Es herrscht Finsternis in wertewestlichen Regierungskreisen. Kein Lichtblick der Intelligenz oder Erkenntnis, keine Vision der Zukunft, nur ewig Gestriges. Da der gesammelte Westen nichts mehr zu bieten hat, sind Ablenkungskriege in Ost, Fern- und Nahost vonnöten. Wie Phoenix soll aus dem Chaos ein längst überholtes Ideal emporsteigen – unterwürfig mitlaufend, nichts Halbes, nichts Ganzes. Neuerdings wird wieder über Leichen gegangen, währenddessen aber über das eigene Unvermögen gestolpert.
Was treibt so eine wilde Bromance wie die von Bibi und Donald an? Ganz einfach: beide sind hemmungslose Vorteilsnehmer für sich selbst, beide wollen die Welt aber Glauben machen, sie wären selbstlos und missverstanden und beide führen einen brutalen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg nach dem anderen. Zwei imperial denkende wie handelnde Politiker, von denen der vergleichsweise bescheidene russische Präsident noch etwas lernen kann. Bibi und Donald haben es geschafft, dass ihre gesammelten Schandtaten vom Wertewesten zumindest ignoriert oder gar wertgeschätzt werden. Es bleibt ein schäbiges Spiel, bei dem manch einer gar zu gerne mitgemacht hätte.
Die Mitte Februar ausgestrahlte dreiteilige Dokumentation des halbprivaten britischen TV-Senders Channel 4 The Tony Blair Story führt es uns ein weiteres Mal vor: die extremen Bemühungen politischer Funktionäre aus vielschichtigen Angelegenheiten einseitige Sichtweisen abzuleiten. Die Hybris, die aus Kleingeistern Größenwahnsinnige macht, ist für die Opfer alles andere als von Nutzen. Es sterben oftmals Hunderttausende, nur damit ein einziger, aus der Not der Sterblichkeit heraus agierender Weltveränderer, sein Exempel statuieren kann. Taten, die er niemals hätte begehen können, verfügte er nicht über einen ausufernd zerstörerischen Spielraum, den er von einer politischen Schimäre erhielt, die im Deckmantel der Demokratie unsere Gesellschaften heimsucht.
Obgleich „Teflon-Tony“, wie seine Kritiker ihn gerne nennen, vom Dokumentaristen Michael Waldman überaus freundlich behandelt wurde, bietet die Produktion ausreichend interessante Einblicke. Seinen üblichen Staccato-Sprech hat Blair vorübergehend abgelegt, sein permanentes Grinsen tritt nur noch selten zum Vorschein. Stattdessen wirkt er meist nachdenklich, ist vor drei Fenstern mit geschlossenen Jalousien zu sehen, deren Öffnungen im Gegenlicht wie drei Kreuze wirken: der fromme Politiker scheint aus dem Haus Gottes zu uns zu sprechen. Mutmaßlich unfreiwillig bestätigt er so seine spirituelle Seite, auf die man ihn immer wieder ansprach und die sich aus seiner Bekanntschaft mit einem älteren Kommilitonen in Oxford, dem australischen Priester Peter Thomson, ergab.
Ich denke, er spricht eher prophetisch als philosophisch oder analytisch, und es ist an der Zeit, dass Politiker damit beginnen.
Peter Thomson über Blair in einem Interview aus dem Jahre 1996
Der 2010 verstorbene und in einem kurzen Filmausschnitt kaum charismatisch wirkende Thomson verfügte wohl über beeindruckende rhetorische Fähigkeiten, da Blair nicht das einzige Schaf war, dass er in die Herde der Betenden holte – auch beim australischen Politiker Geoff Gallop hinterließ Thomson einen bleibenden Eindruck. Und so traf der nicht minder fromme George W. Bush bei Blair schließlich auf die für ihn perfekte Mischung eines Briten, der nicht nur die so genannte „special friendship“ (besondere Freundschaft) mit den USA zu festigen gewillt war, sondern darüberhinaus wie er selbst zum gläubigen Christen wurde. Der „kleine Bush“, wie Saddam Hussain ihn kaum liebevoll nannte, hatte einst ein Alkoholproblem und fand über den berühmt-berüchtigten Erweckungsprediger Billy Graham zu Gott. Graham war schon Richard Nixons seelsorgerlicher Berater und stand der Familie Bush besonders nahe. Blair wie Bush wussten über Gut und Böse Bescheid, was konnte in einer solchen Partnerschaft noch schiefgehen?
