Das europäisch verursachte gestohlene Land inmitten Arabiens selbstverteidigt sich besonders gerne gegen jene, die zum Teil bis zum heutigen Tage trotz der Brutalität seiner Besatzung in ihrer Heimat überleben. Dieser schlimmste aller Unrechtsstaaten der Moderne wird nicht müde, sich immer neue, immer grausamere Methoden auszudenken, um all die Spuren von den rechtmäßig dort weilenden Palästinensern zu verwischen. NAZA ist dabei ein militärisches Akronym, das von der Besatzungsarmee verwendet wird, um die Zahl der Zivilisten anzugeben, von deren Tod im Gasastreifen infolge eines Luftangriffs zu rechnen ist.
Der von der britischen Tageszeitung The Guardian produzierte Dokumentarfilm NAZA von Yuval Abraham und Rachel Szor, der die brutale Strategie des von Israel verübten fortwährenden Massenmords beschreibt, wurde bei seiner Premiere auf den 83. Filmfestspielen von Venedig mit einer 25-minütigen stehenden Ovation gefeiert, einer der längsten Beifallsbekundungen der gesamten Geschichte des Festivals. Der Film beschreibt die so genannten „Kollateralschäden“ kaum vorstellbaren Ausmaßes in Gasa und stützt sich auf Aussagen der am Kriegsgeschehen beteiligten Geheimdienstmitarbeitern und Soldaten, basierend auf Berichten der israelischen Medien +972 Magazine und Sikha Mekomit sowie des Guardian, die zwischen 2023 und 2025 veröffentlicht wurden.
+972 führte dabei über drei Jahre lang dramatisch-gespenstisch wirkende nächtliche Interviews mit 24 israelischen Soldaten auf Hausdächern in Tel Aviv. Es waren allesamt Armeeangehörige, die eine aktive Rolle beim brutalen völkerrechtswidrigen Angriff auf Gasa spielten. Die meisten davon waren jedoch nicht direkt in die Kampfhandlungen verwickelt, sondern Geheimdienstoffiziere, die bequem von ihren Bildschirmen aus die massenhafte Hinrichtung von Palästinensern im größten Freiluftgefängnis der Welt koordinierten. Sie stammten mehrheitlich aus dem Kern des liberalen Lagers Israels, sie dienten in den prestigeträchtigsten Einheiten des Militärs, sie beschrieben ekelhafte Methoden künstlicher Intelligenz, um die Standorte ihrer Ziele mittels abgehörter Telefongespräche oftmals mit Frauen und Kindern auszumachen, kurz bevor die Leben sämtlicher Teilnehmer ausgelöscht wurden.
Zerstört wurden ganze Viertel, in denen noch immer bis zu 25% der Einwohner in ihren Häusern Schutz suchten, systematisch ganze Häuser, in denen sich überhaupt nur Zivilisten befanden sowie Menschen, die in ihrem Überlebenskampf Schlange standen, um Nahrungsmittel zu ergattern. Es gab für die Bewohner unbekannte wie unsichtbare Todeslinien, deren Überschreitung mit dem unmittelbaren Tod durch Scharfschützen betraft wurde. Es waren in keinem Fall „sporadische Kriegsverbrechen, die von Schurkensoldaten begangen“ wurden, es war von Anfang an ein System des Massenmords, bei dem etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung des Gasa-Streifens umkamen und mindestens 174.000 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.
NAZA ist dabei nicht nur eine Produktion des Guardian, sondern auch des britischen Produzenten James Wilson sowie des ebenfalls britischen Regisseurs Jonathan Glazer, die beide mit ihrer furchterregenden KZ-Alltagsharmonie The Zone Of Interest im Jahr 2023 für Furore sorgten. Diese von vielen kaum überraschend unverstandene akribisch-schöne Darstellung der deutsch-patriotisch-kitschigen Banalität, die hinter der industriellen Tötung von Millionen jüdischer und zahlreicher anderer Menschen steckte und diese als eine Art notwendiges Übel, wohl als die „Drecksarbeit“ des damaligen Deutschlands auf eine Weise in ihre menschenverachtende Routine integrierten, als wäre solch himmelschreiendes Unrecht nicht zuletzt auch zur Gewährleistung der deutschen Kriegstüchtigkeit einfach unumgänglich.

Auf den von der deutschen Konformpresse so gefeierten Film des jüdischen Briten Glazer folgt nun ein von ihm mitproduzierter Dokumentarfilm, über den von den gleichen Medien wohl nur unter großer Überwindung berichtet werden dürfte. Der allerengste, allerbeste und dauerleidende Freund Deutschlands, der staatsräsonal und transatlantisch so vorbildlich in den Wertewesten integrierte Judenstaat wird in NAZA als das geschildert, was er ist, nämlich als menschenverachtendes Gebilde, das kaum jemals eine Zuflucht für die wenigen Überlebenden des Holocaust, sondern stets ein religiös-rassisches Staatskonstrukt und eine Vorhut weißer Vormachtstellung im Nahen Osten war.
In den kommenden Jahren – vielleicht in einer Ära nach Netanjahu, falls es dazu kommen sollte – könnten Teile des liberalen Lagers in Israel versuchen, sich von den Verbrechen in Gasa zu distanzieren und sie der rechtsextremen Regierung anzulasten.
Das israelische Magazin +972 am 10. September 2026 über die mögliche Zukunft des Judenstaates
Die befragten Soldaten in NAZA stimmten aufgrund der Angst vor staatlicher Repression unter Wahrung ihrer Anonymität allesamt ihrer Befragung zu. Während sie ihre Aussagen machten und die Leben der Menschen in Gasa en gros abrupt beendet wurden, ging der israelische Alltagstrott seinen gewohnten Gang weiter, wurde am Strand gebadet, in Diskotheken getanzt und der übliche Fastfood-Fraß verzehrt. Das alles erinnert frappierend an The Zone Of Interest. Wie das Leben von Tieren in Schlachthöfen oder den Opfern Deutschlands in Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Majdanek, Mauthausen, Ravensbrück, Sachsenhausen, Struthof u. v. a. m. blieb das Massaker vor allem durch Ignoranz weit entfernt.
Nichts anderes als eine ethnische Säuberung nach Hautfarbe und Herkunft
Der deutsche Bundeskanzler Merz erkannte am 9. September 2026 zwar das Problem, verwechselte jedoch den Ort
Wer heute die immer noch voranschreitende Verwüstung im Gasastreifen und die Zerstörung der Lebensgrundlagen im Westjordanland, im Libanon und Syrien wahrnimmt, die Leiden der dort kaum noch ein lebenswertes Leben führenden Menschen sieht, die endlose Qual in deren Aussagen hört und sich im Klaren darüber ist, dass der Staat Israel alles in seiner Macht stehende tut, um Bezeugungen der Opfer zu ersticken oder diskreditieren, auch nur die mindesten Hilfeleistungen zu verhindern und jegliche juristische Aufarbeitung und Strafverfolgung zu vereiteln, der wird sich an die widerlich-hämischen Kommentare der letzten Jahrzehnte aus den Mündern israelischer Politiker erinnern, die seit jeher eine Strategie erkennen lassen, die von langer Hand vorbereitet war und abermals eine „Drecksarbeit“ darstellt, diesmal jene des Zionismus. Es sind längst nicht nur die beiden rassistischen Clowns des Grauens Ben-Gvir und Smotrich, es ist längst nicht nur das Geld des AIPAC und anderer, es ist die Grundidee, die gesamte Ausrichtung dieses Staates und seines religiösen Zerrbilds von der gesamten Region.
David Andel
