Standbild aus „Dinner For One“ (1961) mit dem britischen Komiker Freddie Frinton

Same Procedure

Reza Pahlavi stellt sich das ganz einfach vor: der 65-jährige kehrt aus dem US-amerikanischen Exil gestärkt von Israel und den USA in den Iran zurück, setzt die Schreckensherrschaft seines Vaters fort und führt fürderhin ein pompöses Leben als persischer Schah, der nur vorgeben muss, seinem Geburtsland die Demokratie zurückgeben zu wollen, die sein Vater dem Land jedoch 1953 stahl.

Nur Phantasten stellen sich den heutigen Iran als erneuten Verbündeten Israels und der USA vor. Das wäre allerdings nicht nur völlig illusorisch, sondern auch noch eine absurde Wiederholung der Vergangenheit, einer Vergangenheit, die mit den Aufständen vom 7. Januar 1978 bis zum 11. Februar 1979 endete. Um es auch jenen nochmals zu erklären, denen bereits die jüngere Geschichte des Iran nicht bekannt ist: 1953 setzten die Briten unter tatkräftiger Unterstützung der USA mit dem ersten brutalen Regimewechsel den demokratisch gewählten Präsidenten Mohammad Mossadegh ab, weil dieser die Verstaatlichung der britisch ausgebeuteten Ölfelder gewagt hatte und die Konditionen des weltkriegsgebeutelten Inselstaates für das iranische Erdöl bei weitem schlechter als etwa die der USA für das saudische schwarze Gold waren.

Der „Schwarze Freitag“ am 8. September 1978 war ein Aufstand gegen den Schah
Der „Schwarze Freitag“ am 8. September 1978 war ein Aufstand gegen den Schah

Auf Mossadegh folgend regierte von 1953 bis 1979 ein schwächlicher Schah mit harter Hand, die eigentlich die seiner rabiaten Schwester war. Dass dies nach 26 Jahren bei einer politisch und vor allem für die Landbevölkerung wirtschaftlich aussichtslosen Schreckensherrschaft nicht nur zu den Aufständen gegen sein Regime führte, sondern auch das bis heute herrschende Mullahregime ermöglichte, verbietet die Rückkehr des Pahlavi-Sprosses von Anfang an. Sein Vater hatte schließlich die Rückkehr des Ruhollah Musawi Chomeini aus dem französischen Exil verursacht, es wäre also völliger Irrsinn, von der ersten Etappe der Entmachtung eines demokratisch gewählten Präsidenten zur zweiten Etappe der Herrschaft eines westlichen Marionettenregimes zurückzukehren.

Das „Haus Pahlavi“ ist nichts weiter als eine westliche Erfindung. Reza Chan hatte seine Karriere als einfacher Soldat in der persischen Armee begonnen, war bis zum General aufgestiegen, übernahm 1921 durch einen Staatsstreich die Macht und ernannte sich 1925 in Eigenregie zum Schah. Die Anerkennung der älteren Königsfamilien der Welt erkaufte er sich mit dem Geld, das er dem Land stahl. Ausreichende Mittel waren stets vorhanden, und als Mohammad Reza Pahlavi im Januar 1979 vor der Revolution aus dem Iran floh, verschwanden mit ihm Milliarden an Gold, Juwelen und Bargeld, das Vermögen der Familie soll sich auf bis zu zwanzig Milliarden US-Dollar belaufen.

Deshalb begrüße ich die klare und entschiedene Unterstützung von Präsident Donald Trump für das iranische Volk. Seine Botschaft, dass die Vereinigten Staaten auf der Seite derjenigen stehen, die Freiheit suchen, und nicht auf der Seite eines Regimes, das Terror und Instabilität exportiert, hat im Iran großen Anklang gefunden. Für Demonstranten, denen Gefängnis, Folter oder Tod drohen, ist es wichtig zu wissen, dass sie nicht allein sind. Für das Regime ist es eine Erinnerung daran, dass Einschüchterung kein Garant mehr für das Überleben ist. Den Beweis dafür haben wir in Venezuela gesehen.

