Noch weißer als weiß

Israel möchte seine mit größter Inbrunst gepflegten Mordgelüste an allen Arabern und Persern, die Bibi und seinem Schreckenskabinett gerade einfallen, so schnell wie möglich nachhaltig weißwaschen. Geschehen soll dies mit den üblichen Verdächtigen: PR-Agenturen, die für Geld alles tun.

Das Reizthema der „brutalen Angriffskriege“ ist eine Frage der PR (Public Relations), also Öffentlichkeitsarbeit. Kaum jemand hätte dies besser bezeugen können, als der in den frühen Morgenstunden des 30. Dezembers 2006 in al-Kazimiyya im Nordosten Bagdads gehenkte Saddam Hussain, ehemaliger Staatspräsident, Premierminister und vor allem Diktator seines Landes. Er hatte es gewagt, entgegen der heiligen Interessen Israels und der USA zu handeln und schaufelte sich mit dem Angriff auf eine andere arabische Diktatur namens Kuwait jenes Grab, in dem er 16 Jahre später vorschnell seine letzte Ruhe finden sollte.

Wieso PR? Nun, da war unter anderem eine merkwürdige Erscheinung namens April Glaspie, ihrerseits von 1988 bis 1990 Botschafterin der USA im Irak und erste weibliche US-Botschafterin in einem arabischen Land überhaupt. Eigentlich eine erfahrene Diplomatin und – für US-amerikanische Verhältnisse zumindest – erfahrene Arabistin, die zuvor Posten in Ägypten, Syrien und ausgerechnet auch Kuwait bekleidete, deren offizielle Aufgabe es gewesen wäre, die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zum Irak zu vertiefen. Sie und ihr fataler Satz „It’s not USA policy to interfere into inter-Arab affairs.“ („Es entspricht nicht der Politik der USA, sich in innerarabische Angelegenheiten einzumischen.“) war vom Irak als offizielles Einverständnis der USA gedeutet worden, den Einmarsch in den südlichen Nachbarstadtstaat als „innerarabische Angelegenheit“ zu sehen und sich daher aus der ganzen Angelegenheit herauszuhalten.

Stattdessen erwies sich besagter Vorgang als das von Staaten allzeit beliebte, geöffnet zur Verfügung gestellte Klappmesser, in welches der Irak mit großem Eifer und nicht geringerer Naivität hineinlief. Was dann folgte, muss an dieser Stelle kaum detailliert wiederholt werden, doch gingen den Jahren brutaler Zerstörung durch diverse Feldzüge US-geführter militärischer Koalitionen sowie Sanktionen zulasten der empfindlichsten Teile der irakischen Bevölkerung aufgrund erfundener Massenvernichtungswaffen vor allem propagandistische Maßnahmen erbärmlichster Qualität voraus. Noch viele Jahre später wurden zahlreiche Versuche unternommen, die belegten Äußerungen Glaspies so stark wie möglich zu verwässern, ähnlich dem Versprechen James Bakers gegenüber Michail Gorbatschow am 9. Februar 1990, die NATO nicht „um einen Zoll“ gen Osten zu erweitern, so die wiedervereinigte Bundesrepublik Deutschland nur NATO-Mitglied würde.

Der Irak von 1980 bis 1989 sah sich als US-gestütztes Bollwerk gegen den Iran und konnte nicht ahnen, dass sein brutaler Angriffskrieg auf jenes Kuwait, mit dem es sich in einer ewigen Auseinandersetzung um die genauen Grenzlinien befand, eine Falle Israels und der USA war, um sich anschließend elegant der zuvor sorgfältig aufgebauten militärischen Fähigkeiten des Iraks wieder vollständig zu entledigen. Durch den neun Jahre währenden Krieg mit dem Iran war der Irak militärisch bereits derart geschwächt, dass es nur eines weiteren kleinen Anlasses bedurfte, um der Diktatur den Todesstoß zu versetzen und die Vorherrschaft des Zionismus in der Region anschließend weiter zu zementieren.

