Uri Avnery ist tot, wird unsterblich

Seine treuen Leser fürchteten schon das Schlimmste, denn seit zwei Wochen war von ihm nichts mehr zu vernehmen. Es blieb still um den bis ins hohe Alter aktiven journalistischen Rebell im Optimistenpelz, der wie ein echter Jecke allwöchentlich freitags einen keineswegs kurzen Artikel zum ungeschönten Stand der Dinge Israels ablieferte. Die letzten beiden Freitage blieben die Veröffentlichungen des immer alles verstehenden und erklärenden Uri Avnery jedoch aus. Heute früh kam schließlich die traurige Nachricht, dass der Chronist, Friedensaktivist und Politiker genau drei Wochen vor seinem 95. Geburtstag in einem Krankenhaus in Tel Aviv den Folgen eines schweren Herzinfarktes erlag. Unmittelbar nach Beendigung seines letzten Beitrages zum neuen „Nationalstaatsgesetz“ und vor seiner Teilnahme an einer Demonstration zum gleichen Thema brach er zusammen.
Lesen Sie mehr …

Herrchen gesucht

Abgehalfterte politische Bordsteinschwalben wie Berlusconi, Sarkozy oder Blair kehren selbst im postsexuellen Alter noch wie flügellahme Motten zum Gaslicht am Regierungsstrich zurück, sofern es die Dummgeilheit des Wählers nur erlaubt. Irgendwann aber ist das Verfallsdatum der machtverzweifelten Satyre so deutlich überschritten, dass als letzte sinnvolle Instanz nurmehr der Vorsteher des Kaffeekränzchenplanungskomitees im Seniorenheim offen steht. Auch Pudel Blair hat das nicht begriffen und streunt pinkelnd von einer Ecke zur nächsten. Herrchen ist längst weg, sein britischer Köter aber bellt verzweifelt immer noch den schimmernden Medienmond an. Wer mag ihm wohl zuhören?
Lesen Sie mehr …

Türkische Zeitbombe

Das osmanische Reich ist in den Köpfen mancher Türken längst kein abgeschlossenes Kapitel. Im Gegenteil, die Tatsache, dass südlich der Landesgrenze dank des Dauerkriegs zwischen Diktatoren, Extremisten und fremdländischer Militärinterventionen Chaos und Verwüstung herrschen, wird nicht nur als Gefahr, sondern auch Gelegenheit territorialer Phantasien gesehen und ist nicht das erste Mal Anlass zur Großmannssucht. Ein einerseits zwar verständliches Wunschdenken, das sich dank NATO-Bündnistreue aber andererseits allzu schnell in einen gefährlichen Brandherd verwandeln könnte.
Lesen Sie mehr …

Zum Tode von Omar Sharif

Der am Freitag nachmittag im Alter von 83 Jahren in Kairo verstorbene Schauspieler teilte die Damenwelt stets in zwei Fraktionen: jene, die ihn mit Schnurrbart verehrten und jene, die ihn lieber ohne sahen. Verehrt haben sie ihn aber fast ausnahmslos, denn dieser Mann hatte noch all das, was es heute nicht mehr gibt. Der dunkeläugige Blick zeugte von Erfahrung, die sanft-rauchige Stimme war ebenso international wie nikotingefärbt und sein breites Lächeln bestätigte, dass er die wirklich wichtigen Geheimnisse dieser Welt längst gelüftet hatte. Mit dem Tod Omar Sharifs fiel für den einzigen verbliebenen Lebemann eines Kinos großartiger Abenteuer und unsterblicher Helden die letzte Klappe.
Lesen Sie mehr …

Wodka im arabischen Winter

Zahllose Nächte müssen US-Neokonservative vom Nahostfinale einer billigen Rohstoffkolonie südlich der Türkei geträumt haben und fabulierten von Domino-Theorien in diesem Sinne, Putin hingegen sieht in Syrien nur mehr klar mit Wodka. Und tatsächlich sei der Expertenmeute mit militärischem Beißreflex eine Wodkakur anempfohlen, denn nüchtern führten sie uns doch nur nach Absurdistan.
Lesen Sie mehr …
 Seite 1 
Ressorts:

Veröffentlichungsjahr: