Das Teuerfon

Was Mitte 2009 passiert, weiß normalerweise kein Mensch von Verstand, dennoch aber ist eines absehbar, ein Überangebot vertraglich gebundener iPhones bei eBay …
Da Apple es nämlich nicht lassen kann, auf Gedeih und Verderb ein teures Telefon mit einem teuren Vertrag bedingungslos zu koppeln, muss diese Technologie entweder bis zum bitteren Hardware- und Vertragsende genutzt oder aber von einem älteren auf das nächste Modell innerhalb ein- und desselben Vertrages gewechselt werden. Was einmal mit den veralteten Geräten geschehen soll, bleibt spannend.

Cupertino hat sich hier freiwillig in eine Sackgasse manövriert, die noch zu manchem Unmut führen dürfte. Entweder, der zum Kauf verleitete Anwender „befreit“ sein iPhone auf nicht ganz hasenreine Weise von sämtlichen vertraglichen Einschränkungen, was spätestens bei jedem neuen Firmware-Update zu größerem Ärger führt, oder aber der konsumierende Jünger folgt blind der Marketingabteilung Apples und schmeißt das Altgerät irgendwann einfach weg, respektive versucht es zu einem Euro über eBay samt Vertrag an den Mann zu bringen. Sie lachen? Ja, wir auch. So richtig durchdacht scheint diese Brachialvermarktung anno 2007 überhaupt nicht zu sein, bedenkt man, dass dies vor allem jenen konkurrierenden Geräten helfen dürfte, die über keinerlei Einschränkungen in puncto vertragliche Bindungen oder Software-Erweiterung verfügen.

Denkbar wäre es jedoch, Apple plant ohnehin eine Abschaffung der vertraglichen Bindung und wird sämtliche Sperrungen mit einem Update Mitte 2009 beseitigen – in Frankreich auf Wunsch womöglich sogar von Anfang an. Vielleicht geht dies einher mit einer neuen iPhone-Generation, die über keinerlei solch anachronistische Einschränkungen mehr verfügt und dem Kunden dann die Qual die Wahl überlässt, zu der dann eben auch ein Tarif für Wenigbenutzer zählen muss. Jetzt allerdings ist das iPhone irgendwas zwischen dem DeLorean und Segway des Mobilfunkzeitalters, dessen Entwicklungskosten vor allem Jene finanzieren, die es unbedingt noch dieses Jahr haben müssen.

Die aktuelle durchschnittliche Überlebensdauer eines konkreten Hardwaremodells bei Apple liegt seit dem Wechsel auf die Intel-Plattform gerade mal bei gut sechs Monaten. Wer sich da zwei volle Jahre zu einem Luxustarif ohne UMTS an einen Anbieter binden möchte, sei gut beraten. Denn ob das Gerät besagte 24 Monate von der Lebensdauer her durchsteht, ist ebenso dahingestellt wie die Bereitschaft des jeweiligen Anwenders, das immer gleiche Telefon zwei Jahre lang nutzen zu wollen, wenn dafür insgesamt über anderthalb Tausend Euro an Geräte- und monatlichen Kosten anfallen. Hat uns Cupertino mit seinem iPhone etwa in eine teure Falle gelockt? Denn weder kann beim vorliegenden iPhone der Akku ausgetauscht werden noch verfügt es über die Fähigkeit, UMTS zu nutzen. Damit machen, was wir wollen, dürfen wir auch nicht.

Was also in den USA als Geschäftsmodell funktionieren mag, dürfte in unseren Gefilden schnell sauer aufstoßen. Nichts wird hier so häufig gewechselt wie das Funktelefon und der dazugehörige Vertrag. Ein Wechsel zur Konkurrenz aus Wut über den alten Provider ist mit dem iPhone natürlich auch nicht möglich.

Und plötzlich kostet Telefonieren wieder richtig Geld – überschuldeten US-Bürgern sitzt es ja bekanntlich allzu locker. Machen wir uns nichts vor, das iPhone ist entweder ein Telefon für Besserverdienende, die es nach zwei Jahren einfach wegwerfen und das neue Modell kaufen oder aber eben das Objekt der Begierde für Hacker …

David Andel