Türkische Zeitbombe

Das osmanische Reich ist in den Köpfen mancher Türken längst kein abgeschlossenes Kapitel. Im Gegenteil, die Tatsache, dass südlich der Landesgrenze dank des Dauerkriegs zwischen Diktatoren, Extremisten und fremdländischer Militärinterventionen Chaos und Verwüstung herrschen, wird nicht nur als Gefahr, sondern auch Gelegenheit territorialer Phantasien gesehen und ist nicht das erste Mal Anlass zur Großmannssucht. Ein einerseits zwar verständliches Wunschdenken, das sich dank NATO-Bündnistreue aber andererseits allzu schnell in einen gefährlichen Brandherd verwandeln könnte.


Bild: Archiv

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Ausnahme-Notstand

Der Bart (De Wever) ist ab: Nur ein Tag, nachdem die Écolo-Vizepräsidentin Zakia Khattabi zurecht die Frage nach den Hintergründen des militärischen Affentheaters gestellt hatte, ließen die Nationalisten der N-VA ihren üblich-dümmlichen Ergüssen freien Lauf: „Zwanzig Jahre Nachlässigkeit der PS und des Islamo-Sozialismus haben uns dorthin gesteuert, wo wir nun mit Brüssel als Hinterhofbasis der islamistischen Barbarei angelangt sind.“, meinte N-VA-Senatsmitglied Karl Vanlouwe, der sich ansonsten mit so überaus wichtigen Dingen beschäftigt, wie dem von ihm heiß ersehnten Austritt Belgiens aus der „Organisation Internationale de la Francophonie“.


Bild: Police Nationale

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Brüsseler Terrorspitzen

Es ist Montag früh in Brüssel, die Stadt ist voller Militär und Polizei. Eine Beamtin tritt aus einem Regierungsgebäude im Stadtzentrum und wird gefilmt. Da die beiden Kameramänner alles andere als professionell oder auch nur glaubwürdig wirken, stellt sie die Frage, für wen sie arbeiten. Die mutmaßlich nicht echten Journalisten flämischer Herkunft verweigern die Antwort und reagieren aggressiv. Daraufhin wendet sich die Frau an einen Polizisten, der die Papiere der beiden überprüfen will. Doch die falschen Kameramänner sind bereits verschwunden …


Bild: David Andel

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Nimmersatte Netzwanze

Spionage, Verfassungsschutz und Polizeiarbeit werden immer dann gefährlich, wenn sie sich anlassfrei und unter Vorgabe verschwommen gerechtfertigter höherer Ziele gegen den Bürger richten. Doch scheinen besagte Kräfte noch weiter gefasste Machtphantasien zu pflegen, nämlich den Aberwitz, das Internet vollständig beherrschen zu wollen. Dabei spielt die schleichende Zerstörung ehemals dezentraler Strukturen durch immer zentralere Datenhorte in den Händen nur weniger Unternehmen eine nicht unbedeutende Rolle, vermittelt sie doch den Trugschluss, es gäbe nichts anderes mehr. Aber was hat den Staaten oder deren Bürger die Überwachung bislang gebracht?


Bild: Archiv

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Pressefeind Werbemuffel

Der Skandal ist hausgemacht – wenn inhaltsarme Medien kaum mehr etwas verkaufen, dann ist immer die Zielgruppe schuldig, niemals aber die konsequent abwesende Qualität leidenschafts- und kenntnislos verfasster Beiträge. Als ob die Flut von Firmen-PR, Verlautbarungen von Interessengruppen und die ewig gleichen Statements aus der Politik nicht schon anstrengend genug wäre, soll der geneigte Datenwanderer auch noch hüpfende, lärmende und über Länder hinweg verfolgende Brachialgrafiken mit Jahrmarktscharme über sich ergehen lassen, nur damit die werbetreibende Industrie sich auch weiterhin der Illusion hingeben kann, es interessierte sich noch jemand für deren Ergüsse und Verlage infolgedessen davon finanziell profitieren können, da ihnen sonst so offenkundig jede andere Daseinsberechtigung fehlt.


Bild: Bildschirmfoto

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Zum Tode von Omar Sharif

Der am Freitag nachmittag im Alter von 83 Jahren in Kairo verstorbene Schauspieler teilte die Damenwelt stets in zwei Fraktionen: jene, die ihn mit Schnurrbart verehrten und jene, die ihn lieber ohne sahen. Verehrt haben sie ihn aber fast ausnahmslos, denn dieser Mann hatte noch all das, was es heute nicht mehr gibt. Der dunkeläugige Blick zeugte von Erfahrung, die sanft-rauchige Stimme war ebenso international wie nikotingefärbt und sein breites Lächeln bestätigte, dass er die wirklich wichtigen Geheimnisse dieser Welt längst gelüftet hatte. Mit dem Tod Omar Sharifs fiel für den einzigen verbliebenen Lebemann eines Kinos großartiger Abenteuer und unsterblicher Helden die letzte Klappe.


Bild: Filmausschnitt mit Faten Hamama (1954)

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Eine Handvoll Soul

Seine Stimme ist eine Mischung aus Barry White und Isaac Hayes und sein Erscheinungsbild orientiert sich an Letzterem. Der Sizilianer reitet seit Jahren auf einer vor allem regionalen Erfolgswelle, die nach und nach nun auch in nicht-italienische Ohren überschwappt. Am 10. Juni kam Mario Biondi auf einen Abstecher ins Ancienne Belgique. Und obgleich das Konzert bis zuletzt noch nicht einmal auf den WWW-Seiten des Sängers vermerkt war, entsprachen Stimmung und Besucherzahl Auftritten von Lokalpatrioten à la Sttellla. Die italienische Fangemeinde Brüssels war komplett angetreten …


Bild: David Andel

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