Es soll Menschen geben, die sich in einem Gottes- oder Polizeistaat, vielleicht sogar einer Militärdiktatur mit starkem Mann an der Spitze wohl fühlen. Und all dies in einem ist das, worauf der Staat des auserwählten Volkes zusteuert, was er vielleicht schon ist. Die Vernunft ist weggestorben, ausgewandert und ins innere Exil verfallen, der Wahn neugeboren, zugewandert und lautstark. Nicht der Iran, sondern Israel ist mittlerweile die größte Gefahr für die zivilisierte Welt.
Die auserwählte Armee mit angeschlossener Bevölkerung, die seit 1948 mit brutaler Gewalt im besetzten Palästina herrscht und stiehlt, begeistert die USA und ist Staatsräson Deutschlands. Aus der Sicht der USA ergibt das alles wie auch die Ukraine-Posse einen krankhaft hegemonischen Sinn, ein gemeinsames europäisches Haus lässt sich darauf jedoch nicht erbauen, eine friedliche Zukunft ebensowenig. Wenn Demokratien sich wie Diktaturen verhalten, finden illegale Sanktionen und Begriffe wie Staatsräson oder Wehrtüchtigkeit Verwendung. Um demokratische Entscheidungen geht es dann nicht mehr, nur um Bevormundungen, die Durchsetzung von Auffassungen. Zwei Staaten, in denen noch weiter gegangen wurde, sind Israel und die USA. Dort regieren Wahnsinnige, die ebenso reich und ebenso mächtig wie Könige sein wollen.
Dann bricht die Krankheit erst richtig aus, und je weniger darüber berichtet wird, desto besser für den Seelenfrieden der Abonnenten. Doch die Imperien und Könige vergnügen sich weiterhin so selbstsüchtig wie zuvor, […]
Aus Rudyard Kiplings Der Mann, der König sein wollte
Der deutsche Verlag des Axel Cäsar Springer begleitet die neue westliche Welle postdemokratischer Staatenlenker an vorderster Front, investiert mit größter Begeisterung in Medien verfallender und zunehmend suizidärer Hegemonialstaaten und ist damit perfekte Ergänzung paralysierter europäischer Regierungen, allen voran Deutschland mit seiner ewig gestrigen Abwärtskultur. Was gestern noch als das einzig Wahre, Gute, Schöne kundgetan wurde, kann und darf morgen nicht gelogen, hässlich und falsch sein. Zur Rettung des ausgelaugten Kapitalismus der USA heißt es für Europa nun den Ritt auf dem toten Ukrainepferd offenes Auges in den Abgrund anzutreten.
Doch während sich Europa langsam von den zunehmend unberechenbaren USA zurückzieht, scheint Europas größter Nachrichtenverlag [Springer] entschlossen, diesen Trend im Alleingang umzukehren. Mit seiner Begeisterung für alles Amerikanische und seinem strategischen Desinteresse an europäischer Autonomie fördert Axel Springer Kritiker zufolge fast schon automatisch die politischen Disruptoren, die im Silicon Valley so beliebt sind.
Philip Oltermann am 8. April 2026 im britischen Guardian über Springers Funktionsweise
Rudyard Kipling veröffentlichte seine Novelle „Der Mann, der König sein wollte“ 1888 im Alter von 22 Jahren. Sie handelt von den britischen Abenteurern Daniel Dravot und Peachey Taliaferro Carnehan, die sich mit Waffengewalt in Kafiristan ein Königreich errichten wollen. In den abgelegenen Bergen Afghanistans und Pakistans treffen sie auf die Nuristani, die sie aufgrund eines Zufalls für Gottheiten halten: ein Pfeil trifft nur Dravots Patronengurt und nicht ihn selbst, sodass man ihn für unsterblich hält. Als Dravot im Rausch der Macht schließlich eine Einheimische ehelichen will, beißt die ihn aus Angst blutig. Die nicht vorhandene Unsterblichkeit fliegt auf, führt zum Todessturz Dravots von einer Brücke und zur Kreuzigung Carnehans.
Bekannter wurde das Werk Kiplings durch die gleichnamige Verfilmung John Hustons. Auf der Story schien jedoch ein Fluch zu lasten, denn dem erfahrenen Regisseur von The Treasure Of The Sierra Madre (1948) oder The African Queen (1951) gelang die Umsetzung mit Humphrey Bogart und Clark Gable nicht, bevor Bogart 1957 starb. Weitere Anläufe mit Burt Lancaster und Kirk Douglas, Richard Burton und Peter O’Toole oder Robert Redford und Paul Newman scheiterten ebenfalls. Es dauerte bis 1975, als schlussendlich Sean Connery und Michael Caine die Rollen von Dravot und Carnehan übernahmen und für unvergessliches Kino sorgten.
Ich bin der Sohn des Alexander mit der Königin Semiramis, und du bist mein jüngerer Bruder und ein Gott, wie ich.
