Auch wenn man es ihm nicht ansieht, so ist das Nile Ritz-Carlton ein Haus mit bewegter Vergangenheit, erbaut an einer Stelle voller immer noch offener Wunden. Durch seine einzigartige Bauweise in klassischer US-amerikanischer Hotelmoderne fügt es sich zudem natürlicher in ein zunehmend verzweifeltes und wild ausuferndes Stadtbild ein, als die meisten anderen Hotelneubauten, die auf es folgten.
Das zwölfgeschossige Nile Ritz-Carlton steht an der prestigeträchtigen Nilpromenade El Corniche in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum für Ägyptische Altertümer (Ägyptisches Museum, المتحف المصري), der Arabischen Liga und dem Tahrir-Platz, der durch die Revolution des 25. Januars (ثورة 25 يناير) 2011 internationale Berühmtheit erlangte und schließlich zum Sturz des fast dreißig Jahre amtierenden Nildiktators Husni Mubarak führte. Bis zu seinem Umbau war das in aller Welt bekannte Nile Hilton nach dem heute noch existierenden Istanbul Hilton der zweite Bau einer Reihe internationaler Luxusetablissements, mit denen Conrad Hilton die Welt von US-amerikanischen Werten überzeugen wollte: „Ein wesentlicher Bestandteil meines Traums war es, den Ländern, die am stärksten dem Kommunismus ausgesetzt waren, die andere Seite der Medaille zu zeigen – die Früchte der freien Welt“, so der Namensgeber ganz ernsthaft. Zwischen 1953 und 1966 entstanden außerhalb der USA insgesamt 16 seiner Luxushotelbauten. Nach dem gescheiterten US-Krieg in Korea und der darauf folgenden düsteren McCarthy-Ära benötigte das Land des Sternenbanners positivere Werte, eine Welt des verführerischen Kapitalismus, des Jazz und der modernen Kunst, des vermeintlich glücklichen Konsums.
Nach der ägyptischen Revolution war das erste große Entwicklungsprojekt von Präsident Nasser das Nile Hilton. Er war der Meinung, dass eine große internationale Kette ein gut sichtbares Zeichen für die Welt sei, dass hartgesottene Investoren daran glaubten, dass das neue Regime Ägypten zu Wohlstand verhelfen könne. Er war auch davon überzeugt, dass Kairo ein großes, effizientes und komfortables Hotel brauchte, um es zu einem internationalen Anziehungspunkt zu machen, auch wenn viele nationalistische Ägypter, die sich vielleicht an die alten Zeiten des Shepheard’s erinnerten, befürchteten, dass ein Hilton eine neue westliche Enklave sein würde, die Intrigen und Ausschweifungen begünstigen würde. Die arabische Gedenktafel am Nilufer – „Errichtet auf Befehl von Präsident Nasser“ – unterstreicht zu Recht die persönliche Rolle des ägyptischen Staatschefs bei der Entstehung des Hotels.
Das Magazin Saudi Aramco World im November 1973 über die Anfänge des Nile Hilton

Das Nile Hilton wurde zum gastgebenden Zentrum aller politischen Zusammenkünfte Kairos seit Gamal Abdel Nasser. Gebaut wurde es auf einem 6,5 Hektar großen Kasernengelände am Ostufer des Nils nahe der Kasr El Nil-Brücke, das 1870 für die ägyptische Armee entstand, ab 1882 von der britischen Armee genutzt wurde und seit 1947 brachlag. Der 1952 ins Exil verbannte König Faruk ordnete nach dem Auszug der Briten den Abriss der Kasernen an, 1954 verfügte Nasser den Bau der Arabischen Liga, eines Hotels und der Stadtverwaltung von Kairo (der am 28. Februar 2011 abgebrannte Hauptsitz der Nationaldemokratischen Partei Ägyptens). Das Projekt der Misr Hotel Company und Conrad Hilton unter dem Namen Nile Hotel begann 1953, die Grundsteinlegung erfolgte 1955, 1957 stand der Bau aufgrund der Pleite eines Bauunternehmers für zwei Monate still, 1959 folgte die feierliche Eröffnung als Nile Hilton. Um den Gästen die bestmögliche Aussicht auf den Nil zu bieten, wurde das Gebäude mit einem V-förmigen Grundriss (siehe obigen Fluchtplan) entworfen, der ein 270-Grad-Panorama ermöglichte. Balkone für jedes der 431 Gästezimmer und Suiten umgaben den Bau auf allen Ebenen und prägten sein Design. Ursprünglich als Bestandteil einer Reihe von Gebäuden für ein breiteres ägyptisches Publikum gedacht, sollte es später den internationalen Jetset anziehen und der ägyptischen Elite dazu dienen, einen Hauch von Amerika genießen zu können.