Es ist ein Regime, das auf Angst basiert und durch den Drogenhandel finanziert wird. Der größte Drogenvorrat der Welt befindet sich in Afghanistan und wird von den Taliban kontrolliert. Neunzig Prozent des Heroins auf britischen Straßen stammt aus Afghanistan. Die Waffen, die die Taliban heute kaufen, werden mit dem Leben junger Briten bezahlt, die ihre Drogen auf britischen Straßen kaufen. Das ist ein weiterer Teil ihres Regimes, den wir zerstören sollten.
Tony Blair am 2. Oktober 2001 über den Afghanistan-Feldzug
Es ist erstaunlich, dass das eherne kapitalistische Gesetz von Angebot und Nachfrage zwar für fast alles gilt, selbst Massenvernichtungswaffen, nicht aber für Drogen. Israel kann sowohl mit hausgemachten Tötungsinstrumenten als auch jenen des Wertewestens so viele Araber und Iraner hinrichten, wie es ihm beliebt. Es ist völlig ausreichend, diese als Terroristen zu brandmarken, nachprüfen wird dies niemand. Sobald irgendwelche Schurken der Wahl dem Anbau von Drogen nachgehen, die in beiden Märkten wenig überraschend groß nachgefragt werden, dann wird das zum schweren Verbrechen. Eine der Haupteinnahmequellen von Afghanistan ist der Drogenhandel, und wer dies nicht akzeptieren will, muss diesem Land zwangsläufig alternative wirtschaftliche Optionen bieten. Krieg wird da nichts ausrichten.
Wir haben 97 Prozent der auf dem Seeweg eingeführten Drogen aus dem Verkehr gezogen. Neunzig Prozent. Jedes Boot tötet 25 … im Durchschnitt 25.000 Menschen. Wir haben 97 Prozent aus dem Verkehr gezogen. Und diese Drogen kommen größtenteils aus einem Land namens Venezuela.
Donald Trump am 3. Januar 2026 zur Entführung Nicolás Maduros
Der aktuelle POTUS (President Of The United States = Präsident der Vereinigten Staaten) wird mit der Drohung nicht müde, jedes Land anzugreifen, sofern er der Auffassung ist, dass dort irgendetwas hergestellt wird, was dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten dann und wann oder da und dort nicht passt. So wird China gerade zum Verhängnis, dass es unerwartet von der zuvor US-forcierten Globalisierung profitierte und nun über eine Wirtschaft verfügt, die andere in den Schatten zu stellen droht, auch die der USA. Ob es also Drogen, Massenvernichtungswaffen oder eine zu schlagkräftige Wirtschaft ist, spielt beim Säbelrasseln der USA kaum mehr eine Rolle. Mit einigem Abstand folgt dem Szenario dann schließlich auch das, was von der EU noch übrig ist. Den Bürgern solch kriegstüchtiger Staaten bleibt dabei nur eine Rolle: die des Kanonenfutters.
Für mich gab es zwei Überlegungen. Erstens: War es für die Sicherheit der Welt besser, Saddam im Amt zu belassen oder ihn zu entfernen? Und zweitens: Sollte man sich auf die Seite Amerikas stellen oder nicht?
Tony Blair über seine Optionen zum Irakkrieg in The Tony Blair Story
„Entweder oder über alles“ könnte die bipolare Hymne sämtlicher Armeen werden. Immer wieder wird ein ganzes Land, eine Region und manchmal auch die ganze Welt auf nurmehr zwei Möglichkeiten reduziert. Ob Saddam Hussain weg muss oder bleiben darf geht den Wertewesten prinzipiell nichts an, denn das ist alleine die Entscheidung des irakischen Volkes. Dass dieses mit einem solchen Diktator konfrontiert war, ist wiederum eine von vielen Konsequenzen osmanischer, sowjetischer und vor allem wertewestlicher Einmischung. Der arabische Nationalismus entstand nicht aus dem Nichts und dessen Bewaffnung war unerwünschte Nebenwirkung zahlreicher Machtspiele, die der Staat Israel bis zum heutigen Tage in Vollendung fortsetzt.