Reza Pahlavi, ältester Sohn des letzten Schahs von Persien am 6. Januar 2026 über seine Vision

Den Aufständen von 1978, 1980, 1999, 2009, 2017, 2018 und 2019 folgten keinerlei demokratische Reformen oder auch nur eine Schwächung des kurz darauf etablierten Betonschiismus. Die Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini vor drei Jahren waren deutlich größer als die jetzigen, nichts allerdings änderte sich daraufhin. Seit Jahren sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Bevölkerung katastrophal, verursacht von immer drastischeren Sanktionen, von denen die ersten bereits im November 1979 durch die USA erfolgten, verschärft durch die Pandemie von 2020. Neben Russland ist der Iran das am stärksten sanktionierte Land der Welt und wie im Falle Russlands hatte dies keinerlei Auswirkungen auf das politische System. Die religiösen Herrscher haben zwar versagt, verharren jedoch bewegungslos. Und selbst wenn es zu umfassenden Reformen käme, bräuchte das Land Jahre, um sich von der bald fünfzigjährigen Herrschaft der Mullahs zu erholen und zu einem Zustand der politischen und spirituellen Freiheit zurückzukehren. Reformen müssten schrittweise umgesetzt werden, denn vorhandene Strukturen lassen sich nicht einfach zerstören, will das Land nicht erneut ins Chaos abgleiten. Auch der Vatikan ließe sich nicht einfach über Nacht in Liechtenstein umwandeln.

Wer will eine Rückkehr zur Operettenmonarchie des Schahs?
Wer will eine Rückkehr zur Operettenmonarchie des Schahs?

Im Iran des Jahres 2026 gibt es keine politische Parteien mehr, denn der religiösen Führung standen Jahrzehnte zur Verfügung, um jegliche politische Konkurrenz zu beseitigen, was zum Teil auch mit großzügiger Unterstützung der antikommunistischen USA geschah. Woher nun aus dem Nichts neue politische Strömungen im Iran entstehen sollen, ist eine berechtigte Frage. Nicht zuletzt aufgrund dieses Machtvakuums dürfte sich der Nachwuchs des letzten Schahs genüsslich die Hände reiben. Seine verbliebenen Anhänger stammen aus einer unter Schwindsucht leidenden bürgerlichen Schicht. Ein Fundament jedoch, auf dem sich keine solide Machtbasis aufbauen lässt. Im Gegensatz zu seinem Vater würde er damit zum fragilen Herrscher einer verzweifelten Minderheit. So er von den USA auf den Thron geputscht würde und sein Versprechen einer Volksabstimmung dann nicht umsetzte, wäre es ein leichtes Spiel für die Mullahs, gestärkt zurückzukehren. Ein Großteil der Bevölkerung vertraut weder der Operettenmonarchie noch dem Gottesstaat.

Selbst wenn er [Pahlavi] an der Spitze des Iran steht, wird er nicht derjenige sein, der Entscheidungen trifft. Er hat nie hier gelebt, versteht das Land, seine Krisen und seine Politik nicht. Er ist kein starker Politiker. Meiner Meinung nach ist er nur eine Marionette, und was auch immer sie [die USA und Israel] ihm sagen, wird er tun.

Aussage eines Iraners über die Bestrebungen des Möchtegern-Schahs

Das iranische Regime ist bei der breiten Bevölkerung in jeglicher Hinsicht abgenutzt. Unter dem Sanktionsdruck des Westens verbarrikadiert es sich nur weiter hinter seiner verweltlichten Religion und hielt auch schon zuvor nichts von Anpassungen an die Wirklichkeit, die es der Bevölkerung ermöglicht hätten, sich mit der Diktatur der Mullahs zu arrangieren. Unverändert fußt diese auf der unter dem Schah ausgebeuteten Landbevölkerung, die die letzten wirklichen Verbündeten der Ajatollahs sind. Nichts fürchten die Kleinbauern des Landes mehr als eine Rückkehr zum Unterdrückungssystem der Großgrundbesitzer, so wie der Schah es nicht zuletzt aus Eigeninteresse hegte und pflegte.

Der Alltag in der Außenwelt ist weiter farblos und trotz vorübergehender Lockerung der Kopftuchpflicht vor drei Jahren unter steter Kontrolle der Sittenwächter, erst im Oktober wurden weitere 80.000 alleine für Teheran rekrutiert. Junge Paare können noch nicht einmal unbehelligt zusammen im Café sitzen, es sei denn, sie sind verheiratet. Ohne die geringste Aussicht auf Freiheit jedweder Prägung resignieren immer mehr Menschen auf ganzer Linie, nehmen nicht mehr am Leben teil und frönen dem drogengestützten wie abwärts gerichteten Müßiggang, der im Vergleich zu entlohnter Arbeit unter erbärmlichen Bedingungen fast rosig erscheint. Sich ein Leben aufzubauen ist unter solchen Umständen unmöglich. 77 Prozent der heutigen iranischen Bevölkerung waren zum Zeitpunkt der Machtübernahme der Mullahs 1979 noch nicht geboren, die Demokratie des Mohammad Mossadegh endete 1953, also vor 73 Jahren. Die Verursacher dieses Schlamassels sind bekannt: es sind Großbritannien und die USA, die Mossadegh stürzten, Frankreich, das Chomeini im Exil beherbergte und Israel, das das Schreckensregime des Schahs nach Kräften stützte.