Aus Rudyard Kiplings Der Mann, der König sein wollte
Kiplings Geschichte wurde vom Leben des US-Amerikaners und Quäkers Josiah Harlan inspiriert, der wie seine neun Geschwister aus einem Kaff mit ein paar hundert Einwohnern in Pennsylvanien im Osten der USA stammte. Dass er 1838 im Verlauf des afghanisch-turkestanischen Feldzuges zum „Prinzen von Ghor“ werden sollte, war unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass Harlan die dort praktizierte Sklaverei zutiefst ablehnte und beweisen wollte, dass eine moderne Armee dazu in der Lage wäre, erfolgreich den Hindukusch zu überqueren. Mit einer Streitmacht von anderthalb Tausend Reitern, ebenso vielen Hilfskräften, über Tausend Infanteristen, zweitausend Pferden und 400 Kamelen sah sich Harlan in der Tradition Alexanders des Großen, weshalb zunächst sogar ein Kriegselefant mit von der Reihe war, den er aufgrund der großen Kälte später jedoch zurück nach Kabul senden musste.
Am 3.800 Meter hoch gelegenen Khazar-Pass im Hindukusch ließ Harlan die US-Flagge hissen, während seine Truppen einen Salut von 26 Schuss abfeuerten. Was folgte, war ein Gefecht nach dem anderen gegen vergesellschaftete Sklaverei. Und wie Kiplings Held Dravot verliebte sich auch Harlan in eine Einheimische. Als Hobbygärtner war Harlan empört darüber, dass Usbeken viel mehr Interesse daran hatten, Sklaven zu rauben, als Blumen zu züchten. Auch Harlans Abenteuer endete tragisch. Als er nach Kabul zurückkehrte, trafen die ersten britischen Besatzungstruppen dort ein und versetzten den von Harlan verhassten, brutalen und rückständigen Schah Schudscha wieder an die Macht. Harlan wurde zur unerwünschten Person erklärt und musste in die USA zurückkehren.
Auch die beiden Kleptokraten Binjamin Netanjahu und Donald Trump streben nach Größerem, zumindest glauben sie ihre fortwährende Gier nach Geld und Ruhm inmitten eines staatlichen Konstrukts aus Nationalismus, Rassismus und Religion am besten umsetzen zu können. Unser vorgeblich aufgeklärtes Zeitalter mit seinen technologischen Errungenschaften und unbegrenzten Möglichkeiten der Geldvermehrung für Einzelne führt zu immer mehr Existenzen, die das Recht für sich beanspruchen, nicht minder begrenzt ignorant zu sein. Was Netanjahu sich ausmalt, ist eine Umerziehung des gesamten Nahen Ostens. Was Trump sich ausmalt, ist eine Umerziehung der ganzen Welt, abgesehen von gleichgesinnten Kleptokratien. Eine Pax Americana, in der es nur ums Geld und ein Zionismus, in dem es nur um Fläche geht, sollen zur Neukonfiguration ganzer Regionen und deren generationsübergreifender Folgsamkeit führen. Dieser Größenwahn Hitlerscher Dimension wird von vielen Zeitgenossen noch nicht als solcher erkannt, da sie sich der Illusion hingeben, das alles wäre nur vorübergehend oder würde irgendwie gut ausgehend.
Weltverbesserer Harlan wie auch Kiplings soldatische Helden einte die Freimaurerei, jene absonderliche Mischung berufsständischer Tradition, dekorativer Ersatzreligion und plumper Vereinsmeierei. Netanjahu und Trump eint eine nicht weniger kitschige religiöse und völkische Vision, zumindest die Vorgabe davon. Getragen von einer Geldgier, die beide dazu veranlasst, sich des Wahns der Betenden und Hassenden zum Machterhalt zu bedienen, verfügen sie über eine grenzenlos erscheinende zerstörerische Kraft. Sie sind gewillt, sämtliche Leben und Werte, die ihnen im Weg stehen, auszulöschen, Frieden und Wohlstand für kommende Generationen zu verunmöglichen, die nicht mitlaufen.
Wie ein halbstarkes Land, das so klein und unbedeutend wie Israel ist, sich die Zukunft in seiner kulturell wie politisch inkompatiblen Nachbarschaft vorstellt, lässt sich nun nicht mehr nur abschätzen, sondern tagtäglich beobachten: es erklärt jeden zum Feind, bringt alle um und schlägt alles kurz und heilig klein. Der weder sonderlich säkulare noch demokratische Staat hat es sich wie eine Made im Speck Arabiens bequem gemacht und vor allem eines im Sinn: Zerstörung, bis es sich sicher fühlt, was jedoch erst dann der Fall sein wird, wenn seine Herrschsucht totale Befriedigung erfährt.
Israel handelt konsequent völkerrechtswidrig und sorgt mit seinem unvorstellbar brutalen Gasa-Vernichtungskrieg, seinen fortwährenden Angriffen auf Nachbarstaaten wie den Libanon und Syrien, dem katastrophalen wie planlosen Angriff auf den Iran zusammen mit einem unzurechnungsfähigen US-Präsidenten, der absurden Anerkennung der Republik Somaliland, den direkten wie indirekten Einflussnahmen auf internationale Institutionen wie dem Internationalen Strafgerichtshof, der kontinuierlichen Heraufbeschwörung selbst geschaffener Gefahren und dem immer wertloser werdenden Worthülse des so genannten Antisemitismus ganz bewusst für fortwährende Uneinigkeit in einer immer fragiler werdenden Staatengemeinschaft. Nein, neuer Könige bedarf es nicht.
David Andel