Was ich an diesem Premierminister bewundere, ist, dass er keine Umfragen oder Fokusgruppen braucht, um sich vom Unterschied zwischen richtig und falsch zu überzeugen.
George W. Bush über Tony Blair am 6. April 2002
Wie in diesen Tagen erneut im Fall des brutalen völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Israels und der USA auf den Iran zu beobachten ist, spielen demokratische Entscheidungen oder eigens für solche Konfliktfälle geschaffene Kontrollorgane wie die Vereinten Nationen keine Rolle mehr. Der POTUS ist längst damit befasst, sein eigenes System zur Herrschaft über die Welt einzurichten und sich lästiger internationaler Institutionen zu entledigen, die die Konsequenz zweier längst vergessener Weltkriege waren. In Trumps infolge von Israels Gasa-Vernichtungskrieg eingerichteten so genanntem „Friedensrat“ sitzt neben den üblichen Immobilienspekulanten und anstelle von Keir Starmer auch wieder Tony Blair. Jener Blair, der aufgrund seiner berüchtigten Kompetenz im Nahen Osten in der Vergangenheit nicht nur mit Eiern und Schuhen beworfen wurde, sondern der für seine Kriegsverbrechen auch schon von Bürgern im Rahmen eines so genannten „citizen’s arrest“ (Festnahme durch eine Zivilperson) festgenommen werden sollte.
Die ganze Blair-Besessenheit vom Spin, deren Primadonna Alastair Campbell war, führte zu einem Dossier, das falsch, übertrieben und ungenau war.
Journalist Andrew Neil über die irakische Massenvernichtungswaffenlüge in The Tony Blair Story
Bibi und Donald haben ihre Lektion gelernt und ziehen es vor, ihre Kriege weit abseits der Vereinten Nationen und sämtlicher anderer völkerrechtlicher Hemmschuhe zu führen. Die Trump-Regierung bemühte sich weder um die Zustimmung des UN-Sicherheitsrats noch um die der gewählten Vertreter im eigenen Land. Wer in Nahost fortan nicht hören will, freiwillig Israel anerkennt und dem Abraham-Abkommen beitritt, muss fühlen. Die beiden Hegemonialmächte prügeln jeden zu einem „Deal“ vertragsreif. Der zeitgemäße demokratische Führer ignoriert Protestmärsche und andere Störfaktoren. Unterstützung finden solch stählerne Helden dabei wenig überraschend in Deutschland, das nun genauso kleinlaut mitläuft wie es zuvor im Falle Russlands lärmend anklagte.
Tausende weitere Todesfälle im Irak werden eine Spirale aus Konflikten, Hass, Elend und Verzweiflung auslösen, die Kriege, Konflikte, Terrorismus, Depressionen und das Elend künftiger Generationen weiter anheizen wird.
Jeremy Corbyn während einer Antikriegskundgebung in London am 15. Februar 2003
Corbyn hatte natürlich recht und wurde daher durch Starmer ersetzt, der umso vieles passgenauer war. Bürger des heutigen Irak werden sich immer noch fragen, wozu all die Kriege um ihr Land geführt wurden und wieso all die vielen Menschen sterben mussten? Als besonders erfahrener Anlassgeber zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen der letzten 78 Jahre kennt vor allem Israel die Antwort: Israel fühlte sich bedroht und tut es noch immer. Und erst, wenn Israel sich nicht mehr bedroht fühlt, was niemals der Fall sein wird, darf der Nahe Osten wieder zur Ruhe kommen. Ob es Israel dann aber noch gibt?
