Wechsel schmerzt, Zeit heilt

Grundlegende Veränderungen gab es bei Apple schon etliche. So hatte der Mac-Hersteller 1993 den Umstieg auf den „Performance optimization with enhanced RISC Performance Chip“ (kurz PowerPC oder noch kürzer PPC) gewagt, was damals die einzig sinnvolle Möglichkeit war, sich von der ausgereizten CISC-Technologie der 680x0-Familie zu emanzipieren. Ein nicht minder tiefer Eingriff ins Seelenleben des Mac-Jüngers wiederum war der Abschied vom heimeligen „klassischen“ Mac OS (für die einen ein Virus) und der NeXT-verursachte Umstieg auf Mac OS X (für die anderen ein Dateigrab). Den meisten Anwendern steht nun abermals ein Umbruch bevor – auf G3, G4 und G5 folgen nicht etwa G6 und G7, nein, es ist eine Reise in ehemaliges Feindesland anzutreten, denn was gestern noch als „MHz-Mythos“ verkauft wurde, ist nun plötzlich Stand der Dinge und damit Apples Zukunft.
Nach all den elenden Dramen um die ewig stagnierenden G4- und G5-Modelle ist es allerdings sehr verwunderlich, wie manch ein Foren-Platzhirsch auf die neue Welt reagiert. Sei es „Ich würde noch immer ein 12" PowerBook kaufen“, „Der Name MacBook Pro ist furchtbar und Teil des Status’, den man mit dem Kauf erwirbt“ oder aber auch „Hat Jobs sich die Dual Core G4s auch nur mal angeschaut, die lediglich 25 anstelle der 85 Watt des Intel-Prozessors verbrauchen?“, so könnte man fast meinen, es hätte eine verheißungsvolle alternative Zukunft für Apple mit Motorola/Freescale oder IBM gegeben. Das war und ist aber nicht der Fall, der über endlose Jahre in homöopathischer Dosis regelrecht hochgequälte G4 (seit 1999 waren das 350, 400, 450, 466, 500, 533, 550, 667, 700, 733, 800, 867, 933 und 1000 MHZ sowie 1,25, 1,33 und 1,5 GHz) sollte für sich sprechen. Und auch der mit unschlagbaren neun Lüftern angetretene G5 hielt von Anfang an nicht das, was er versprach, denn weder überschritt er jemals die drei GHz noch wäre er kühl oder klein genug für Laptops geworden. Wer also unkt, es gäbe kaum entsprechende Universal Binaries, Rosetta wäre eine einzige Qual, die neuen Macs allesamt mit „heißer Nadel“ gestrickt oder aber auch, dass erst 2007 alles besser würde, kann nur als einfältig bezeichnet werden. Es sind erstens Adobe, Microsoft und andere, die hier schlafen oder neue Einnahmequellen wittern, zweitens war bislang jedes neue Mac-Modell jeder Generation fehlerbehaftet und drittens ist kein Prozessor zeitlos.

Woher kommen jedoch die zahlreichen negativen Stimmen? Ganz einfach, es waren zu viele kompromissbehaftete neue Geräte und zu viele unberechenbare Kurswechsel über einen zu kurzen Zeitraum. Wer vor fünf Jahren einen iMac G3 für den privaten Einsatz erwarb und angesichts der Einschränkungen der G4-Prozessoren noch verharren wollte, wartete sich schwarz. Wer dann den innovativen iMac G5 kaufte, um nur ein Jahr später schon den ersten Nachfolger und schließlich wenige Monate danach auch den zweiten zu erleben, der musste irgendwann verbittert sein. Und wer vor einem Jahr mit dem Mac mini gerade erst von Intel weg „switchte“, um jetzt genau dort wieder landen zu sollen, der dürfte sich wohl fragen, ob Cupertino nicht die gleiche „Friss oder stirb!“-Taktik wie Microsoft zu betreiben beabsichtigt. Dass Apple geradezu autistisch veranlagt nichts ankündigt, wird vor allem in solchen Fällen zur kundenfeindlichsten Strategie überhaupt, denn es macht jeglichen Investitionsschutz unmöglich. Hier hat Apple noch unendlichen Nachholbedarf, die oftmals nurmehr repetitiv wirkenden Keynotes machen solch eindeutige Defizite längst nicht wett.

Jene aber, die heute trotz oder sogar wegen hellerem Bildschirm und hellerer Tastaturbeleuchtung, eingebauter iSight, ExpressCard-Slot, MagSafe sowie Front Row mit IR-Fernbedienung über das neue MacBook Pro lästern, sollten an den Generationswechsel vom G3 auf den G4 beim PowerBook denken. Das neue PowerBook G4 Titanium hatte die gleiche Grafikkarte wie der Vorgänger, eine niedrigere maximale Taktfrequenz und einen FireWire-Port weniger.

David Andel