Bibisemitismus

Konvertiten sind schwer erträgliche Mitmenschen mit Identitätswechseldrang und zunehmend verantwortlich dafür, was derzeit in unserer Welt geschieht. Immer wieder finden unstete Personen über den Prozess einer nationalen, politischen oder religiösen Metamorphose zu ihrer wahren und fanatischen Berufung, die dann nicht zuletzt im gelobten Land auf fruchtbaren Boden trifft und sich noch weiter verstärkt.

Der Begriff „Antisemit“ ist unserer Tage beliebter verbaler Beißreflex, um Israelkritiker ohne großen Aufwand zum Schweigen zu bringen, dies betrifft selbst israelische Medien. So sollen unliebsame Streitgespräche über den Nahen Osten entwaffnet und ohne argumentativen Aufwand für den Wertewesten erstickt werden. Nicht zu bändigende Widersacher werden zu medialen Schreckgespenstern, seien es Antisemiten, Putinversteher, Lumpenpazifisten oder sich selbsthassende Juden. Präzedenzfälle im rechtlichen Bereich werden zu Whataboutism im politischen. Vorgehensweisen, deren Grundlage Fantasie und Schneegestöber ist, sollen so wider besseres Wissen und alle historische Erfahrung durchgesetzt werden.

Zwar sind auch Araber Semiten, aber das interessiert die Monokultur der Hasbaristen nicht. Ebenso wenig, wie es irgendwen auf der Welt kümmert, was es mit dem Rest der Völkertafel auf sich hat, den Hamiten oder Japhetiten. So konnte bislang kein schwarzafrikanisches Land den Begriff des „Antihamiten“ popularisieren, um Kritik an seiner Regierung abzuwürgen, mit Hilfe einer Schutzmacht seine Gegner zu dezimieren oder sich nach Gusto fremde Länder und Territorien anzueignen. Den belgischen Kongogräueln fielen zwar zehn Millionen Menschen zum Opfer, doch führte dies nicht zu einer ähnlich privilegierten Position wie die Israels.

Marilyn Monroe Conversion
Am 1. Juli 1956 konvertierte Marilyn Monroe aufgrund ihrer Hochzeit mit Arthur Miller zum Judentum, die Ehe währte keine fünf Jahre

Der ehemalige Wikipedia-Autor „Feliks“ (Jörg Egerer) war seit September 2005 ähnlich „Kopilot“ (Gerhard Sattler) dafür bekannt, inhaltliche Dauerkriege innerhalb der zahlreichen von ihm eifersüchtig betreuten Lexikoneinträge bis zum bitteren Ende zu führen. Der Katholik stammt dem eigenen Bekunden nach aus einer „Mischehe“ (Vater Niederbayer, Mutter Oberbayerin) und schrieb bevorzugt über Militärgeschichte (Neuzeit), bayerische Geschichte (Neuzeit) und Politik, wobei seine besondere Leidenschaft dem Nahen Osten gehörte, spätestens seit dem Zeitpunkt, als er den Angriff einer Qassam-Rakete beobachtet hätte.

Jörg Matthias Claudius Grünewald ist Jude und war im Internet-Lexikon Wikipedia einer der größten Fürsprecher Israels. Der bayrische Diplomrechtspfleger und Oberleutnant der Reserve der deutschen Bundeswehr sammelt Modellautos, Modelllokomotiven und Zinnfiguren und war mehrfach Teilnehmer am Freiwilligenprogramm Sar-El der israelischen Armee, wofür ihm die große Ehre eines Schulterstücks zuteil wurde. Sar-El ist ein Waffenkibbuz für geistig verwirrte Zeitgenossen, der deutsche Journalist Dirk Pohlmann nennt die Einheit „Fremdenlegion für die Gulaschkanone“.

Dem Vernehmen nach war Grünewald 2006 während des Libanonfeldzuges Israels acht Wochen verschwunden, wie immer er dies auch mit seinem Arbeitgeber in München in Einklang bringen konnte und was immer er auch unter welchem Deckmäntelchen tat. Grünewald selbst bestritt auf seiner Wikipedia-Seite, er wäre „Elitesoldat, Geheimagent, vaterlandsloser Geselle“ und sah sich als missverstandener Kämpfer für eine gerechte Sache, als „dämonisierter“ Mauscheljude.