Ich erinnere mich, dass ich damals mit Präsident Mubarak gesprochen habe. Er sagte: „Ich habe in Bagdad eine Ausbildung zum Luftwaffenpiloten absolviert, ich weiß, wie die Iraker sind, und Ihre Invasion im Irak wird nicht einen, sondern 100 Bin Ladins hervorbringen.“
Diplomat John Sawers über den Irakkrieg in The Tony Blair Story
Und manche dieser Bin Ladins werden Regierungschefs, so wie in Syrien gerade der Fall. Es ist furchteinflößend, zur Unterstützung welcher Regierungsformen Israel und die NATO-Staaten bereit sind, nur damit ein regionaler Despot, der ihnen gerade nicht past, erst einmal weg ist. Die aktuelle Strategie der Enthauptungskriege ist einfältig. Die Auffassung, dass mit der operativen Entfernung einzelner Personen alles getan wäre, ist unrealistisch. Wer sich ausmalt, dass ein Staat mit 93 Millionen Einwohnern, der seit 1979 nichts anderes getan hat, als seine Machtstruktur auszubauen, bereits nach ein paar Tagen oder Wochen Krieg zur Änderung seiner Staatsform, seiner Doktrin oder auch nur Teilen davon bereit wäre, sollte sich nicht zuletzt die Konsequenzen des Kennedy-Attentates vor Augen führen. Solche Aktionen sind nur ein weiteres Mal die Übernahme ineffizienter israelischer Vorgehensweisen, die bis zum heutigen Tage vor allem eines tun: nicht zu funktionieren und ewige kalte oder heiße Kriege zu gewährleisten.
Der Krieg wird, wie schon die Wochen zuvor, von Trumps endlosen Wortgefechten begleitet. Als er am Sonntag und Montag mit Journalisten sprach, sagte Trump erst das eine, dann das Gegenteil und schließlich wieder das Gegenteil davon. Die Operation werde zwei oder drei Tage dauern, vielleicht auch vier bis fünf Wochen. Die USA hätten Kandidaten, die Ali Chamenei, den getöteten Obersten Führer des Iran, ersetzen könnten, aber es stellte sich heraus, dass diese zusammen mit ihm getötet worden seien, und so weiter.
Journalist Amos Harel am 3. März 2026 über den Irankrieg
Wertewestliche Kriege werden zunehmend ziel- und ergebnislos geführt. Der Wille, von anderen Desastern wie dem Gasa-Genozid abzulenken oder aber in einem Wahljahr als besonders entschlossener Führer zu gelten, steht dabei im Vordergrund. Von der Bevölkerung wird in solchen Fällen erwartet, ihren Mund zu halten und derart von einem solch impotenten Sieg überzeugt zu sein, dass weitere Kriege als unausweichlich erscheinen. Weshalb für erfolg- wie sinnlose Aktionen scheinbar endlose Budgets verfügbar sind, wohingegen der jahrzehntelang aufgebaute Sozialstaat in der Politik mittlerweile als bloßes Ärgernis empfunden wird, ist hier irrelevant. Dies alles kann nur zu dem Schluss führen, dass die Bevölkerung als Störfaktor gilt, so diese nicht gewillt ist, sich jederzeit verheizen zu lassen.
Ich habe ziemlich viele Romane über Premierminister und Kriegszeiten geschrieben. Traditionell versuchten britische Premierminister, uns aus Kriegen herauszuhalten. Dies ist das einzige Mal, dass ich mich daran erinnern kann, dass wir einen sehr redegewandten ehemaligen Anwalt hatten, der für einen Krieg eintrat und versuchte, ihn dem Unterhaus, seiner Partei und dem Land zu verkaufen. Das ist außergewöhnlich und beispiellos. Und all die Talente, die man an Tony Blair schätzte und bewunderte, wurden meiner Meinung nach für einen viel finstereren Zweck eingesetzt.
