Fluch der Vergangenheit

Mit seinem 2019 vollendeten Werk Coup 53 verwirklichte der iranisch-britische Dokumentarist Taghi Amirani ein überfälliges Projekt der Aufklärung. Der persönlich wirkende, dennoch nicht minder sachlich protokollierende Film schildert beeindruckend vollständig in knapp 120 Minuten das Schicksal des letzten demokratisch legitimierten iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh, den Großbritannien und die USA aus Gier und Großmannssucht mit Gewalt loswerden wollten und zeigt damit auf erschreckende Weise, wie dieser bis zum heutigen Tag zu spürende Akt brutaler Einflussnahme dazu führte, dass eine einseitige transatlantische Allianz zur Durchsetzung perfider Interessen die ganze Welt als ihr Marionettentheater handhabt.
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Uri Avnery ist tot, wird unsterblich

Seine treuen Leser fürchteten schon das Schlimmste, denn seit zwei Wochen war von ihm nichts mehr zu vernehmen. Es blieb still um den bis ins hohe Alter aktiven journalistischen Rebell im Optimistenpelz, der wie ein echter Jecke allwöchentlich freitags einen keineswegs kurzen Artikel zum ungeschönten Stand der Dinge Israels ablieferte. Die letzten beiden Freitage blieben die Veröffentlichungen des immer alles verstehenden und erklärenden Uri Avnery jedoch aus. Heute früh kam die traurige Nachricht, dass der Chronist, Friedensaktivist und Politiker drei Wochen vor seinem 95. Geburtstag in einem Krankenhaus in Tel Aviv den Folgen eines schweren Herzinfarktes erlag. Unmittelbar nach Beendigung seines letzten Beitrages zum neuen „Nationalstaatsgesetz“ und vor der Teilnahme an einer Demonstration dagegen brach er zusammen.
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Herrchen gesucht

Abgehalfterte politische Bordsteinschwalben wie Berlusconi, Sarkozy oder Blair kehren selbst im postsexuellen Alter noch wie flügellahme Motten zum Gaslicht am Regierungsstrich zurück, sofern es die Dummgeilheit des Wählers nur erlaubt. Irgendwann aber ist das Verfallsdatum der machtverzweifelten Satyre so deutlich überschritten, dass als letzte sinnvolle Instanz nurmehr der Vorsteher des Kaffeekränzchenplanungskomitees im Seniorenheim offen steht. Auch Pudel Blair hat das nicht begriffen und streunt pinkelnd von einer Ecke zur nächsten. Herrchen ist längst weg, sein britischer Köter aber bellt verzweifelt immer noch den schimmernden Medienmond an. Wer mag ihm wohl zuhören?
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Türkische Zeitbombe

Das osmanische Reich ist in den Köpfen mancher Türken längst kein abgeschlossenes Kapitel. Im Gegenteil, die Tatsache, dass südlich der Landesgrenze dank des Dauerkriegs zwischen Diktatoren, Extremisten und fremdländischer Militärinterventionen Chaos und Verwüstung herrschen, wird nicht nur als Gefahr, sondern auch Gelegenheit territorialer Phantasien gesehen und ist nicht das erste Mal Anlass zur Großmannssucht. Ein einerseits zwar verständliches Wunschdenken, das sich dank NATO-Bündnistreue aber andererseits allzu schnell in einen gefährlichen Brandherd verwandeln könnte.
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Zum Tode von Omar Sharif

Der am Freitag nachmittag im Alter von 83 Jahren in Kairo verstorbene Schauspieler teilte die Damenwelt stets in zwei Fraktionen: jene, die ihn mit Schnurrbart verehrten und jene, die ihn lieber ohne sahen. Verehrt haben sie ihn aber fast ausnahmslos, denn dieser Mann hatte noch all das, was es heute nicht mehr gibt. Der dunkeläugige Blick zeugte von Erfahrung, die sanft-rauchige Stimme war ebenso international wie nikotingefärbt und sein breites Lächeln bestätigte, dass er die wirklich wichtigen Geheimnisse dieser Welt längst gelüftet hatte. Mit dem Tod Omar Sharifs fiel für den einzigen verbliebenen Lebemann eines Kinos großartiger Abenteuer und unsterblicher Helden die letzte Klappe.
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Wodka im arabischen Winter

Zahllose Nächte müssen US-Neokonservative vom Nahostfinale einer billigen Rohstoffkolonie südlich der Türkei geträumt haben und fabulierten von Domino-Theorien in diesem Sinne, Putin hingegen sieht in Syrien nur mehr klar mit Wodka. Und tatsächlich sei der Expertenmeute mit militärischem Beißreflex eine Wodkakur anempfohlen, denn nüchtern führten sie uns doch nur nach Absurdistan.
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Die Disposition

Abdel Nasser war, noch nach dem von ihm unternommenen Staatsstreich, scheinbar ein völlig unbekannter Mann. In den Berichten über den Sturz König Faruks fehlte sogar sein Name. Zum erstenmal genannt wurde er erst einen Monat nach dem Umsturz. Damals hieß es, man fände ihn immer an der Seite General Nagibs. Anscheinend wußte niemand etwas über seine Vergangenheit und über seine politischen Ziele. Unklar war sogar sein Geburtsort. Stammte er, wie die Propaganda bald darauf vorgab, aus dem oberägyptischen Fellachendorf Beni Mor (»Söhne der Bitteren«) oder, was die Wahrheit war, aus Alexandria? Der »große Unbekannte« wurde ein knappes Jahr darauf Regierungsmitglied, und wiederum ein Jahr später war er unumschränkter Diktator.
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Die Konferenz der arabischen Staaten in Kairo

Ein buntes Fahnenmeer wogte über den Straßen. Farbenprächtige Wasserkaskaden schossen aus dem Springbrunnen am »Midan al-Tahrir«, dem Freiheitsplatz im Stadtzentrum, und mitten aus dem Nil empor. Die Häuser waren mit phantastischen Lichterketten geschmückt. Alles zu Ehren von dreizehn Königen und Staatsoberhäuptern, die sich fünf Tage lang zur ersten »Arabischen Gipfelkonferenz« seit rund drei Jahrfünften eingefunden hatten.
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Revolution ohne Lehrbuch

Der gewaltsame Sturz der Feudalherrschaft im Jemen, die Schüsse an der Grenze dieses arabischen Staates und ihr Echo auf der diplomatischen Bühne haben die Aufmerksamkeit erneut auf ein Land gelenkt, das vor wenigen Monaten den 10. Jahrestag seiner Revolution feiern konnte und seitdem Vorbild und Zentrum aller arabischen Revolutionen ist, Ägypten. Das Reich Gamal Abdel Nassers ist im Begriff, zum Zentrum des „arabischen Sozialismus“ zu werden.
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