Bei ihrer Hetze bedienten sich die Nationalsozialisten später genau dieser Mittel, die ihnen ein christlicher Autor im Jahr 1879 vorgeführt hat.

Hans Peter Althaus in Mauscheln. Ein Wort als Waffe (Seite 81)

Interessant wird die ganze Angelegenheit dadurch, dass Jörg Egerer und Jörg (Matthias Claudius) Grünewald ein und dieselbe Person und nicht nur der Namenswechsel, sondern auch die Konversion vom Katholizismus zum Judentum als Bestandteil einer größeren politisch-religiösen Mutation zu sehen sind. Der Gijur genannte Vorgang macht aus allen Menschen, so sie dies wollen, Juden und erspart diesen somit den Vorwurf, Opfer des Wilkomirski-Syndroms zu sein. Und Israel könnte sich keinen besseren Fürsprecher als Jörg (Matthias Claudius) Grünewald vorstellen, der fortan gegen all das kämpfte, was seine neue Identität ihm abverlangte. Der unlängst verstorbene Soziologe Y. Michal Bodemann sprach über das Wilkomirski-Syndrom im Zusammenhang mit dem Fall der Fernsehjournalistin Lea Rosh von einem Beispiel für „professionelle Pseudo-Juden“, also Nicht-Juden, „die sich mit dem Judentum überidentifizieren“.

Giyur-Dienstleister
Gijur-Dienstleister im Internet

Mit „Ich armer Jude“ leitete der alte Egerer und neue Grünewald gern seine einseitigen Meinungsäußerungen ein, in deren Verlauf er überall „Antisemiten“ und „Verschwörungstheoretiker“ festzustellen glaubte, was ihm letztlich eine Verleumdungsklage einbrachte. Und obgleich der Fall Grünewald Wikipedia kaum geschadet zu haben scheint und zudem zu einem vergleichsweise geringen Medienecho führte, muss die Angelegenheit als maßgebliche Beeinflussung der öffentlichen Meinung gesehen werden, die nicht zuletzt seit dem Ukrainekrieg Opfer zahlreicher bedenklicher Einwirkungen ist.

Der niederländische Rechtsextreme Geert Wilders (Titelbild) reiste 1980 im Alter von 17 Jahren aus seinem Heimatort Venlo nach Israel und arbeitete dort als Freiwilliger im völkerrechtlich illegalen Moschav Tomer, ausgerechnet im besetzten Westjordanland. Er lebte mit seinen Gastgebern die Rolle des Besatzers, bewunderte die Schönheit der Frauen und genoss billigen israelischen Fusel. Als er dieses eigentümliche Schlaraffenland verließ und weiter gen Ägypten und Syrien zog, traf er nicht nur auf den tiefsitzenden Hass der Araber gegenüber Israel, sondern wurde zudem Opfer eines Diebstahls seiner brandneuen Nike-Sportschuhe in einer Damaszener Moschee.

„Who Is A Moshavnik?“-Werbung
„Who Is A Moshavnik?“-Werbekampagne zur Anwerbung Freiwilliger vom 30. November 1988

Es ist nicht schwer zu ermitteln, weshalb Wilders eine derart große Abscheu gegenüber ihm nicht genehmen Fremden empfindet. Sein Großvater Johan Ording war stellvertretender Inspektor für öffentliche Finanzen in Ost-Java und mit einer Inderin verheiratet. Als dessen Verwicklung in eine großangelegte Affäre um Betrug und Korruption bekannt wurde, musste die neunköpfige Familie Niederländisch-Ostindien fluchtartig verlassen. Der koloniale Traum endete vorschnell und fand sein Ende im sklavenärmeren Europa.

Der von seinem zehn Jahre älteren Bruder Paul im jugendlichen Alter als widerspenstig bezeichnete Geert bewundert Israel noch heute und teilt den Hass der meisten Rechtsextremen auf Araber. Sein Aufenthalt in Israel schildert er mit glühender Bewunderung, der Luftschutzbunker wäre als Café für geselliges Beisammensein genutzt worden, Reservisten mit Maschinenpistolen gehörten zum Alltagsbild seiner dortigen Umgebung. Wer Parallelen zum Niederländisch-Ostindien (heute Indonesien) seines Großvaters sieht, dürfte damit einen Volltreffer landen. Das heutige Israel ist ein von Araberhassern angehimmelter Kolonialstaat.