Journalist Robert Harris über den Irakkrieg in The Tony Blair Story
Die zahlreichen Erkenntnisse des Irakkrieges vor 23 Jahren nehmen jene des noch anhaltenden Irankrieges vorweg. Auch wenn der aktuelle Krieg zu schmerzhaften Verlusten auf Seiten des Gegners Israels und der USA geführt haben dürfte, so wird er doch die Gesamtlage noch lange nicht beruhigen oder in eine vermeintlich positivere transformieren. Im Gegenteil dient er sogar als Saatgut für neue Auseinandersetzungen, deren menschliche wie wirtschaftliche Kosten jeweils ins Unermessliche gehen. Dies findet solange statt, bis den beteiligten Hegemonialmächten die Luft ausgeht und diese schließlich kollabieren. Die Unfähigkeit mit Feinden zu verhandeln, Kompromisse zu schließen und für die Zukunft zu planen ist das, was heute als Politik bezeichnet werden muss.




Die militärischen Lagebesprechungen, die wir damals hatten, waren beunruhigend, da es einen deutlichen Anstieg der Gewalt gab, sogar in Basra, ganz zu schweigen vom Rest des Landes. Wir versuchten, eine Polizeiausbildung auf die Beine zu stellen, die etwa sechs Monate dauern würde, um Tausende von Polizisten wieder auf die Straße zu bringen, und man spürte eine zunehmende Panik auf Seiten von Tony Blair – wir konnten nicht sechs Monate auf Tausende von Polizisten warten, wir brauchten sie in sechs Tagen! Dadurch wurde ihm das schiere Ausmaß der Aufgabe bewusst, die er übernommen hatte und die die Amerikaner ein wenig vermasselten. Der Wiederaufbau war von einem Ausmaß und einem Schwierigkeitsgrad, die einfach beispiellos waren.
Diplomat John Sawers über den Irakkrieg in The Tony Blair Story
Der Irakkrieg wird der Zerrspiegel des Irankrieges sein. Wer sich dem Irrsinn des Schah-Sprosses anschließt und glaubt, nun werde wieder alles so wie vorher, sobald nur ein Pahlavi in seinen Palast zurückkehrt, spinnt. Laut einer Umfrage unter Iranern im US-amerikanischen Exil wünscht sich eine Mehrheit von 55% eine parlamentarische Demokratie oder Republik, während lediglich 17 % eine konstitutionelle Monarchie, 6% eine reformierte Islamische Republik und 3% die Beibehaltung des derzeitigen Systems befürworteten. Das blutige Schahregime hatte über 26 Jahre lang seine Chance und wurde durch das der Mullahs ersetzt, die seither fast doppelt so lange herrschen. Der Iran braucht weder mehr die frauenfeindlichen und menschenverachtenden mittelalterlichen Betbrüder noch eine Neuauflage einer von der Bevölkerung verachteten Operettenmonarchie. Israel und die USA haben nicht die mindeste Strategie für den Tag danach. Beide wissen lediglich, was sie nicht wollen und praktizieren damit die Diktatur des Krieges, die die blutigste von allen ist.




Er war persönlich, politisch und mental einer der am besten geeigneten Menschen, die wir in den letzten 70 Jahren als Premierminister hatten, aber seine Leidenschaft und sein Engagement für das Bündnis mit den Amerikanern führten ihn in den Irak, wo er im Grunde genommen zu weit ging, wo wir als Land zu weit gingen, und strategisch gesehen war dies kein Erfolg.
Diplomat John Sawers über Tony Blair und den Irakkrieg in The Tony Blair Story
Die Politik der britischen Insel steht für eine von vielen abgewirtschafteten Regierungsformen in ganz Europa, ähnlich der in Deutschland und Frankreich. Blairs Irakfeldzug war der Anfang vom Ende der britischen Arbeiterpartei, die wie ihr konservatives Pendant nichts mehr von Wert zu bieten hat. Starmers Britannien, Macrons Frankreich und die menschenverachtende BlackRock-Politik des Friedrich Merz sind nur die Vorboten einer wenig verheißungsvollen Zukunft. Der Westen leuchtet nicht mehr, er stinkt nur noch. Die Zukunftsaussichten heißen Abbau des Sozialstaates, Abnutzung der Infrastruktur, bellizistische Verrohung, Verringerung des Wohlstandes und ein immer radikaler agierendes Politkarussell.
