Steves Donald

Guter Ruf und schlechtes Gedächtnis sind enge Verwandte – das wissen alle Unholde. Und wenn Cent-Diktator Cook Martin Luther King als Trump-Trotzablasser bemüht, dann stinkt das nach altem Fisch, denn Messias Steve kam meist ganz ohne Rücksicht auf Mitmenschen und insbesondere politische Korrektheit aus.


Bild: Archiv
Es wäre ein total total total wahnsinniger Traum, glaubte man an den Übermenschen Steve Jobs, der sich mit bewusstseinserweiternden Substanzen im Kopf, Baez im Zelt und Dylan in den Ohren auf die Suche nach einer besseren Welt begab, dabei dann irgendwann über den Mac, das iPhone und den perfekten Fernseher stolperte und kurz vor seinem Tod noch Isaacson die Unternehmerbibel diktierte. Deswegen ist es nicht minder plemplem, wenn wir uns Apple heute als übertoleranten, multikulturellen, kreativ-puristischen Technologiewohltäter vorstellen sollen, der in einer von Burberry inszenierten Bühnenshow mit glücklich ins Nirwana tanzenden chinesischen Lohnsklaven überirdische Luxusprodukte in die Einkaufstaschen seiner künstlerisch hochbegabten verzückten Kunden zaubert.

Henry Ross Perot stand fürs knallhart Militärische im freien Unternehmertum. Er ließ sich zähnefletschend und mit zugekniffenen eiskalten Augen die Haare selbst dann kurz scheren, wenn es überhaupt keinen neuen Haarwuchs gab und wirkte stets so, als hätte man ihn gerade per Zeitmaschine von einem Schlachtfeld in den Ardennen direkt in die Chefetage eines Konzerns in den Achtzigern gebeamt. Sah man ihn, musste man sich einfach fragen, was man gerade gesehen hatte und wie man schnellstmöglich davonkam. Jene, die ihn kannten, bezeichneten den aggressiv-schlagfertigen Milliardär eher geringer Körpergröße gerne als jemanden, neben dem Ronald Reagan mit einiger Mühe allenfalls als kleiner pazifistischer Spinner aufgefallen wäre.

„Krieg hat Regeln, Schlammringen hat Regeln, Politik hat keine Regeln“ oder „Wenn Du eine Schlange siehst, dann bring’ sie einfach um und berufe nicht erst ein Schlangenkommitee ein“ oder „Wenn Du in diesem Land exzentrisch und ein Milliardär bist, dann bringst Du entweder einen Ringer um oder wirst Präsidentschaftskandidat“ – so einige harmlosere unzähliger Perot-Zitate. Und in den Jahren 1992 und 1996 trat genau dieser Ross Perot denn auch als parteiloser Präsidentschaftskandidat an.

Gleichzeitig – und hier befindet sich die mit Absicht große Erinnerungslücke Tim Cooks – war der heute sechsundachtzigjährige Perot noch etwas anderes, nämlich neben seiner Pixar-Investition noch Vorstandsmitglied und Anteilseigner von 16 Prozent (20 Millionen US-Dollar) der Firma NeXT und hat damit neben vor allem dem japanischen Unternehmen Canon dem uns bekannten Steve Jobs zum Post-Apple-Neustart verholfen. Als Perot noch vor der Europapremiere der Firma NeXT 1991 aus dem Unternehmen ausstieg, hatte sich seine Investition alles andere als ausgezahlt, die Millionen waren weg.

Die Heuchelei des Silicon Valley hat pharaonische Ausmaße, stellen sich die IT-Milliardäre nun angesichts der Trump’schen Jahre so dar, als stünden diese himmelhoch über den erbärmlichen Werten des schnell-schnöden Mammons oder der glorreich-bequemen „Hire & Fire“-Tradition. Das Geseufze aus den Abgründen der Silikonschlucht hat andere Ursprünge, nämlich die ganz profane Angst davor, dass mit Trumps Isolationismus plötzlich viel mehr als die so furchtbar lieb gewonnenen chinesischen Hungerlöhne an US-amerikanische Arbeitnehmer gezahlt werden müssen und die sorgsam gepflegten Steuervermeidungsrezepte „Double Irish“ und „Dutch Sandwich“ unzugänglich gemacht werden, um Steuern in die Taschen des seit Jahrzehnten am Hungertuch nagenden US-Fiskus zu spülen.

David Andel