Für die menschenverachtende Vorgehensweise Netanjahus werden noch zahlreiche Menschen büßen müssen. Die Zerstörung mehrerer Generationen palästinensischen Lebens wird weltweit Früchte des Zorns tragen und Juden auf der ganzen Welt ein Leben in dauerhafter Gefahr gewährleisten. Wer Hass sät, kann keinen Frieden ernten, einen Frieden, den der zionistische Staat ohnehin nicht sucht.
Etwa 80 Prozent der vom israelischen Unrechtsstaat im Gasastreifen ermordeten Menschen waren Zivilisten, das sind bemerkenswerte zwölf Prozent mehr als bei den zwangsläufig ziellosen Hamas-Angriffen des 7. Oktober 2023. In ihrer jüngsten Schätzung geht die deutsche Max-Planck-Gesellschaft davon aus, dass bis zum 6. Oktober 2025 wahrscheinlich über 100.000 Menschen in Gasa den Tod fanden, demzufolge 84-mal so viele Opfer wie vor zwei Jahren auf israelischer Seite. Am 10. Juli 2024, als offiziellen Angaben zufolge noch von 38.000 Toten in Gasa die Rede war, hieß es in einem Schreiben an The Lancet bereits, dass die Wissenschaftler Rasha Khatib, Martin McKee und Salim Yusuf zu dem Urteil gekommen wären, dass unter Berücksichtigung der indirekten Todesfälle „bis zu 186.000 Tote oder mehr auf den derzeitigen Konflikt in Gasa zurückzuführen sein könnten“, was gar über 155-mal so viele palästinensische Opfer wären. Das ist, gelinde gesagt, ein deutliches Ungleichgewicht.
Nicht zu vergessen sind die endlosen Terrorakte illegaler israelischer Siedler im Westjordanland unter tatkräftiger Unterstützung der israelischen Armee. Dort liegt die Zahl der palästinensischen Opfer einem UNWRA-Bericht zufolge bereits bei 1.012 Menschen, darunter 215 Kinder. Nochmals im Vergleich dazu: am 7. Oktober 2023 kamen bei den Angriffen der Hamas in Israel 1.195 Menschen ums Leben, darunter 36 Kinder. Die Rache des Judenstaates auf diesen einzelnen brutalen Akt des Widerstandes religiöser Fundamentalisten gegen die israelische Besatzungsmacht war damit nicht nur auf menschlicher Seite bis zu hundertsechzigmal so stark, sondern zerstörte darüberhinaus auch noch die gesamte mühsam aufrecht erhaltene zivilisatorische Infrastruktur der schon zuvor als größtes Freiluftgefängnis der Welt bezeichneten Region. Dieser Prozess setzt sich zwar langsamer, dennoch aber unvermindert im Westjordanland fort.
Ein jüdisches Menschenleben hat nicht den Wert von 160 palästinensischen Menschenleben. Ein Menschenleben hat den Wert eines Menschenlebens, jegliche politische, religiöse, regionale, völkische oder wie auch immer geartete Kategorisierung ist Rassismus. Und wer wie Israel das Prinzip der Rache zur staatlichen Handlungsgrundlage erklärt, der muss damit rechnen, dass auf Rache stets Rache folgt. Angefangen haben die Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Juden im 20. Jahrhundert mit dem beispiellosen Landraub an den dort lebenden Palästinaarabern zum Zwecke der ebenso brutalen wie rücksichtslosen Staatsgründung Israels inmitten und durch die darauffolgende gewalttätige Vertreibung einer bereits vorhandenen Bevölkerung. Daran lässt sich ohne Wenn und Aber nichts schönreden, dies allein war der Anfang allen Übels. Wer also von Vergeltung spricht, sollte dies nicht vergessen haben und die Existenz Israels ist deutlicher Beweis der Urheberschaft.
