Europäische Einigkeit (Gemälde von zwei von Kampfhähnen)

Chaos, das nicht sein darf

Die Europäische Union ist kein Staat, sondern ein Staatenbündnis. Schon die Tatsache, dass Ursula, Tochter von Ernst Albrecht, das ignoriert, spricht Bände. Ihr Europa soll die USA vor Trump ersetzen, nicht weniger. Möchte die deutsche Maus daher brüllen, tut sie das bevorzugt über ihr Organ in Brüssel, als wäre es lauter. Im Alleingang hat Berlin viel zu große Angst, gerade vor Trump.

So sich die Einigkeit der Europäischen Union im kleinsten gemeinsamen Nenner ihrer Mitgliedsstaaten fände, wäre sie gewaltig. Einigkeit aber ist etwas anderes. Dies war zuletzt bei der versuchten Vergewaltigung Belgiens durch Deutschland festzustellen. Kaum eine Gelegenheit wurde ausgelassen, Belgien als europäischen Vaterlandsverräter darzustellen, obgleich es gar kein europäisches Vaterland gibt. Dennoch scheiterte die brachiale Vorgehensweise und Premierminister de Wever blieb stur wie allen Belgiern längst bekannt, nur das ignorante Deutschland gab sich Illusionen der Großmannssucht hin.

Der Druck in dieser Angelegenheit ist unglaublich. Ich habe ein Team, das Tag und Nacht daran arbeitet. Es wäre eine schöne Geschichte: dem Bösen, Putin, Geld wegzunehmen, um es dem Guten, der Ukraine, zu geben. Aber die eingefrorenen Vermögenswerte eines anderen Landes, seine Staatsfonds, zu stehlen, das hat es noch nie gegeben. Es handelt sich um Geld der russischen Zentralbank. Selbst während des Zweiten Weltkriegs wurde das Geld Deutschlands nicht beschlagnahmt. Während eines Krieges werden Staatsvermögen eingefroren. Und am Ende des Krieges muss der unterlegene Staat diese Vermögenswerte ganz oder teilweise abgeben, um die Sieger zu entschädigen. Aber wer glaubt wirklich, dass Russland in der Ukraine verlieren wird? Das ist eine Fabel, eine totale Illusion. Es ist nicht einmal wünschenswert, dass es verliert und dass in einem Land, das über Atomwaffen verfügt, Instabilität einkehrt.

Bart de Wever am 2. Dezember 2025 über die Enteignungsstrategie der EU

Europa ist so uneins wie nie zuvor, Jahrzehnte mühseliger Arbeit zum Aufbau eines stabilen europäischen Hauses versinken inmitten ukrainischer Trümmer. Transatlantische Totengräber haben aus dem Friedensprojekt eine Konfrontationsgesellschaft gemacht, aus dem europäischen Gedanken wurde ein Albtraum. Wenn ein Staatenbündnis seine eigenen Mitglieder derart unter Druck setzen muss, um eine Einigung zu erzielen, dennoch aber damit scheitert, dann kann vom Geist der Gemeinsamkeit keine Rede mehr sein. Wer solche Freunde hat, braucht keinen Feind. Nun ist Europa erneut so zerstritten wie zuvor und nach zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert wird schon im 21. Jahrhundert wieder zu den Waffen gerufen.

Die Botschaft an Belgien lautet: Wenn es sich nicht anschließt, werden seine Diplomaten, Minister und Politiker ihre Stimme am EU-Verhandlungstisch verlieren. […] Seine Meinung zu EU-Vorschlägen würde nicht eingeholt werden. Seine Anrufe würden unbeantwortet bleiben, so der Diplomat. Das wäre eine harte Realität für ein Land, das sowohl buchstäblich als auch symbolisch im Herzen des EU-Projekts liegt und das über seine Verhältnisse gelebt hat, wenn es darum ging, führende Rollen wie die Präsidentschaft des Europäischen Rates zu übernehmen.

