Zeit für einen Wechsel?

Über fünf Jahre ist es her, da gab es von Apple noch quietschbunte iMacs, einen blauen Power Mac, schwarze PowerBooks mit Silhouetten-Formfaktor und „unkaputtbare“ iBooks, die wie riesige Schminkspiegel oder Klodeckel mit psychedelischen Hintergedanken aussahen. Abgesehen vom PowerBook-Design zeichnete der Brite Jonathan Ive schon damals für die Gestaltung der Apple-Produktlinie verantwortlich – vom Experimentiertrieb in Sachen Farben und Formen ist allerdings kaum etwas übrig geblieben.
Heute kommt nur noch die iPod-mini-Reihe in bunt, der Rest gibt sich klinisch weiß und metallisch trocken. Apples Design ist seit der Wachablösung beim iMac irgendwas zwischen bodenständig, berechenbar, langweilig und vor allem sich selbst kopierend geworden. Bringt man Ives gestalterische Arbeit auf eine Formel, so beantwortet er jede Design-Frage mit WAS (Weiß, Aluminum, Softline). Das wird auf Dauer eintönig und sollte überwunden werden. Scheinbar verharrt Ive aber in der Designepoche seiner Kindheit – er ist Jahrgang 1967 und damit Spross eben dieser von ihm bis heute hochgehaltenen Formensprache der Bauhaus-Erben Colombo, Rams, Sapper & Co.

Wir sind nun Beobachter einer gestalterisch stagnierenden PowerBook-Baureihe, die zudem seit Jahren an denselben Konstruktionsmängeln leidet, etwa abbrechenden Displayscharnieren, welche sich nur für eine Unsumme wieder instand setzen lassen. Während im Laptop-Markt bereits mit per Funk angesteuerten, abnehmbaren Bildschirmen experimentiert wird, tut sich bei Apple außer einer beleuchteten Tastatur exakt nichts. Dabei wäre gerade eine Trennung von Rechner und Display ein sinnvoller Ansatz angesichts der jüngst eingeführten Möglichkeit der beiden größeren PowerBooks, sogar das 30“-Display anzusteuern.

Selbst beim Kassenknüller iPod ist die Zeit stehen geblieben, denn das Grundkonzept ist immer gleich, solange es ein Display gibt. Zwar stellt der iPod shuffle erstmalig einen neuartigen gestalterischen Ansatz dar, doch ist er gegenüber den anderen Modellen auch in fast jeder Hinsicht ein Rückschritt – gerade mal beim Joggen hat er unbestrittene Vorteile. Weder hat sich Ive aber einer verbesserten Strategie hinsichtlich anwenderseitiger Austauschbarkeit der Energieversorgung verschrieben, noch gab es seit der iPod-Einführung in 2001 überhaupt grundlegende Änderungen, allenfalls Details wurden variiert.

Natürlich sind der Mac mini ebenso wie der iMac G5 keine Allerwelts-Computer aus dem Supermarkt, doch während letzterer zumindest in Sachen Wartungsmöglichkeit durch den Nutzer Maßstäbe setzt, ist der Mac mini Zeit für einen Wechsel? hier ein absoluter Rückschritt – schon wer nachrüsten will, muss verzichten, zahlen oder selbst einen mehr oder weniger riskanten Eingriff mit improvisiertem Werkzeug wagen. Nur ein paar kleine Schrauben hätten einen großen Unterschied machen können. Wieso die Inkonsequenz?

Es entsteht der Eindruck eines von Anfang an unumstößlichen und eher willkürlichen statischen Konzeptes, welches rund ein Jahrfünft Gültigkeit haben soll. Der gestalterischen Unfehlbarkeit eines Fünfjahresplans ist allerdings mit Skepsis gegenüberzutreten, schließlich ändern sich Kundenbedürfnisse und Technologien schnell, muss auf Erkenntnisse der Vermarktung reagiert werden, die beim Ausgangsgedanken nicht vorhersehbar waren. Während es bei Mac OS X oft Nachbesserungen gab, sitzt Cupertino Hardware-Defizite aber bevorzugt aus.

Es wäre daher wünschenswert, käme bald mehr frischer Wind in die Produktlinie, denn schon ein iPod im Innovationsstau könnte zur echten Gefahr für Apple werden. Vielleicht ist Apple längst zu sehr auf den Personenkult um Jonathan Ive fixiert, womöglich ist es einfach überfällig, wieder auf externe Stimmen wie ehemals „frog design“ zu hören – Zeit für einen Wechsel?

David Andel