Die selbstverliebte Proporzpostille Berliner Zeitung bezog am 15. Dezember aufgrund des Attentats in Australien mit dem zutiefst rassistischen Beitrag Hier habt ihr euer „Globalize the Intifada“ ein weiteres Mal in gnadenlos einseitiger Form Stellung für den zionistischen Staat. Das Aufmacherbild zeigt einen im Rollstuhl sitzenden älteren propalästinensischen Demonstranten, bei dem der Gebetsfleck (Zabiba, زبيبة, zu Deutsch: „Rosine“) darauf schließen lässt, dass es sich um einen gläubigen Muslim handelt. Im Verlauf des Beitrags wird einem mutmaßlich desinteressierten Publikum erklärt, was es mit dem Chanukka-Fest auf sich hat, ganz so, als hätte dies noch nach Jahrtausenden irgendeinen Einfluss auf den Tathergang. Aber gut, Israel ist mit großer Besessenheit darum bemüht, eine uralte Religion zu seiner Staatsgrundlage und zudem zur einzig gültigen Sichtweise der gesamten Region zu machen, es werden folglich Scheinargumente vorgetragen, die nur der Wahrung des üblichen Zieles dienlich sind: der heimelig gewordenen jüdischen Opferrolle. Dies geht schließlich so weit, dass gar die Überlebensfähigkeit aller Zivilisationen mit der Wahrung des Judentums gleichgesetzt wird.
Während andere Völker verschwanden, blieb das jüdische Gedächtnis lebendig. Und mit ihm die unbequeme Frage: Welche Zivilisation hat je überlebt, nachdem sie ihre Juden vertrieben hat?
Die wahnhaften Worte des Alexander Dergay in der Berliner Zeitung vom 15. Dezember 2025
Etwas wie ein „jüdisches Gedächtnis“ gibt es nicht, noch nicht einmal die Idealvorstellung davon. Was die Zivilisationen angeht, die „ihre Juden“ vertrieben, pardon, ermordet haben, so steht Deutschland unangefochten auf dem ersten Platz und ist Dergay zufolge damit zum Tode verurteilt. Davon abgesehen wären Statistiken darüber gewiss interessant, wie viele Juden im Nahen Osten vermeintlich vertrieben und wie viele vom zionistischen Staat tatsächlich dazu gezwungen wurden, ihre angetraute Heimat zugunsten des neuen und besessen expandierenden Landes aufzugeben, um dort dann wie Bittsteller behandelt zu werden. Wer etwa in Ägypten mit den letzten dort verbliebenen Juden spricht, dürfte in diesem Zusammenhang gerade über Israel so einiges Interessantes in Erfahrung bringen. Werden gemäß Dergay dann auch Nationen sterben, die die jüdischen Bevölkerungen anderer Staaten vertrieben haben? Insofern wäre auch Israel betroffen.
Wie schon Andreas Kopietz im November an gleicher Stelle kundtat, hat auch Alexander Dergay einen „jüdischen Bekannten“ zur Hand. Im vorliegenden Fall gar einer, der ihm dabei hilft, „Muster“ zu erkennen, nach denen „man mittlerweile die Uhr stellen“ können soll. Plump rassistisch geht es um die Herstellung einer Angstsituation, aus der sich die Konsequenz ergeben muss, Israel beim Dauermord an Arabern weiterhin tatkräftig zur Seite zu stehen. Andernfalls: keine Weihnachtsmärkte mehr! Die Tatsache, dass der nicht integrationsfähige Judenstaat in Palästina Auslöser all dieser Probleme sein könnte, was wiederum eine Folge fundamental unmenschlicher britischer wie deutscher Politik ist, käme Dergay in all seiner Engstirnigkeit niemals in den Sinn. Er sieht selbst nach dem genozidalen Massenmord in Gasa und den von Israel ausgehenden endlosen Kriegen der Region keinen Grund dafür, am Leiden der Juden zu zweifeln.
