Laurel & Hardy in Brats (1930)

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Während die US-amerikanische Immobilienoligarchie das, was vom Westen noch übrig ist, gerade hinfort regiert, verharren die Europäer im Phrasendreschen zwischen dem Ruf nach mehr Fachkräften, längeren Arbeitszeiten, Sanktionen gegen unliebsame Meinungen sowie aggressivem Zionismus und Ruin Russlands als Staatsräson. Wie das alles enden wird, ist leicht vorstellbar.

Der unablässige Catfight zwischen den zwielichtigen Gestalten der EU-Außenbeauftragten und der EU-Kommissionspräsidentin, ein unter dem Liebesentzug der USA leidender ehemaliger Blackrock-Manager als deutscher Bundeskanzler, ein von sich selbst faszinierter Westentaschen-Macho im Élysée-Palast, ein farbloser Pantoffelcharismatiker in der Downing Street, allerlei Don Quijotes im Kampf gegen die Windmühlen der Überfremdung in einem erstarkenden Rechtsaußen-Europa sowie aggressive, kopflose, verlorene oder nestbeschmutzende Transatlantiker allerorten prägen das Bild des heutigen Westens. Sie allesamt eint, sich auf Rezepturen vergangener Tage zu berufen, selbst nach unzähligen Desastern weiterhin auf diesen zu beharren und auch angesichts deutlich sichtbarer Risse im Fundament ihres Weltbilds ihre Anstrengungen so extrem zu verstärken, dass schon beim kleinsten Versuch der Umkehr oder auch nur des Einhalts der Zusammenbruch von allem zu befürchten ist.

1945 haben die Vereinigten Staaten entschieden, sie werden zu einer europäischen Macht, obwohl sie ein paar tausend Kilometer entfernt sind. Weil sie verhindern wollten, dass in Europa der Dritte Weltkrieg ausbricht. Weil sie nicht schon wieder ihre Soldaten in den Krieg schicken wollten, haben sie gesagt, wir werden zu einer europäischen Macht. America in, Russians out, Germans down. [Amerika rein, Russland raus, Deutschland runter] Und um Germans down hinzukriegen, wurden zwei Institutionen erfunden: die eine nennen wir heute Europäische Union und die andere NATO.

Sigmar Gabriel (SPD), Vorsitzender der Atlantikbrücke am 6. Januar 2026 in der ARD

Es ist einerseits zwar schön, dass solch wesentliche Erkenntnisse nun auch die SPD erreicht haben. Anderseits stehen wir weiterhin unter dem Fluch US-amerikanischer Neokonservativer und sind selbst nach deren vorübergehender Entmachtung gehalten, jedes NATO-Spektakel und jeden transatlantischen Schattenkrieg mitzumachen – bis sämtliche EU-Wirtschaften zugunsten der USA ruiniert sind. Der Geist des EU- und NATO-Feindes, der Israel hasst, Russland liebt und die USA fürchtet, soll dazu ausgetrieben, alle Vertreter nicht konformer Medien umerzogen, gesammelt ans Hungertuch, hinter Gitter oder an den Pranger gezwungen werden, um dann die propagandistisch optimierten Bürger freudig strahlend in den Krieg gen Russland entsenden zu können.

Am Montagmorgen gab Starmer dann eine Dringlichkeitspressekonferenz in der Downing Street. Das war Keir in seiner ernsthaftesten Rolle. Und um ehrlich zu sein, ist er besser darin, ernst zu sein, als charismatisch und mitreißend. Das war Keir aus seiner Vergangenheit als Anwalt. Er erklärte einem Mandanten, warum er seine Berufung gegen das Todesurteil verloren hatte. Nächster Halt: eine Phase als Bestatter. „Mein herzliches Beileid zu Ihrem Verlust.“

John Crace am 19. Januar 2026 über Keir Starmers Unfähigkeit, auf Trump auch nur zu reagieren