Die Geschichte des stolzen Landes wurde symbolisch im gesamten Innenbereich dargestellt. Die Möbel in jedem Gästezimmer entstanden durch ägyptische Handwerker, worauf Motive an die pharaonische Vergangenheit erinnerten. Im Erdgeschoss befanden sich mehrere Reproduktionen originalgroßer antiker Flachreliefs, die aus dem benachbarten Ägyptischen Museum ausgewählt und unter dessen Aufsicht gegossen wurden. Die privaten Speisesäle des Hotels waren mit handgewebten ägyptischen Wandteppichen mit Kartuschen aus der Tutanchamun-Sammlung ausgestattet. In der Lobby im ersten Stock lag ein in Ägypten handgewebter Teppich mit Willkommensbotschaften bestehend aus Reliefhieroglyphen.
Das Nile Hilton […] beschäftigte mehr als 50 Europäer unter seinen 500 Mitarbeitern. Heute sind fast alle Araber. Unzählige andere, die dort ihre Ausbildung absolvierten, betreiben heute Hotels, Restaurants, Konditoreien, Catering-Agenturen und Nachtclubs in der gesamten arabischen Welt. Das Hilton hatte tatsächlich einen erheblichen Einfluss auf die Modernisierung. Es wurden Mädchen eingestellt, um im Café zu bedienen, was zu dieser Zeit in Ägypten eine schockierende Neuheit war. Viele waren Studentinnen aus „guten Familien”, die froh über die Möglichkeit waren, Geld zu verdienen und Fremdsprachen zu üben. Die Regeln gegen Verabredungen mit Kunden wurden streng durchgesetzt.
Das Magazin Saudi Aramco World im November 1973 über die Anfänge des Nile Hilton

Der Architekt Welton David Becket (1902-1969) zeichnete für den ursprünglichen Entwurf und die Innenausstattung verantwortlich, wozu der beeindruckende Empfang, das Casino, die verschiedenen Bars, Restaurants, Lounges und sogar eine exklusive Brücke direkt vom Hotel zum Nil zählten. Unterstützt wurde er dabei vom ägyptischen Ingenieur William Selim Hanna (1896–1980), dem Minister für kommunale und ländliche Angelegenheiten. Die Zusammenarbeit von Becket und Hanna war ein Glücksfall, da beide als Pioniere in ihren jeweiligen Fachgebieten galten. Becket war für eine Reihe einzigartiger Gebäude bekannt, wie das Pan-Pacific Auditorium (1935) in Los Angeles oder das Manila Jai Alai-Gebäude (1940) in der philippinischen Hauptstadt. Hanna wiederum hatte die Paper National Company in Alexandria erbaut, wo seine Forschungen über Stahlbeton in Meeresumgebungen die Konstruktion des Fundaments ermöglichten und seine Arbeit für die Egyptian Company for Industrial Silk war eines der größten Bauprojekte in Ägypten überhaupt, bestehend aus mehreren 80×100 Meter großen Hallen. Neben der Rettung des Tempels von Philae vor dem Assuan-Staudamm im Jahre 1966 widmete sich Hanna zudem der Konzeption zweier U-Bahn-Linien in Kairo, von denen eine den Nil untertunneln sollte. Dreißig Jahre später wurde aus dem Entwurf schließlich Wirklichkeit.

