Israel’s Greatest President

Gestern Südafrika, morgen Israel

Die Geburt eines Pariastaates ist keine schwere. Zunächst werden seitens der Politik über Jahrzehnte hinweg Vorurteile kultiviert, damit die eigentlich notwendigen gesellschaftlichen Aufgaben vernachlässigt werden und Strukturen der Korruption etabliert werden können. Sind Politiker dann fettgefressen genug, folgen Krisen und Kriege zur Festigung ihrer Position. Irgendwann bricht das Kartenhaus des Hasses und der Gier zusammen, kurz danach folgt die Rechnung ans gemeine Volk.

Spätestens dann, wenn nichts mehr im gelobten Lande geht, wird sich die westliche Welt fragen müssen: warum, ja warum nur haben wir nicht eher gehandelt? Die Romantisierung der frommen Besatzerrepublik namens Israel war jedoch vom nicht minder frommen Leithammel USA vorgegeben, weshalb die restliche Herde unter Vorgabe jeweils unterschiedlicher Ausreden folgen musste. Mittlerweile jedoch steht an jeder Wand: Bomberland ist abgebrannt! Ein ganzes Land, nein Volk, lässt sich nicht dauerhaft unter Polizeischutz stellen, erst recht nicht, wenn es selbst jeden niederknüppelt, der nicht mitmacht. Die Folgen sind dramatisch und nichts sagt, dass dies sehr persönliche Desaster Binjamin Netanjahus vor seinem Abtritt, wie auch immer dieser aussehen mag, endet.

Gaza. Am Rande des Heiligen Landes tickt eine soziale Zeitbombe. Das »israelische Soweto« – so nennt Amos Elon, ein Heinrich Böll des jüdischen Volkes, den Gaza-Streifen. In der schmalen Enklave am Mittelmeer drängen sich über eine halbe Million Palästinenser. Seit dem Sechs-Tage-Krieg beherrscht Israel hier die größten Flüchtlingslager des Nahen Ostens. Längst ist das Land in Israels Wirtschaft und Verwaltung integriert, nutzen bewaffnete Siedler die Sanddünen Gazas zum fröhlichen Kamelritt. Doch in den kinderreichen, also enger werdenden Lagern, hält sich der Traum vom eigenen Staat. Und der Wille zum Widerstand wächst, genährt von Gefühlen der Demütigung, von Ohnmacht, Haß, Verzweiflung: vom ganz normalen Elend palästinensischen Alltags

Einleitung eines Beitrags über den Gasastreifen in GEO, Ausgabe 2/1987, Seite 26

Am 21. Juli forderten 28 Länder (Australien, Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Island, Irland, Italien, Griechenland, Japan, Kanada, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowenien, Spanien, Zypern und die britische Insel) in einer gemeinsamen am Montag veröffentlichten Erklärung, dass Israels Krieg in dem von ihm völkerrechtswidrig belagerten Gasastreifen „jetzt beendet werden muss“. Die rund zwei Millionen von Israel seit Jahrzehnten unterdrückten Palästinenser in Gasa stehen nach mehr als 21 Monaten des Bombenterrors vor dem grausamen Hungertod. Die Unterzeichner riefen zu einem sofortigen Waffenstillstand auf und fügten hinzu, sie seien bereit, Maßnahmen zu ergreifen, um einen politischen Weg zum Frieden in der Region zu unterstützen. Die duopolistisch kontrollierten USA sowie der außenpolitische Zwergstaat Deutschland haben die Erklärung nicht unterzeichnet, da beide unverändert am Strang verwelkter westlicher Hegemonie festhalten und somit ihre Eignungsprüfung als Totengräber derselben erfolgreich abgelegt haben.

Das von der israelischen Regierung eingeführte Modell zur Verteilung von Hilfsgütern ist gefährlich, schürt Instabilität und beraubt die Menschen in Gasa ihrer Menschenwürde […] Die Verweigerung wichtiger humanitärer Hilfe für die Zivilbevölkerung durch die israelische Regierung ist inakzeptabel. Israel muss seinen Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht nachkommen.

die Unterzeichner der Erklärung in Bezug auf die US-israelische GHF (Gaza Humanitarian Foundation/humanitäre Gasa-Stiftung)

Die dubiose GHF nahm ihre Tätigkeit Ende Mai auf, nachdem Israel mehr als zwei Monate lang eine totale humanitäre Blockade verhängt hatte. „Es ist erschreckend, dass mehr als 800 Palästinenser während des Versuchs, Hilfe zu erhalten, getötet wurden“, schreiben die Minister weiter. Am vergangenen Dienstag berichteten die Vereinten Nationen, dass sie 875 Menschen gezählt hätten, die seit Ende Mai bei dem Versuch, Nahrungsmittel zu beschaffen, ihr Leben verloren hätten, darunter 674 „in der Nähe von GHF-Standorten“. Die Unterzeichner erklärten außerdem, dass sie „jede Initiative zur Veränderung des Territoriums oder der Demografie in den besetzten palästinensischen Gebieten entschieden ablehnen“ und forderten einen Stopp des Siedlungsbaus in diesen Gebieten, die sich der neozionistische Staat neben vielen anderen zueigen machen möchte. Besagte Tatsachen ignoriert der Kanzler der offenkundig vorschnell wiedervereinigten deutschen Bundesrepublik und behauptet wider besseres Wissen, das Netanjahu-Regime wäre weder eine Bedrohung für seine Nachbarn noch die von ihm enteigneten Palästinenser.