Die von den Mullahs weiterhin als Erfolg gesehene Revolution Chomeinis ist zum Symbol Ewig Gestriger geworden, mit der sich vorwiegend die ungebildete Landbevölkerung identifiziert. Gleichzeitig ist die junge Stadtbevölkerung eine Generation der Kommunikation untereinander wie mit der Außenwelt. Mobilfunkgeräte sind indes bereits Anlass für die zahlreichen Sicherheitskräfte in Zivil, zu verhaften oder gar zu schießen, kritische Online-Kommentare werden mit Kommunikationsverbot geahndet. Sind die Aufstände aber nicht dokumentiert, werden diese vom Westen nicht wahrgenommen. Änderung muss erfolgen, wird jedoch mit aller Gewalt verhindert. Religion als Opium für das Volk kommt in den Sinn, denn was die einen rauchen, scheinen die anderen zu beten. Und wieso die Orthodoxie Israels oder der USA besser als die des Iran sein soll, muss sich erst noch zeigen.

Seit einigen Jahren entwickle ich das Iran Prosperity Project, ein wachsendes Netzwerk von mehr als hundert iranischen Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Recht, Energie, Regierungsführung, öffentliche Gesundheit und Infrastruktur. Gemeinsam haben sie detaillierte, sektorbezogene Pläne für einen geordneten Übergang entwickelt, der wichtige Dienstleistungen erhält, die Wirtschaft stabilisiert und das Vertrauen im In- und Ausland wiederherstellt. Ergänzt wird diese Arbeit durch laufende Konsultationen mit internationalen Wirtschaftsführern und Führungskräften, die verstehen, was wirtschaftliche Erholung und gutes Management in der Praxis erfordern, nicht nur in der Theorie.

Reza Pahlavi, ältester Sohn des letzten Schahs von Persien am 6. Januar 2026 über seine künftigen Einnahmen

Die Richtung steht fest: dem Iran droht ein wirtschaftlicher Kollaps. Nur eine Machtübernahme durch die Armee hätte den Revolutionsgardisten mit ihren zahlreichen Waffendepots etwas entgegenzustellen, was dann zur ägyptischen Lösung würde und das Problem bestenfalls verlagerte. Äußere Einflüsse hingegen sind weitgehend verpönt. Im Gegensatz zum israelischen Selbstbild, ist der Judenstaat in der Region so gut wie nirgends Sympathieträger. Auch die oftmals erwähnten Volksmudschahedin sind beim Volk so unbeliebt wie bedeutungslos. Während des acht Jahre währenden Golfkrieges war die vermeintliche Widerstandsbewegung für zahlreiche Attentate von irakischem Boden aus verantwortlich und gilt für die Mehrheit der Iraner als Bande von Verrätern.

Kommt mit uns auf die Straße. Die Zeit ist gekommen. Wir sind bei euch. Nicht nur verbal und aus der Ferne. Wir sind auch auf dem Platz bei euch.

Zynischer Kommentar vom Mossad auf X am 29. Dezember 2025

Die Rückkehr der Operettenmonarchie des Schahs entzückte zwar die Leser des Goldenen Blatts, stünde bei der iranischen Bevölkerung aber für kaum mehr als den Austausch eines Unrechtsregimes gegen ein anderes. Und obgleich sich insbesondere Israel im Iran eine Rückkehr zum Vorgestern wünscht, führte dies in letzter Konsequenz nur zu weiteren Aufständen, da die Schreckensherrschaft des vom Mossad gestützten SAVAK zwar lange her, aber alles andere als vergessen ist. Die USA und Israel haben den gesamten Nahen Osten seit Jahrzehnten ins Chaos gestürzt und tun dies weiterhin, nicht zuletzt mit aktiver Hilfe der Europäischen Union. Von dieser Seite ist keine dauerhafte Friedenslösung zu erwarten. Was der Iran braucht, ist eine vom Volk ausgehende und von ihm zusammengestellte Regierungsform, die von äußeren Einflüssen völlig frei ist. Wie das freilich vonstatten gehen soll, steht weiterhin in den Sternen.

David Andel