Seine Mitbewohner im Moschav sahen Wilders damals als jemanden, der sich auf einem asozialen Ego-Trip befand und nannten ihn abschätzig „Chef“. Die politische Karriere Wilders fußt aber nicht allein auf der Verachtung von Arabern oder den kolonialistischen Ansichten Johan Ordings. Das Startgeld von 150.000 US-Dollar für Wilders Partei PVV stammte von David Horowitz, einem aktiven Förderer des Trump-Umfelds. Auch der ehemalige Marxist Horowitz ist Jude und politischer Konvertit. Zunächst war der Sohn eines Kommunisten in seinen Jugendjahren Mitstreiter der US-amerikanischen Neuen Linken, um dann in den Achtzigern zu einem der glühendsten Befürworter neokonservativer Ideen zu werden.

Islamisten sind schlimmer als Nazis, denn selbst die Nazis haben der Welt nicht gesagt, dass sie die Juden ausrotten wollen.

David Horowitz am 23. Februar 2010 vor der Studentenunion der Cape Cod Lounge.

Die Biografie von Horowitz erinnert an die des rechtsradikalen Vorgängers Wilders Pim Fortuyn, der sich in jungen Jahren für marxistisch-leninistische Theorien interessierte und mit der kommunistischen CPN sympathisierte. Der Homosexuelle verabscheute die schwulenfeindlichen Aussagen des Imams von Rotterdam und wurde zur Karikatur eines rechtsextremen Tierschutzgegners, der seinen Wählern die verheißungsvolle Zukunft in Aussicht stellte, im Falle eines Wahlsiegs wieder Pelzmäntel tragen zu dürfen. Am 6. Mai 2002, nur wenige Tage vor der Parlamentswahl, wurde er von einem militanten Tierschützer in Hilversum erschossen.

„Was hast Du mit 19 getragen?“
„Was hast Du mit 19 getragen?“ – Konversionskampagne (2015) in Israel, die sich an russische Einwanderer richtete

Die Zahl der Konversionen zum Judentum in den USA vervielfachte sich seit dem Angriff der Hamas im Rahmen des so genannten Al-Aqsa Sturms am 7. Oktober 2023. Selbst Menschen ohne jüdische Kontakte oder Wurzeln fühlten sich plötzlich jüdisch oder verfielen schlagartig in einen solidarischen Glauben. Lange Wartelisten entstanden, die Zahl der Teilnehmer von Konversionskursen verdoppelte sich. Jene, die bereits zuvor zum Judentum übergetreten waren, sich aber noch darin fremd fühlten, wurden nun zu Überzeugten. Konvertiten sprachen nicht mehr vom jüdischen Volk oder Israel, sondern von „uns“ und „wir“. Die oftmals an den Haaren herbeigezogenen Rechtfertigungen für all das hören sich wie wirre Träume an, selbst DNS-Tests wurden herangezogen, um jüdische Verwandte in der Ahnenreihe aufzutreiben. Ein kanadischer Rabbi fragte sich, ob dies an der attraktiven Opferrolle der Juden liegen könne.

Doch anstatt die Menschen vom Judentum abzuschrecken, berichten Rabbiner aller Konfessionen in Nordamerika von einem beispiellosen Anstieg der Zahl der Menschen, die ihr Interesse an einer Konversion bekunden, ihre Konversionspläne vorantreiben und sich für Konversionskurse anmelden.

Die israelische Tageszeitung Haaretz über den Anstieg der Konversionen seit dem 7. Oktober 2023

Der Bibisemitismus Israels, dessen Armee mit angeschlossenem Volk ohne Land, eine Opferrolle, die immer mehr Opfer fordert und ein Dauerkrieg zur Abwendung einer Korruptionsklage – all das scheint zu verführen. Man kann Palästinensern wohl nur raten, zum Judentum zu konvertieren.

David Andel