Wir haben hier offensichtlich einen fundamentalen Dissens in der Beurteilung der beiden Länder. Wenn Sie sagen, dass Russland und Israel hier mehr oder weniger gleichzusetzen sind, dann widerspreche ich dem ganz energisch. Das ist so. Und Russland führt hier einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg seit dreieinhalb Jahren gegen ein Land, von dem keinerlei Bedrohung ausging. Und Sie wollen nicht ernsthaft behaupten, dass Israel sich in einer vergleichbaren Situation befindet? Israel wird seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten bedroht und spätestens seit dem 7. Oktober 2023 wissen wir, dass diese Bedrohung bitterernst werden kann. So, und deswegen verbietet sich für mich eine Gleichsetzung dieser beiden Sachverhalte und deswegen kommen wir auch in der Beurteilung und in den Schlussfolgerungen zu vollkommen unterschiedlichen Ergebnissen.

die wirren Ansichten des BlackRock-Kanzlers Friedrich Merz während der Bundespressekonferenz am 18. Juli 2025

Spätestens seit dem 14. Mai 1948 wissen die Palästinenser, dass die Bedrohung durch Israel für sie „bitterernst werden kann“ und weit mehr Tote fordern würde als es der im Vergleich zum Terror des deutschen Nationalsozialismus erbärmlich brutale 7. Oktober 2023 für Juden tat. Inwiefern Palästinenser für Israel eine Bedrohung sein sollten, wäre unter Berücksichtigung der fortwährenden Besatzung zu erörtern, an der Deutschland die Hauptschuld trägt. Es ist und bleibt Deutschland, das für die systematische und barbarische Ermordung der europäischen Juden die Ursache ist und nicht Palästina.

Are You Still Investing The Way Your Grandfather Did?
Statt „Investieren Sie immer noch so wie Ihr Großvater?“ (BlackRock-Werbung) ist bei Merz die Frage angebracht, ob er immer noch die Politik seines NS-Großvaters ausübt

Für die Bürger des Pariastaates nehmen währenddessen die Unannehmlichkeiten zu. So ließ die belgische Bundesanwaltschaft zwei immer noch zu Feierlaune fähige israelische Soldaten auf dem Tomorrowland-Festival durch die Polizei verhaften und diese aufgrund der Kriegsverbrechen im Gasastreifen vernehmen. Die vorübergehende Festnahme erfolgte aufgrund der Tatsache, dass belgische Gerichte extraterritoriale Straftaten verfolgen können, die unter eine Regel des konventionellen Völkerrechts fallen, im vorliegenden Fall die Genfer Konventionen vom 12. August 1949 über Kriegsverbrechen und die UN-Konvention gegen Folter vom 10. Dezember 1984. Dies ist nicht der erste Vorgang dieser Art. So wurde bereits dem Sohn eines Immobilienmaklers die Teilnahme am Völkermord im Gasastreifen zum Verhängnis, da dieser es für nötig hielt, seiner Berufung als Scharfschütze zu folgen und in Gasa den Überlebenskampf des Netanjahu-Regimes mit Waffen durchsetzen zu helfen.

Ich unterstütze ihr Plädoyer voll und ganz und schließe mich allen an, die die gravierenden humanitären Missstände in Gaza anprangern, wo unschuldige Bürger, gefangen in ihrer Enklave, verhungern und unter Bomben sterben. Die derzeitige Situation dauert schon viel zu lange an. Sie ist eine Schande für die gesamte Menschheit. Wir unterstützen den Aufruf des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, diese unerträgliche Krise sofort zu beenden.

aus der Fernsehansprache des belgischen Staatsoberhauptes zum Nationalfeiertag am 21. Juli 2025

Im Gegensatz zum belgischen Monarchen zieht es die rechtskonservative belgische Regierung wie ihr deutsches Pendant vor, völkerrechtswidrige Unannehmlichkeiten in Sachen Israel auszusitzen. Jedes Jahr werden mehr als 200 Tonnen Militärgüter über Belgien nach Israel transportiert, wogegen Menschenrechtsorganisationen immer wieder klagen. Zuletzt wurden auf diese Weise drei Paletten mit Kegelrollenlagern aufgehalten, die in Merkava-Panzern und Namer-Panzerfahrzeugen bei völkerrechtswidrigen Kriegshandlungen im Gasastreifen eingesetzt werden.

Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein
Plakat: „Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein“ von medico international

Die Anhänger des Pariastaates nehmen unweigerlich weiter ab. Umweltaktivisten werden durch die Tatsache abgeschreckt, dass der völkerrechtswidrige israelische Angriffskrieg auf Gasa mehrere Millionen Tonnen Schutt verursacht hat, wodurch mehr als 90.000 Tonnen Treibhausgasemissionen verursacht wurden, deren Beseitigung und Verarbeitung bis zu vier Jahrzehnte dauern dürfte, so eine unlängst veröffentlichte Studie. Weshalb die deutschen Grünen weiter an der Seite des israelischen Apartheidsregimes stehen, bleibt deren Geheimnis.

Sozialdemokraten und Sozialisten werden dadurch bedingt abgeschreckt, dass das Netanjahu-Regime eines der rassistischsten und rechtsextremsten überhaupt ist, dessen Mitglieder systematisch den Kontakt zu anderen rechtsextremen Gruppierungen und Parteien anderer Staaten suchen. Das israelische Regime hat es geschafft, die linke Option nicht zuletzt durch die systematische Beeinflussung der Presselandschaft zu beseitigen. Weshalb die deutschen Sozialdemokraten jedoch weiter an der Seite des israelischen Apartheidsregimes stehen, bleibt deren Geheimnis.

Konservative und Nationalisten werden schon alleine durch die Tatsache abgeschreckt, dass das Netanjahu-Regime systematisch vorhandene Institutionen und Strukturen zunichte macht und zudem von der US-amerikanischen Trump-Administration unterstützt wird, die dies ebenfalls mit großem Eifer tut. Darüberhinaus werden in der gesamten Region milliardenschwere Investitionen und Werte zerstört, darunter auch zahlreiche der Europäischen Union. Gerade politische Aktivisten mit Überfremdungspsychose sollten die Furcht der Palästinenser vor den endlos nachrückenden Siedlerhorden Israels nur allzu gut nachvollziehen können. Weshalb die deutschen Parteien CDU/CSU jedoch weiter an der Seite des israelischen Apartheidsregimes stehen, bleibt deren Geheimnis.

Nie in meinem 40-jährigen politischen Leben habe ich eine so ungerechte und unfaire Behandlung eines Landes erlebt, wie sie Südafrika widerfährt.

der CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß 1988 während einer Südafrikareise

Ähnlich wie BlackRock-Kanzler Friedrich Merz mit seinen intellektuellen „Drecksarbeit“-Ergüssen in Folge des brutalen völkerrechtswidrigen Angriffes Israels auf den Iran glaubte schon Franz-Josef Strauß, dem 1983 das Großkreuz des Ordens der Guten Hoffnung von Südafrika verliehen wurde, wenn Pretorias Truppen nicht in Namibia wären, dann gäbe es dort „Mord und Totschlag“. Und ähnlich wie das heutige Deutschland Israel mit allerlei Waffenlieferungen unterstützt, tat es auch das damalige Deutschland mit Südafrika – man erinnere sich nur an die U-Boot-Affäre der Achtziger.

Südafrika und Deutschland sind beide Opfer einer Entstellungskampagne. Mit seiner Apartheid kann Südafrika zu einem starken Eckpfeiler der westlichen Welt, sogar zu einem Modellbeispiel für die gesamte Welt werden. Ich bin beeindruckt von der hohen religiösen und moralischen Verantwortlichkeit der Segregations-Politiker. Darum werde ich, als Führer einer christlichen Partei, dafür sorgen, das verzerrte Bild Südafrikas richtigzustellen.

der CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß 1966 während einer Südafrikareise

Die einzig verbleibenden Gründe aller beteiligten Gruppen und Personen, Israel zu unterstützen, sind blanker Rassismus und wirtschaftliche Interessen. In Südafrika währte sich das dortige Apartheidsregime lange Zeit im Wertesumpf des Westens sicher, was nicht zuletzt mit internationalen „Freunden“ der Größenordnung der CSU-Sturmhaubitze Franz-Josef Strauß zusammenhing. Diese „Freundschaften“ bestehen bis zum heutigen Tag unter anderem bei Oligarchen wie dem gebürtigen Südafrikaner Elon Musk fort, der sich gar für vereinfachte US-Asylbedingungen für unter Schwarzen leidende Weiße stark machte. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die kolonialen Strukturen Südafrikas mittlerweile beendet wurden, was mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Zukunft des Judenstaates sein wird. Am 18. Juli vor 107 Jahren wurde Nelson Mandela geboren. Wüsste er, wie Israel heute in Palästina wütet, würde er sich im Grabe herumdrehen.

David Andel