Schon bald musste dieser avantgardistische Entwurf Federn aber lassen, damit er besser zur Realität Kairos passte. In einer ersten Überarbeitung vereinfachte der ägyptische Architekt Mahmoud Riad die Fassade und entfernte einige als zu extravagant eingestuften Elemente, wie die hoteleigene Brücke zum Nil. Da das Nile Hilton das zweite Gebäude des so genannten „Tahrir Trios“ Riads war, wozu neben dem Hilton der Hauptsitz der Arabischen Liga und das Rathaus von Kairo zählten, trug er Sorge dafür, dass ausländische Würdenträger über das prestigeträchtige „Präsidentenhotel“ leicht Zugang zum Hauptsitz der direkt daneben liegenden Arabischen Liga hatten. Riad entwarf 1964 auch eine Erweiterung des Gebäudes, wozu eine Reihe attraktiver Ladenflächen zählten, die den Bau zum permanenten Schaufenster der ägyptischen Welt machten. Bis heute beherbergt das Haus eigene Geschäfte, die dem geneigten Reisenden allerlei Waren meist regionaler Herkunft feilbieten, beispielsweise Baumwollprodukte des ägyptischen Herstellers Mobaco.
Das Nile Hilton wurde im Kalten Krieg zum Symbol für die verheißungsvollen Aussichten einer Verbindung ägyptischer und US-amerikanischer Privatunternehmen im Gegensatz zu den eher bodenständigeren Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der damaligen UdSSR. Das riesige ägyptische Relief im ausladenden Empfangsraum ergänzte ein eher nüchtern-zurückhaltendes Gesamtdesign, das bevorzugt auf ägyptischen Sandstein setzte. Die in gehobenen Kreisen beliebte Bar im ersten Stock mit mittig angeordnetem Tresen und Ausschank in alle Richtungen war mit heute leider fast unbezahlbar gewordenen, vorzüglich bequemen 2207 Club Chairs des dänischen Designers Børge Mogensen in schwarzem Leder ausgestattet, was die Eltern des Verfassers später zu der Idee verleitete, ihr Wohnzimmer mit denselben Möbeln einzurichten, sodass jeder Besuch bis zur Totalsanierung des Gebäudes Jahrzehnte später für eine merkwürdige Vertrautheit sorgte.
Im Europa und Nahen Osten der Nachkriegszeit waren Hilton-Hotels buchstäblich „kleine Amerikas”. Für amerikanische Geschäftsleute und Touristen bot ein Hilton-Hotel – mit der angenehmen Vertrautheit englischsprachiger Mitarbeiter, einem Restaurant, das Cheeseburger und Milchshakes servierte, transatlantischen Telefonverbindungen und vor allem klimatisierter Modernität – eine Atempause vom beunruhigend Fremden. Für die verarmte lokale Bevölkerung verliehen dieselben Merkmale dem Hilton eine utopische Aura. Das Hilton war ein Ort des Luxus und der Sehnsucht, ein Ort, der dauerhaft und deutlich die neue und mächtige Präsenz der Vereinigten Staaten verkörperte.
Annabel Jane Wharton in Building The Cold War über das Nile Hilton
Wie schon in zahlreichen anderen Städten zuvor gab der Hilton-Konzern letztendlich die Leitung seines Kairoer Hotels auf, der Nutzungsvertrag endete am 31. Dezember 2008. Nachdem das Hotel immer wieder kleine, große und vor allem oftmals unglückliche Renovierungen meist im unteren Bereich über sich ergehen lassen musste und über die Jahre mehr oder weniger die Handschriften Beckets und Hannas zunichte gemacht wurden, verlor das Hotel allmählich seinen über Jahrzehnte aufgebauten guten Ruf. Den Todesstoß gab ein in den Neunzigern angebautes Einkaufszentrum, das im März 2009 zum Glück wieder abgerissen wurde. Schließlich übernahm die staatliche Hotelkette Misr Hotel Company das Gebäude, die es dann an die zu Marriot International gehörende Ritz-Carlton Hotel Company weitergab, welche es ab dem 1. Januar 2009 zunächst neutral wieder als Nile Hotel bis zur Fertigstellung der Umbauarbeiten mit einer voraussichtlichen Dauer zwischen 18 und 24 Monaten ab Mitte 2009 weiterführen wollte. Der neu abgeschlossene Pachtvertrag sollte über zwanzig Jahre währen.