Wenn einer irren Erscheinung wie Trump nichts mehr entgegenzusetzen ist, gleichzeitig aber an den revanchistischen Brzeziński-Strategien der US-Vorgängerregierungen zur Isolation Russlands festgehalten wird, dann ist das Hauptproblem nicht der externe Feind, sondern das eigene Feindbild. Brzeziński ist tot, der Neokonservatismus zum wiederholten Male gescheitert und die heutigen USA abgewirtschaftet und unberechenbar. Ihnen weiterhin folgen und deren vergangene Feindbilder bekämpfen zu wollen, dient nicht der Stärkung des europäischen Selbstbewusstseins oder der Förderung einer ideen- wie kraftlos vor sich hinsiechenden europäischen Wirtschaft. Die unabänderlich korrupte und nationalistisch verkommene Ukraine mit weiteren Geldmassen im Glauben zu halten, dass Russland eines Tages zum neokonservativen Selbstbedienungsladen wird, an der sich der verrottete Westen gesammelt gesundstoßen kann, ist nurmehr verantwortungslos und verlogen.

Ein glücklicher Vasall zu sein ist eine Sache. Ein unglücklicher Sklave zu sein ist etwas anderes.

Der belgische Premierminister Bart de Wever am 21. Januar 2026 zur Lage der Europäer

Die gewaltigen finanziellen Aufwendungen für die Ukraine sowie die ausufernde Militarisierung Europas werden für die EU und deren Bürger sinnlos verpuffen. Diesen festzustellenden Wohlstandsverlust mit Austerität wettmachen zu wollen, ist schäbig. Wenn es einen derartigen Fachkräftemangel gibt, dass selbst nach jahrzehntelangen Gestaltungsmöglichkeiten vor allem CDU-geführter Regierungen nichts anderes als Klagen darüber zu vernehmen sind, dann ist es an der Zeit, das kapitalistische Prinzip von Angebot und Nachfrage zu praktizieren und seltene Spezialisten höher zu entlohnen. Und wenn es seit Jahrzehnten heißt, dass mehr gearbeitet werden müsse, dann doch bitte mit der Angabe, mit welchem Ziel, abgesehen von einer immer größeren Bereicherung stets kleiner werdender Gruppen. So aber die einzig noch politisch vorstellbare soziale, technologische und wirtschaftliche Stimulanz nurmehr innovativ unfruchtbare „Kriegswirtschaft“ lautet, dann ist die Zeit für jene Menschen gekommen, die unverändert auf die Macht der Kreativität und Neuerung setzen, sich an Orte zu begeben, wo der düstere Drang nach nationalem Mord und Totschlag niedriger ist.

Wir haben in Deutschland im Durchschnitt sechs Wochen Urlaub und zwölf Feiertage pro Jahr. Bei der wöchentlichen Arbeitszeit liegen wir gleichzeitig mit durchschnittlich 37,5 Stunden niedriger als alle unsere Konkurrenten. Wir können die Zukunft nicht dadurch sichern, das wir unser Land als kollektiven Freizeitpark organisieren.

Bundeskanzler Helmut Kohl am 21. Oktober 1993

Der Anstieg der Lebensqualität muss herausragende Stimulans eines jeden gemeinschaftlichen Systems sein, das Gegenteil wird scheitern. Angesichts der politisch gewollten Anhäufung von Schulden zugunsten geostrategischer Phantasien kann es nicht angehen, die EU-Bevölkerungen nun zur Kasse zu bitten. Die begangenen Fehler zum wirtschaftlichen Abstieg sind politischer Natur, das Konsumklima desaströs. Unsere Volksvertreter vermitteln zwar den Eindruck, immer bestens informiert zu sein und die einzig richtigen Entscheidungen treffen zu können. Die Realität jedoch ist anders, denn sie glauben nur an eine selbst definierte Wirklichkeit, in der Russland das Zeitliche segnet, die USA zur transatlantischen Freundschaft zurückfinden und Israel als Flugzeugträger des Westens den Nahen Osten beherrscht. Eine einmal eingeschlagene Richtung ist aber keine Strategie und ein unbedingter Wille keine werdende Wirklichkeit.

David Andel