauernde US-israelische Iran-Feldzug lässt nicht darauf hoffen, die Lage für irgendwen auf dieser Welt verbessert zu haben. Die israelische Enthauptungsstrategie (zu den Opfern gehörten unter anderem Abdolrahim Mousavi, Ali Chamenei, Ali Laridschani, Asis Nassirsadeh sowie Mohammad Pakpour) blieb wie schon mehrfach zuvor folgenlos. Offiziellen Angaben zufolge kam es auf iranischer Seite zu 3.375 Toten und 26.500 Verletzten. Schätzungen der New York Times zufolge entstand dem Iran ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von 300-1.000 Milliarden US-Dollar. Auf israelischer Seite soll es bislang zu Verlusten von 13 Soldaten und 27 Zivilisten gekommen sein, zudem gab es 7.693 verletzte Zivilisten und 428 verletzte Militärs. Es entstand ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von 11,54 Milliarden US-Dollar. Die USA geben an, 15 Soldaten verloren zu haben, zudem gab es 538 verletzte Militärs.
Statistischen Erhebungen zufolge kostete der Terror seit der Staatsgründung Israels auf fremdem Land das Leben von 5.340 Israelis (1948-2025), denen mindestens 134.000 palästinensische Opfer (1948-2024) gegenüber stehen, also fünfundzwanzigmal so viele. Das Töten geht weiter, das Ergebnis wird jedoch nicht besser. Solange es kein unabhängiges und sicheres Palästina gibt, kann es auch keine Sicherheit für Israel geben. Alle Anzeichen lassen darauf schließen, dass mit weiterer Steigerung der beiderseitigen Gewaltmaßnahmen auch die Reaktionen darauf immer heftiger werden. Die Staatsgründung Israels ist somit nichts anderes als eine Spirale des Todes für die gesamte Region.
Keine der brachialen Handlungen haben Netanjahu Umfragen zufolge dabei geholfen, aus den kommenden Wahlen am 27. Oktober als Sieger hervorgehen zu können, sein Prozess dürfte daher fortgesetzt werden und der auf ihn lautende Steckbrief des Internationalen Strafgerichtshofs nicht mehr umgangen werden können. Auch den erbärmlich schlechten Ruf Israels konnten die zwischenzeitlich vielen Tausend Tote nicht aufwerten, es gilt international als Paria- oder Schurkenstaat. Israels Ungleichgewicht des Schreckens ist folglich kein Ausweg aus dem Hass gegen die Palästinenser, sondern das genaue Gegenteil davon. Es ist nicht mehr und nicht weniger als eine weitere Bankrotterklärung der Menschheit.
David Andel