Die Europäer sind weiter im Beschwichtigungsmodus gegenüber Trump und geben mit ihrer bereitwilligen Preisgabe völkerrechtlicher Prinzipien auch ihre globale Glaubwürdigkeit auf. Die EU als Friedensprojekt ist inzwischen nur noch eine Lachnummer.
Sicherheitsexperte Roland Popp am 2. März 2026 über die EU und den Irankrieg
Aus einer solchen Lachnummer wird auch durch weitere Aufrüstung oder daraus hervorgehende Kriege keine ernstzunehmende oder verantwortungsvolle Politik mehr. Es bedarf eines fundamentalen politischen Generationswechsels oder zumindest eines radikalen Neuanfangs, da die vom Wertewesten unaufhörlich vorgetragenen Rezepte der Fünfziger heute keine überzeugenden Strategien mehr darstellen. Innerhalb der EU herrschen Politgreise, die eigentümlich halbstark agieren. So einer mal lange Hosen trägt, wird er schnell zum Feind.
Ein Krieg, der theoretisch geführt wurde, um Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen zu vernichten, Demokratie zu bringen und globale Sicherheit zu garantieren, der jedoch rückblickend betrachtet in Wirklichkeit das Gegenteil bewirkte. Er löste die größte Welle der Unsicherheit aus, die unser Kontinent seit dem Fall der Berliner Mauer erlebt hat. […] Es ist absolut inakzeptabel, dass diejenigen Führer, die dieser Pflicht [der Verbesserung des Lebens ihrer Bürger] nicht nachkommen können, den Krieg als Vorwand nutzen, um ihr Versagen zu verschleiern und dabei die Taschen einiger weniger zu füllen – derselben wie immer; der einzigen, die davon profitieren, wenn die Welt aufhört, Krankenhäuser zu bauen, und stattdessen Raketen baut.
der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez am 4. März 2026 über das Erbe des Irakkrieges angesichts der Konsequenzen des Irankrieges
Es mehren sich die Zeichen, dass auch dieser Krieg ein weiterer Kampf Israels gegen die Windmühlen des Wahns Einzelner ist. Seit Jahrzehnten plagt die Bibifizierung Israels die ganze Welt, zumal sie nicht zuletzt auf Deutschland und die USA abgefärbt hat. Schon jetzt sind im Nahen Osten viele Generationen des Hasses absehbar. So starben am 28. Februar alleine in der persischen Kleinstadt Minab, in der vor allem Datteln und Zitrusfrüchte angebaut werden, durch Bombenangriffe bis zu 168 Mädchen, in einigen Fällen mehrere Kinder aus derselben Familie. Noch vor acht Monaten hatte es geheißen, die „nuklearen Ambitionen des Iran“ wären zunichte gemacht worden.
Dank der mutigen und visionären Führung von Präsident Trump und seinem Engagement für Frieden durch Stärke wurden die nuklearen Ambitionen des Iran zunichte gemacht.
US-Kriegsminister Pete Hegseth am 22. Juni 2025 über das Atomprogramm des Iran
Auch nach einem schwer vorstellbaren Regimewechsel wird vom Westen der Werte nicht akzeptiert werden, dass der Iran Atomwaffen besitzt, ihm insbesondere durch den radikalzionistischen Staat allenfalls eine Statistenrolle zugestanden. Der Judenstaat mit seinen zehn Millionen Einwohnern scheint gewillt, sich zwei Milliarden Muslime unterwerfen zu wollen, zumindest jene paar hundert Millionen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Es ist ein Glaubenskrieg, was zunehmend auch im US-Militär spürbar wird und vom US-Botschafter Huckabee bestätigt wurde. Für Politiker haben Medaillen keine zwei Seiten und alte Männer wie Netanjahu oder Trump werden sich nicht mit den Folgen ihrer Taten befassen müssen. Schon der NATO-Krieg in Afghanistan war ein Krieg gegen Machtverhältnisse, die der Westen zuvor systematisch unterstützt hat. Weil am Ende solcher Politik nichts anderes als Chaos bleibt, ergeben sich immer neue Kriege, um von lokalen Misthaufen abzulenken. Fragt sich nur, was wem am Ende am stärksten stinkt.
David Andel

