Gaza Riviera

Wes Brot ich ess

Im Mittelalter sollen gesungene Lobhudeleien dazu beigetragen haben, provinziellem Adelspopanz den Bauch zu pinseln. Wer dachte, dass solch archaische Rituale überwunden wären, irrt. Selbstbereicherungsmajestäten vom Schlage Netanjahu und Trump ertragen keine Beutezug-Widerworte und bestrafen jeden, der nicht folgewillig ist. Aus der EU sind keine Hindernisse zu erwarten, der US-israelische Größenwahn hat freie Bahn.

Eines ist sicher: mit dem reinweißgeborenen Elon Musk als Spender der US-Administration von Bush Senior vor 35 Jahren wäre Südafrika noch immer von Weißen regiert und Nelson Mandela wie geplant im Gefängnis verrottet. George H. W. Bush war für seine Unfähigkeit, das Apartheidsregime Südafrikas zu verurteilen, ebenso bekannt wie Donald Trump heute für seine Unfähigkeit, Israels Terrorregime anzuprangern. Subventionsmilliardär Musk kann es nicht ertragen, dass Weiße in Südafrika immer noch leiden – was Schwarze über die gesamte Geschichte des Apartheidsstaates zu ertragen hatten, ficht ihn hingegen nicht an. Als in Südafrika noch alles seine Ordnung hatte, drückte der oftmals gehänselte und damals schon recht hässliche Elon die Schulbank und verließ das Land kaum überraschend dann, als es für die herrschenden Weißen insgesamt hässlich wurde.

Es war eine gute Zeit, weil es keine Verbrechen gab, es gab keine Probleme. Die Menschen, Schwarze und Weiße, verstanden sich sehr gut miteinander. Alles hat funktioniert. Das ist die Wirklichkeit. Natürlich wollen die Leute das nicht hören, aber das ist die Wahrheit.

Elons Vater Errol über seine Eindrücke von Südafrikas Apartheidsregime

Musks Großvater führte in Kanada eine faschistische Randbewegung an, die sich für eine Regierung elitärer Technokraten einsetzte und wanderte schließlich in das Südafrika der Apartheid aus, da das rassistische System dort ganz seinen Vorstellungen entsprach. Dass Enkel Elon später, wenn auch nur kurz, mit dem nicht minder rassistischen US-Präsidenten Donald Trump zusammenarbeiten würde, hätte Opa Walter gewiss mit Stolz erfüllt. Und wenn das heutige Südafrika Rückzugsgebiet nicht nur rumänischer Bandenkriminalität ist, muss das zweifelsohne die Schuld der ursprünglichen Bewohner sein.

Wir werden mal die Regeln ändern … ich bitte um einen Moment Ruhe. Sobald es wie bei Tieren chaotisch wird, sind wir weg. Verhaltet euch zivilisiert, seid freundlich und tolerant, denn das ist das Problem mit dem, was in der Region passiert.

Tom Barrack, US-Sondergesandter für Syrien, am 26. August 2025 über sein Bild der Region

Die ausufernden Softpower-Methoden vergangener US-Administrationen erinnerten immer mehr an das Multi Level Marketing moderner Scheinfirmen und zeigten spätestens mit Joe Biden deutliche Abnutzungs- wie Zerfallserscheinungen. Das System fortwährender internationaler Einflussnahme war für das Land des Sternenbanners ineffizient und unbezahlbar geworden, während den unzuverlässigen Europäern der sorgsam geplante Ruin Russlands völlig misslang. Es wurde deutlich, dass so oder so alles bald zusammengebrochen wäre, weshalb Trump das marode administrative Gefüge durch seine diktatorisch motivierte Hierarchie der Gier ersetzen würde. Die USA haben den Wandel zur Oligarchie vollzogen, wesentlicher Bestandteil des Ganzen ist neben zahlreichen anderen Politzampanos vom gescheiterten Bolsonaro Brasiliens bis hin zum scheiternden Milei Argentiniens vor allem Israels Bibi.

Tolle „Smart City“ in Gasa
Tolle „Smart City“ in Gasa: wer würde so nicht leben wollen?