Bühne frei für die 1927 gegründete PR-Agentur Hill & Knowlton (Titelbild: Firmengründer John Hill), zu deren illustren Kunden nicht nur Unternehmen aus dem Bereich der Asbestverarbeitung und der Tabakindustrie zählen, sondern neben der Scientology-Sekte auch die Regierung Kuwaits. Diese ehrenwerte Agentur erfand zunächst eine Organisation namens Citizens for a Free Kuwait (Bürger für ein freies Kuwait) und sorgte dann für eine erfundene Zeugenaussage einer vermeintlichen Krankenschwester, die in Wirklichkeit die fünfzehnjährige Tochter des Kuwaiter US-Botschafters war und jene Brutkastenlüge in die Welt setzte, mit der letztlich die Lawine losgetreten wurde, um dem Irak den Garaus zu machen. Eine Lawine wohlgemerkt, die bis heute schwerste Folgen für die gesamte Region hat. Und Kuwait? Das in vielerlei Hinsicht durch und durch verkommene Korruptions-Emirat darf sich seither als „wichtiger Nicht-NATO-Verbündeter“ bezeichnen und genießt den besonderen Schutz der USA.

Was läge da fürs auserwählte Volk im gelobten Land schon näher, seinen brutalen Angriffskrieg auf Gasa samt brutaler Annexion des Westjordanlandes nicht auch weißzuwaschen? Die Hasbara-Maschine läuft zwar seit Jahrzehnten auf Hochtouren, doch deren Glaubwürdigkeit nimmt derart gefährlich ab, dass Bibi zum Verlassen seiner Heimat nicht nur unangenehme Umwege fliegen, sondern seine billige Propaganda auch noch vor fast leeren UN-Sitzreihen abladen musste. Und Bibi tut bekanntlich alles für die Sicherheit, im wesentlichen seine finanzielle.

Ich kann Gasa nicht einfach „dresdenisieren“ – man kann sie nicht einfach mit Brandbomben bewerfen. Ich bin weniger ein Kriegsverbrecher als Winston Churchill. Warum stecke ich in solchen Schwierigkeiten?

Binjamin Netanjahu 2024 über seine Schwierigkeiten im Gespräch mit dem US-Oligarchen Peter Thiel

Die israelisch-amerikanische Strategie ist hinterhältig und verdeutlicht die völlige Einseitigkeit der Achse Netanjahu-Trump, gerne ergänzt durch marode Merz-Antriebstechnik aus Deutschland, die gehorsam gewillt ist, für die Meinungseingliederung auch in einer auf Linie getrimmten EU Sorge zu tragen. Zu den wesentlichen Bestandteilen der Genozid-Umetikettierung gehört der Zwangsverkauf von TikTok, der längst nicht nur wegen antichinesischer Ressentiments ganz oben auf der Liste der Trump-Administration steht, sondern vor allem aufgrund des potenziellen Käufers – dem US-Oligarchen David Ellison, Sohn vom großmäuligen Larry. Larry Ellisons Unternehmen Oracle hatte Ende 2017 schlappe 16,6 Millionen US-Dollar an eine Organisation namens FIDF (Friends of The Israeli Defense Forces = Freunde der israelischen Verteidigungskräfte) ausgeschüttet, sodass die Prioritäten der Familie klar sein dürften.

Sobald Tiktok unter Kontrolle von David und Larry steht, ist damit zu rechnen, dass dort erhobene Genozid-Vorwürfe schnell verstummen und der weltweit zunehmend israelkritischen Jugend somit ein Medium weniger zur Verfügung steht. In traditionellen US-Medien sorgen bereits die propagandistischen Leuchttürme von CBS News oder Fox News für ausreichend pro-israelische Stimmung. So ist CBS zwar schon im Besitz von Larry Ellison, wird aber durch die deutliche Einflussnahme der besessenen Bari Weiss noch um Größenordnungen einseitiger werden.

