Wenn die USA ihren Hinterhof mit stählernem Besen kehren, dann ist das nicht besser, als wenn China oder Russland dies tun. Die halbgare Doppelmoral der vorgeblich regelbasierten Weltordnung des Westens der Werte ist aber ganz einfach: niemand darf, was wir dürfen und wir entscheiden, was wann richtig oder falsch ist.
Noch ein Krieg gegen irgendwas, bei dem hinterher Erdöl abhanden gekommen ist. Nun wird wieder gerechtfertigt, was das Zeug hält, denn es war nicht Russland, sondern das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Deutsche Politiker werden immer mehr zu USA-Erklärbären, deren darüberhinaus gehende Wertewelt sich darauf reduziert, dass die USA unabdingbar, Israel gut, China gefährlich und Russland böse ist. Wer jedoch mit einem derart beschränkten Weltbild regieren möchte, kommt als politisch halbe Portion nicht weit. Währenddessen wächst die Angst in Grönland und Panama, Angst allerdings nicht vor China oder Russland, sondern den USA. Und im halb zertrümmerten Palästina hat man gleich doppelt Angst: sowohl vor Israel als auch den USA.
Wenn die Vereinigten Staaten beschließen, ein anderes NATO-Land militärisch anzugreifen, würde alles zum Stillstand kommen – das schließt die NATO und damit die Sicherheit nach dem Zweiten Weltkrieg ein.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am 5. Januar 2026
Vermutlich gilt „Whataboutism“ derzeit wieder als als völlig legitim, schon ist gar von einer „Putinisierung“ der US-Politik zu lesen, obgleich diese nie anders war, nun aber nicht mehr „Monroe“-, sondern nach Donald Trump benannt „Donroe“-Doktrin heißt. In weiser Voraussicht wurde bereits ein Friedensnobelpreis an eine rechtsextreme Politikerin vergeben, die für den Wertewesten ideale Herrscherin über Venezuela wäre, nur will die Donald Trump ausgerechnet deswegen nicht, weil sie den Preis bekam, den er verdient zu haben glaubte. Das alles klingt wie ein billiger Witz, ist aber überhaupt nicht lustig.
Vielen Dank, Präsident [Trump], für Ihre entschlossene Führung, die dazu beiträgt, die Welt sicherer zu machen. Vielen Dank, dass Sie den entscheidenden globalen Kampf gegen brutale, skrupellose und destabilisierende Regime sowie gegen die Gefahren des Drogenhandels anführen.
Der israelische Präsident Isaac Herzog am 3. Januar 2026
Nanu, hatte Nicolás Maduro die Welt unsicher gemacht? Gab es gar wieder große eingebildete Arsenale voller Massenvernichtungswaffen, die man im Irak immer noch sucht? Wenn für Friedrich Merz Binjamin Netanjahu im zwangsweise betenden Iran „Drecksarbeit“, Wladimir Putin aber in der fundamental korrupten Ukraine das genaue Gegenteil (saubere Arbeit?) verrichtet, dann darf man auf seine Einschätzung in Sachen Venezuela gespannt sein, die in jeder Form so peinlich wie seine gesamte Politik sein wird. Nichts an seinen Handlungen ist aus irgendeiner Perspektive noch besonnen, glaubwürdig oder auch nur im mindesten nachhaltig. Kommende Generationen werden sich für ein gewaltiges Haushaltsloch den Rücken krumm schuften müssen, das zu nichts, aber auch rein gar nichts Gutem führt.
Bundeskanzler Olaf Scholz hat den russischen Angriff auf die Ukraine scharf verurteilt. Dieser sei „ein eklatanter Bruch des Völkerrechts“ und durch nichts zu rechtfertigen, so der Kanzler. Er sprach von einem dunklen Tag für Europa – und kündigte weitere, harte Sanktionen an. Er forderte den russischen Präsidenten auf, seine Truppen vom Gebiet der Ukraine zurückzuziehen.
Der deutsche Bundeskanzler zum Ukraine-Feldzug am 24. Februar 2022
Obige Reaktion erfolgte bereits am ersten Tag des russischen Ukrainefeldzuges. Seither sind wir alle Mitwirkende in einer beispiellosen Propagandaschlacht. Ob nun die Geisterdrohnen der monatelangen europäischen Drohnenpanik oder die Geisterdrohnen des Angriffs auf das Anwesen des russischen Präsidenten glaubwürdiger sind, sei dahingestellt, denn immer mehr Bürgern ist das mittlerweile egal, ebenso wie die gesamte Ukraine. Bei all der großen Liebe Deutschlands, Ungarns und der USA zu Israel sowie der großen Liebe Deutschlands, Frankreichs und Britanniens zur Ukraine kommt vor allem eines zu kurz: das Wohl des Steuerzahlers zuhause. Bei dem fällt der Strom aus, der Arbeitsplatz weg und die Brücke zusammen. Seine Lebenshaltungskosten steigen, seine Lebensqualität sinkt und die Leistungen seiner Krankenkasse werden zunehmend homöopathisch.
Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit. Grundsätzlich müssen im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts gelten. Jetzt darf in Venezuela keine politische Instabilität entstehen. Es gilt, einen geordneten Übergang hin zu einer durch Wahlen legitimierten Regierung zu gewährleisten.
Der deutsche Bundeskanzler zum Venezuela-Überfall am 3. Januar 2026
So so, wir nehmen uns also Zeit. Zeit, um Rechtfertigungen zur Errichtung eines immer größeren und instabileren transatlantischen Lügengebäudes zu erfinden, Zeit, um viele tausend Sanktionen gegen die USA und deren Bürger zu beschließen oder etwa Zeit, um geschlossen zurückzutreten? All die billigen Argumente in Sachen Völkerrecht, die wir in den letzten Jahren von den Baerbocks, Hofreiters, Kiesewetters und Strack-Zimmermanns zu hören bekamen, erweisen sich nun als Bumerangs, denn die USA werden von ihrem Lieblingshobby des Regimewechsels niemals ablassen, woran auch halbe EU-Portionen mit Doppelmoral nichts ändern.
David Andel