Entgegen dem ursprünglichen Zeitplan, und nicht zuletzt durch die politischen Unruhen bedingt, wurde das Hotel am 1. Januar 2010 vollständig geschlossen und zwischen 2012 und 2015 vom kanadischen Architekturbüro WZMH totalsaniert, was zum Verlust der mit Balkons übersäten Fassade führte, die zugunsten der Zimmergröße weitgehend verglast wurden – angesichts der starken Luftverschmutzung und des Verkehrslärms der Nilmetropole nicht weiter überraschend. Verfolgt wurde eine Strategie der Erhaltung und gleichzeitigen Erneuerung (Video), wobei zahlreiche Ausstattungsmerkmale ergänzt wurden, um das historische Gebäude in ein Luxushotel der Jahrtausendwende zu verwandeln, was Konferenzzentrum, Bankettsaal mit mehreren Tagungsräumen für bis zu 1.100 Personen sowie neue Restaurants und ein Wellness-Spa umfasst. Das feierlich am 22. Oktober 2015 wiedereröffnete Hotel verfügt heute auf 60.000 Quadratmetern Fläche über „nur“ noch 331 Gästezimmer sowie eine Tiefgarage für 289 Fahrzeuge. Die Renovierung umfasst eine Vielzahl von begrünten Freiflächen sowie einen zum Nil ausgerichteten olympischen Swimmingpool. Damit einher geht leider ein aufgrund der Unruhen von 2011 völlig umgestalteter Tahrir-Platz zur Straßenseite hin, dem seither der unwirtliche Charme einer Betonwüste anhaftet.
Bedauerlicherweise ist der einzige Kinofilm, der den ursprünglichen Namen des Hotels trägt, nicht dort gedreht worden. Tarik Salehs bösartiger und skandinavisch-deprimierender Krimi The Nile Hilton Incident (siehe Filmplakat unten), der von der wahren Geschichte der in Dubai ermordeten libanesischen Sängerin Suzanne Tamim inspiriert ist, wertet nicht nur das Hotel, sondern gleich die ganze Stadt ab, entstand allerdings größtenteils in Marokko, nachdem der schwedischen Produktion die zuvor erteilte Drehgenehmigung in Kairo wieder entzogen wurde. Der in Stockholm geborene ehemalige Graffiti-Künstler und Regisseur ist zwar Sohn eines Ägypters, zieht es aber im Gegensatz zu Marwan Hamed vor, Kairo als verkommenen Ort der Korruption und des Verbrechens darzustellen, was zwar der gnadenlosen Wirklichkeit Rechnung tragen mag, der Zukunft der Stadt und ihrer unvergleichlichen Bewohner jedoch alles andere als zuträglich ist.

Aus heutiger Sicht ist das Nile Ritz-Carlton unverändert eines der besten Hotels der Stadt. Obgleich ihm vereinzelt der spezifische Reiz US-amerikanischer Nachkriegsmoderne abhanden kam, konnte die Sanierung des Gebäudes tatsächlich einen gelungenen Kompromiss zwischen den Welten umsetzen, zumindest Teile seines früheren Daseins bewahren und zudem unaufdringliche Elemente neuer Innenarchitektur hinzufügen. Zum Glück überstanden die recht einzigartigen pharaonischen Dekors an der Außenfassade den Wandel zum Ritz-Carlton und wurden von Al Youssef Co. liebevoll restauriert. Leider entspricht die Möblierung nicht mehr dem modernistischen Flair des Gebäudes und macht stellenweise zu viele Zugeständnisse an den Massengeschmack oder die mittlerweile übliche Hotelfunktionalität. Manche Gestaltungselemente wirken zudem wenig überlegt, so sind die in die komfortablen Duschen integrierten Spiegel zwar originell, halten der permanenten Konfrontation mit Wasser auf Dauer jedoch nicht stand. Auch wirken Teilbereiche des Hotels bereits etwas abgenutzt und ursprünglich geplante Ideen wie freistehende Badewannen für die meisten Zimmer wurden wieder fallengelassen.