Der Wahnsinn mit Methode gipfelt in der Riviera-Vision für Gasa, einem Vorschlag des israelisch-amerikanischen Risikokapitalgebers Michael Eisenberg und des israelischen Technologieunternehmers Liran Tancman, ehemaliger Geheimdienstoffizier der israelischen Armee. Die dahinterstehende PR-Schönfärbung der ethnischen Säuberung unter dem Namen The GREAT Trust (Gaza Reconstitution, Economic Acceleration and Transformation = Gasa-Wiederaufbau, wirtschaftliche Beschleunigung und Umwandlung) erinnert an die Phantasien von Zehnjährigen mit Buntstiften und entstand wenige Wochen nach den Angriffen des 7. Oktobers 2023. Nachdem in Gasa alles dem Erdboden gleichgemacht, fast alle der zwei Millionen Einwohner aus ihren Häusern vertrieben und mindestens 63.000 Menschen, überwiegend Zivilisten, kaltblütig ermordet wurden, soll auf den Ruinen ein Zweit-, Dritt- oder Viert-Dubai entstehen, das außer den finsteren Zirkeln um Trump und Netanjahu niemand braucht oder will. Ein allzu idiotischer Hort für Scheinfirmen, Urlauber in Schlappschuhen und halbversklavte Diener auf einem palästinensischen Massengrab.

Das Ziel: Ein florierendes Gasa am Scheideweg einer neuen abrahamitischen Architektur

Das Risiko: Gasa ist ein iranischer Vorposten in einem moderaten Teil der Region, der die IMEC / abrahamitische Architektur bedrohen und jede künftige palästinensische Selbstverwaltung untergraben wird.

Die Chance: Gasa ist ein regionaler Handelsknotenpunkt an der Kreuzung der alten Seeroute (Ägypten > Gasa > Babylon) und der Weihrauchhandelsroute (Indien > Jemen > Arabien > Europa). Es kann erneut im Zentrum einer pro-amerikanischen regionalen Architektur aufblühen.

Visionen betrunkener Israelis? Aus dem Werbeprospekt zur illusorischen Zukunft Gasas.
Saudis im Glück in Gasa
Wunschvorstellungen von Zehnjährigen mit Buntstiften: Saudis im Glück in Gasa

Eine Broschüre voller unterwürfiger wie kaum auszuhaltender Lobhudelei über Saudi-Arabien und die USA steht uns nun allen endlich zur Verfügung. Auf einer Landkarte ist von einem „MBS-Ring“ die Rede, sodass schonmal der saudische Premierministerprinz Muhammad bin Salman mit seinen Erdölersparnissen dabei sein muss, die ihm beim heimischen Science-Fiction-Großprojekt NEOM aber bereits fehlen. Die Architektur des Ganzen ist ästhetisch schrecklich, konzeptionell eine Totgeburt und wirtschaftlich lachhaft. Um den Menschen das Verlassen ihrer völlig zerstörten Heimat schmackhaft zu machen, sind 5.000 US-Dollar pro Person, Mietzahlungen für vier Jahre (100% im ersten Jahr, 75% im zweiten Jahr, 50% im dritten Jahr und 25% im vierten Jahr) und Lebensmittelkostenzuschüsse für ein Jahr vorgesehen. Für jeden Palästinenser, der Gasa verlässt, sollen so 23.000 US-Dollar eingespart werden können, was für jedes umgesiedelte Prozent der Bevölkerung Einsparungen von 500 Millionen US-Dollar bedeuten würde. Erwartet wird, dass sich von den 25% der Bewohner Gasas, die das Land verlassen, 75% dagegen entscheiden, dorthin zurückzukehren. Denjenigen, die unbedingt bleiben wollen, sind Unterkünfte mit einer winzigen Grundfläche von 30 m² zugedacht.

Die Nachrichten der Welt sind damit auf ein schwer zu überbietendes Niveau der Unerträglichkeit gelangt, deren Quelle des Übels immer wieder die gleiche ist: die USA. Es gibt kaum eine gefährlichere Mischung aus Geld und Religion, beides hochkonzentriert in ein und demselben Staat der Micky Mäuse und Turnschuhe. Nichts aus der „Karriere“ des POTUS (President Of The United States = Präsident der Vereinigten Staaten) lässt auf die geringste Spur von Integrität schließen. Durch Erbschaft wohlhabend geworden, hat er mit einem Ego so groß wie der Central Park sein Vermögen mit immobiliaren Winkelzügen und der Einheirat seiner Tochter in die Kushner-Mischpoke vorm Verschwinden gerettet. Seitdem will er als US-Elefant im internationalen Porzellanladen weiter schlecht wie unrecht Geschäfte machen. Was ihn darüber hinaus beschäftigt, ist der Friedensnobelpreis und sein Aufstieg in den Himmel.