Ende vergangenen Jahres durfte sich einstweilen das israelische Außenministerium über weitere 150 Millionen US-Dollar zur internationalen Beeinflussung der Meinung zugunsten Israels freuen, wovon 600.000 US-Dollar bei der PR-Agentur SKDK landeten, die neben der französischen Werbeagentur Havas und der staatlichen israelischen PR-Agentur Lapam für entsprechende Bibi-freundliche Stimmung sorgen sollte. Zwar ließ SKDK zwischenzeitlich verlauten, den Vertrag mit Israel am 31. August beendet zu haben, weil die Arbeit „ihren Lauf genommen habe“, äußerte sich aber nicht genauer darüber, was das heißen sollte. Der US-Website Sludge zufolge bestand ein Aspekt des SKDK-Auftrags darin, ein Bot-Programm einzurichten, um pro-israelische Narrative in so genannten sozialen Medien zu verstärken, was durch die SKDK-Muttergesellschaft Stagwell Global durchgeführt worden wäre, von beiden Unternehmen jedoch bestritten wurde.

Der Dienstleister wird ein botbasiertes Programm für verschiedene Social-Media-Kanäle (z. B. Instagram, TikTok, LinkedIn und YouTube) entwickeln, das „die Zone“ mit der pro-israelischen Botschaft des Außenministeriums „überflutet“.

Aufgabenbeschreibung für Stagwell Global LLC vom 28. April 2025

Mag sein, dass das Ergebnis des Projekts dem zuvor krachend gescheiterten FactFinderAI-Experiment zu ähnlich werden drohte, zumal Stagwell in einer Umfrage vom Juli 2025 selbst feststellte, dass die Bürger in den befragten Ländern davon ausgehen, dass Israel die Palästinenser unterdrückt und sie aller Rechte beraubt oder dass Israel ein Apartheidstaat ist, der den Palästinensern alle Rechte verweigert.

Bill Clinton, Mark Penn und David Talbot (v.l.n.r.) im Jahre 1998
Bill Clinton, Mark Penn und David Talbot (v.l.n.r.) im Jahre 1998

Der Gründer und heutige Vorstandsvorsitzende von Stagwell Global ist Mark Penn, der nach dem 7. Oktober 2023 solidarische 100.000 US-Dollar an die berüchtigte Israel-Lobby AIPAC spendete. Penns Verbindungen zu Netanjahus Likud-Partei reichen bis zum Januar des Jahres 1981 zurück, als er mit seiner Agentur Penn & Schoen Menachem Begins Kampagne zur Wiederwahl als israelischer Ministerpräsident unterstützte. Sein Unternehmen Stagwell ist perfekt in die Trump-Günstlingswirtschaft integriert. Jüngsten Meldungen zufolge soll er ohne jegliche Ausschreibung von der Trump-Regierung einen Auftrag erhalten haben, um die Einstellung der Amerikaner gegenüber Impfstoffen zu untersuchen.

Zwar wirken trotz enormer verplemperter Geldsummen die bisherigen Bemühungen zur Reinwaschung Israels ausgesprochen stümperhaft, wie etwa die eiligst initiierte Gegenkampagne zum vielfach erfolgreicheren Aufruf zum Boykott der israelischen Filmindustrie. Die zunehmend verzweifelten Aktionen des Pariastaates Israel, seinen Genozid an den Bewohnern Gasas erneut in die gewohnte und auch von Deutschland leidenschaftlich gepflegte Opferrolle umzumünzen, sind aber alles andere als von Erfolg gekrönt. Daran wird auch der jüngst von Netanjahu und Trump vorgestellte Plan zur Abwicklung von Gasa nichts ändern, da Bibis rechtsradikales Kabinett nicht friedensfähig ist und er dessen Fortbestand braucht, um nicht hinter Gittern zu landen.

David Andel