Der Service war im Falle des Aufenthaltes des Verfassers in mancherlei Hinsicht enttäuschend, weshalb sich die hohen Übernachtungskosten leider primär mit dem einmaligen Blick auf den Nil und der Lage des Hotels rechtfertigen lassen. Schnelles Internet ist selbst für die Gäste kostenpflichtig. Der Hinweis auf die Kaufmöglichkeit eines Bademantels sollte nicht allzu ernst genommen werden und war wider Erwarten nicht möglich, obgleich dies insbesondere bei Verwendung echter ägyptischer Baumwolle zur Herstellung reizvoll gewesen wäre, was ebensowenig in Erfahrung gebracht werden konnte. Noch in den Siebzigern gehörte es zur Mitnahmementalität kleingeistiger Reisender, einfach alles, was nicht niet- und nagelfest war, zu entwenden und dann zuhause als stolze Trophäe in den eigenen Wohnräumen zu präsentieren – eine Modeerscheinung, die zu Zeiten unsäglich-inflationärer Influencer wieder Usus geworden ist. Mittlerweile, so scheint es, ist aus allem, was ein Grand Hotel so zu bieten hat, ein Geschäft geworden. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass das Nile Ritz-Carlton über ein integriertes Spielcasino verfügt, das nach dem Londoner Crockfords Club benannt wurde, der allerdings im Gegensatz zu seinem ägyptischen Pendant im Oktober 2023 geschlossen wurde.




Der Versand unserer sorgsam bei Lehnert & Landrock erworbenen und ausführlich beschriebenen Postkarten scheiterte nach Zahlung der Portokosten beim Concierge vollends – bis zum heutigen Tage kam keine einzige an. Die auf der Dachterrasse bestellten Manhattan-Cocktails erhielten wir erst, nachdem wir die Rezeptur mit dem Personal abgestimmt hatten, da kein roter Wermut mehr verfügbar war. Nach einem nächtlichen Stromausfall folgte eine unerwartete Festbeleuchtung des ganzen Zimmers. Das Frühstück in wenig luxuriöser Markthallenatmosphäre erschien uns angesichts des Angebots und im Vergleich zur Konkurrenz überteuert. Positiv hervorzuheben ist allerdings die Qualität des Restaurants im ersten Stock, manchmal auch von Livemusik untermalt, die natürlich nicht immer jedermanns Sache ist. Die Schlafqualität auf den hochwertigen Matratzen ist ausgezeichnet. Es wäre schön, gäbe es noch die alte Bar mit ihren Ledersesseln.




Das Nile Ritz-Carlton bleibt trotz der weitgehend verblichenen Reize der USA ein Platz für die Nostalgiker unter den Modernisten, verklärte Nasseristen und andere melancholische Reisende. Nirgends ist die optimistische Moderne nötiger als an einem Ort wie Kairo. Das klingt elitär, ist es aber nicht. Es ist die Aufgabe der Architektur, auch inmitten des Chaos eine Zuflucht in eine Oase der Ruhe zu ermöglichen und kann eine Bibliothek, ein Museum, eine Universität, eine Kirche oder eben auch ein Luxushotel sein. Neugierige Reisende, die das Hotel nicht zur Übernachtung nutzen können oder wollen, sollten sich zumindest zu einem Aperitif auf der opulenten Dachterrasse einfinden, in den kühleren Monaten ist dazu jedoch aufgrund des Windes entsprechende Kleidung anzuraten. Der Erfolg des wiedereröffneten Nile Ritz-Carlton bestätigt den eingeschlagenen Weg des Betreibers, sodass für dieses Jahr eine weitere Niederlassung in der ägyptischen Trabantenstadt New Cairo geplant ist, natürlich ohne jegliche historische Vergangenheit.
David Andel