Ich möchte das beenden. Wissen Sie, wir verlieren keine amerikanischen Leben … wir verlieren hauptsächlich russische und ukrainische Soldaten. Ich möchte versuchen, wenn möglich in den Himmel zu kommen. Ich höre, dass ich nicht gut abschneide. Ich bin wirklich ganz unten auf der Rangliste. Aber wenn ich in den Himmel komme, wird dies einer der Gründe dafür sein.

Donald Trump am 19. August 2025 über seine Ängste

Während die USA bis vor kurzem noch von einem senilen Mann regiert wurden, dem alle unterstellten, er wäre im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, sieht sich Europa nun mit einem geldgierigen Wirrkopf konfrontiert, dessen Bauch alle mit ganzer Kraft heftig pinseln, um ihn bei Laune zu halten. Wenn Donald Trump mal gerade nicht schmollt, schneidet er Grimassen oder verkündet abenteuerlichen Unfug. Er ist eifersüchtig, missgünstig und kindisch und scheint sich bevorzugt mit Frauen zu umgeben, deren Lippen kosmetisch ebenso aufgeblasen wie aus deren Verstand die Luft rausgelassen wurde. Sein Ideal ist die Märchenwelt Auric Goldfingers, seine Kultur die eines rumänischen Zuhälters. Wenn NATO-Generalsekretär Rutte Trump mit „Daddy“ anspricht, weiß jeder, dass das heutige Europa auf dem Tiefpunkt seiner Existenz angelangt ist. Die kontinuierlichen Erpressungen Trumps sind gesalzen und beinhalten alles von Invasion über Umbenennung bis Zollkrieg, Europa währenddessen kuscht auf Kosten seiner Bevölkerung.

Für den oberflächlichen Bobachter sahen die Soldaten aus, als gehörten sie hierher. Ihr Khaki paßte zu den Straßen, den Gebäuden und der Wüste, die sich weit hinter dem Horizont erstreckte. Die Araber wirkten unpassend: die Frauen, vom Kopf bis zu den Zehen in Schwarz, und die Männer in knöchellangen weißen Galabijas.

Der britische Autor Len Deighton in seinem Roman Kairo (Seite 92, Originaltitel City Of Gold, erschienen 1992) über die ägyptische Nilmetropole unter britischer Besatzung im Jahre 1941

Die gewaltsame Wahrung christlicher, jüdischer und wirtschaftlicher Interessen an einem größtenteils von Moslems bewohnten Ort wird als Selbstverteidigung vermarktet. Die politische Realität des israelisch geförderten Hamas-Aufstiegs, die israelisch-amerikanischen Wahnvorstellungen eines palästinenserfreien Disneylands im geografisch und menschlich ausgelaugten Palästina sowie die finanzielle Einflussnahme der immer gleichen Personen auf israelische wie US-amerikanische öffentliche Meinung und Politik stehen dabei in krassem Widerspruch zur plakativen Bußendlosschleife Deutschlands.

In welcher konkreten, von irgendwelcher künstlichen Intelligenz, Klempnern, Spargelstechern und Hofnarren gestützten und an Stränden nutzlos vor sich hin vegetierender Gesellschaft künftige Oligarchen ihr Leben zu führen gedenken, malt sich der Neokonservative gar nicht erst aus – nur dass es unbedingt sein muss. Um Demokratie oder Diktatur geht es in all den Kriegen, die so akribisch gesucht werden, ganz sicher nicht. Verteidigt werden soll wider Sinn und Verstand alleine das Prinzip westlicher Vorherrschaft, die am besten immer noch reinweiß ist. Europa spielt dieses verkommene Spiel der Vorspiegelung falscher Tatsachen gerne mit. Wohin das führt, ist schon jetzt bekannt: immer weiter nach rechts.

David Andel