Der Hass auf Juden braucht keine Rechtfertigung und keine Auslöser. Israel dient dabei oft nur als vorgeschobenes Vehikel, als Projektionsfläche, um im Milieu der westlichen Rotwein trinkenden Intelligenzija – häufig vervollständigt durch den schwarzen Rollkragenpullover – das Kinn bedeutungsschwer zu kraulen und mittelalterlichen Dummheiten sowie antisemitischen Verschwörungstheorien einen intellektuellen Anstrich zu verleihen.
Die wahnhaften Worte des Alexander Dergay in der Berliner Zeitung vom 15. Dezember 2025
Es ist kaum zu vermeiden und Resultat der Handlungen des menschenverachtenden rechtsradikalen Netanjahu-Regimes, dass sich der Kampf Palästinas um Unabhängigkeit erneut internationalisieren wird. Nicht jedoch der von Dergay heraufbeschwörte Judenhass ist dafür verantwortlich, sondern der von Israel von Anfang an praktizierte Hass auf jene Bewohner der Region, die genau dort ihre Heimat hatten, wo sich heute das gelobte Land breit macht – neben muslimischen übrigens auch christliche Menschen, sofern Dergay einer Nonne überhaupt noch Glauben schenkt. Sie trägt immerhin keinen schwarzen Rollkragenpullover und krault sich auch nicht bedeutungsschwer das Kinn …
Am Ende werden die Juden selbst für ihre Tragödie verantwortlich gemacht. Frei nach dem Motto: Der Ermordete ist schuld – er hat provoziert, allein durch seine Existenz, durch seine Überlebensfähigkeit.
Die wahnhaften Worte des Alexander Dergay in der Berliner Zeitung vom 15. Dezember 2025
Angesichts der eingangs erwähnten Zahlen ergäbe obiges Zitat des verwirrten Dergay mit folgender Anpassung durchaus einen Sinn:
Am Ende werden die Palästinenser selbst für ihre Tragödie verantwortlich gemacht. Frei nach dem Motto: Der Ermordete ist schuld – er hat provoziert, allein durch seine Existenz, durch seine Überlebensfähigkeit.
Korrektur der wahnhaften Worte des Alexander Dergay in der Berliner Zeitung vom 15. Dezember 2025
Bis dahin gilt es, Statistiken auszuwerten. Wer stirbt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs öfter einen grausamen Tod? Juden oder Araber? Alles andere ist Augenwischerei. Und die Rache für den deutschen Massenmord an Juden kann kein israelischer an den Bewohnern Palästinas sein, weshalb Juden spätestens seit der diebischen Staatsgründung von 1948 nirgends mehr sicher sind. Landdiebstahl und Vertreibung sind keine Kavaliersdelikte, das Gefühl des heimatlichen Verlustes wird über Generationen hinweg vererbt. Wenn Juden sich in ihren religiösen Phantasien auf biblisches Vorrecht beziehen, dann sollte es kaum verwundern, dass ihre erst seit ein paar Jahrzehnten begangenen Untaten an Arabern nicht so schnell verjähren.
Die Kernaussage des Beitrags der Berliner Zeitung ist, dass die Daueropfer Juden noch viel besser vor den Dauertätern Arabern beschützt werden müssen, weil sich sonst die Menschheit erneut schuldig macht. Wäre Israel innerhalb Deutschlands gegründet worden, gäbe es dagegen absolut nichts einzuwenden. Dem ist jedoch nicht so. Der Ort des Geschehens ist die Levante und Israel dort ein kolonialer Fremdkörper. Mit einseitiger religiöser Polemik ist daher keine Lösung für eine friedliche Zukunft zu erzielen. Gedankengut wie jenes von Dergay ist somit Hasbara-Pissoirjournalismus zugunsten des Bibi-Regimes. Auch der stark gealterte korrupte Netanjahu bläst ins gleiche Horn und zetert, dass das ja alles vorhersehbar gewesen wäre. Richtig, das war es. Und auch richtig ist, dass er einer der Hauptverantwortlichen bleibt, wie bereits am 7. Oktober 2023 der Fall. Das Prinzip der Rache rächt sich.
David Andel