Das Springer-Medium Politico am 10. Dezember 2025 über Belgien

Die britische Insel ist zwar noch Mitglied der NATO, nicht jedoch mehr Bestandteil der EU. Die Scheidung erfolgte im Streit und wird nicht die letzte sein. Währenddessen entdeckt die von der EU ausgegrenzte Türkei ihre eigene Stärke und konzentriert sich auf regionale Widersacher. Die baltischen Kleinstaaten geben sich aggressiv, sind Europa aber weder wirtschaftlich noch militärisch zuträglich. Die Slowakei, Ungarn und EU-Anwärter Serbien dämpfen ihre Hoffnungen, denn weder die EU noch die NATO können bislang damit überzeugen, dass ihnen eine glorreiche Zukunft bevorsteht. Europa kehrt großen Schrittes zur Kleinstaatlichkeit zurück.

Ah, Politico! Sie haben ausgezeichnete Artikel mit wirklich aussagekräftigen Titeln veröffentlicht. Sie behaupteten, ich sei Russlands wertvollster Trumpf geworden. Das fand ich sehr schmeichelhaft. Ich werde mich daran erinnern. […] Wie ich bereits sagte, beherrscht ein echter Politiker seine Emotionen, auch wenn es sich um Wut, Rache oder sogar Gewalt handelt. […] Jetzt muss ich zu meiner Datscha in Sankt Petersburg, wo Depardieu mein Nachbar ist. Und auf der anderen Straßenseite lebt Assad. Und ich denke, ich kann Bürgermeister dieses kleinen Dorfes werden. Vielleicht könnte das ja Ihre Schlagzeile sein!

Ein sichtlich genervter Bart de Wever am 18. Dezember 2025 nach dem EU-Gipfel

Die Konsequenz? Noch nie wurde so viel sanktioniert wie zurzeit. Sanktionen nicht zuletzt von der EU gegen Europäer wohlgemerkt. Was das für einen Eindruck hinterlässt, darf sich jeder ausmalen, zu erhöhtem Zusammenhalt wird dies gewiss nicht führen, zu einem verstärkten Freiheitsgefühl ebensowenig. Wenn sich politische Schwächlinge zu Stimulanzien abmahnender Anwaltskanzleien entwickeln und politisch Andersdenkende zu Staatsfeinden erklärt und entrechtet werden, dann verdeutlicht das, von wem die tatsächliche Gefahr ausgeht und wer der aufgebauschte Feind ist. Geeint gegen Russland oder ohne Russland keine Einigkeit mehr?

Der Preuße sagt: „Und du, Michel, schrei nicht so! Der Kaiser wünscht sich, dass auch wir Freiwillige haben, also lass sie aus freiem Willen kommen!“ (sowjetische Propaganda)
Der Preuße sagt: „Und du, Michel, schrei nicht so! Der Kaiser wünscht sich, dass auch wir Freiwillige haben, also lass sie aus freiem Willen kommen!“ (sowjetische Propaganda)

Die Europäische Union, die NATO und vor allem auch die Ukraine wollten trotz zahlreicher Warnungen einen Krieg gegen Russland führen. Ein Russland, das die Erwartungshaltung bestätigte und eine wohl vorbereitete Welle westlicher Propaganda lostrat, die bislang allerdings zu keinem positiven Ergebnis führte. Im Gegenteil, die Angelegenheit entgleitet, besagter Krieg endet bei weitem nicht so schnell und mit dem erwarteten Ausgang. Zugleich frönt der gehegte wie gepflegte Bündnispartner Israel einem nicht minder wohl vorbereiteten Blutrausch und in den USA regiert ein Präsident, der den Europäern fortwährend in die Suppe spuckt. Was wir nun beobachten, ist ein Wettbewerb des längeren Atems unter Atemlosen, den die Europäische Union als unbeliebter Staatenbund, getragen von unbeliebten Regierungen, zweifelsohne verlieren wird.

David Andel