Oh wann kommst Du?

Im Juli stellte Steve Jobs in New York City das großartige Mac OS X 10.1 zwar vor, nur bekommen konnte man es nicht. Ebenfalls gab es keine Ankündigung über den Kostenfaktor, geschweige denn die Größe des Upgrades. Wochenlang fragte sich jeder Anwender, wie viel 10.1 denn überhaupt kosten dürfe, schließlich war 10.0 nicht gerade vollständig. Im September endlich tauchten die ersten kostenlosen Upgrade-CDs auf, allerdings nur um gleich wieder zu verschwinden.
Schlange stehen für ein Software-Upgrade ist auch nicht dämlicher als selbiges für ein Madonna-Konzert, die neuen Euro-Münzen oder eine dunkle Brille für irgendeine Sonnenfinsternis zu tun. Außer verlorener Zeit sind ja keine Spesen gewesen, also kein Grund zur Beschwerde. Schlimmstenfalls waren ein paar Stunden vom Samstagvormittag vor der Ladentür der Firma Gravis nötig, wollte man die Unannehmlichkeiten von Mac OS X loswerden oder auch nur eine DVD damit schauen. Wer Glück hatte, bekam sein Upgrade. Manch einer brachte aber gleich ein paar Kumpels mit, man konnte ja nicht wissen. Später hatten die einen Kopien „über“ während andere leer ausgingen.

Die Gratis-Upgrade-CDs lassen sich nur aufspielen, wenn schon die Vorgängerversion installiert ist, das gilt sowohl für die CD mit 10.1 als auch jene mit 9.21. Leider ist das alles andere als praktisch, soll eine frische Installation aufgespielt werden. Erst 9.1 installieren und warten, dann 9.21 installieren und warten. Anschließend 10.0 installieren und warten, dann 10.1 installieren und warten. Die üblichen Upgrade-Phänomene mal nicht eingerechnet. Die Entwickler-CD ist im Paket auch nicht enthalten. Das CD-Image zu 187 MB kann über das Internet geladen werden, zumindest bei vorhandener (kostenloser) ADC-Registrierung, einer schnellen Leitung und Glück bei der Wahl des richtigen Servers. Der Samstag dürfte damit gelaufen sein.

Alternativ gibt es die Vollversion gegen Coupon zu 39 DM, nur kommt die aus Irland. Europa ist längst zusammengerückt, die flinken Kurierdienste regeln das schon. Nicht ganz – während die einen ihr 10.1-Paket recht flott erhielten, warteten die anderen noch im November darauf. Schon in Roman Polanskis „Wenn Katelbach kommt“ kam Katelbach (im Film Polanskis Telefonstimme) nie, vielleicht war er ja auch in Irland. Wer oder was bei Apples Vertrieb für was oder wen verantwortlich ist, weiß keiner so genau. Auf Nachfrage ist stets ein „externer Dienstleister“ an allem Schuld, wahrscheinlich Katelbach, Godot oder irgendein Wolperdinger. Die Wahrheit liegt jedenfalls da draußen.

Immerhin, die Variante zu 39 DM kommt mit Entwickler-CD und braucht auch keine Vorversion. Um die Verwirrung aber zu vollenden, ist keines der 10.1-Pakete kompatibel zu Mac OS X Server, warum auch immer. Von Mac OS X Server 10.1 gibt es ebenso wenig ein kostenloses Update-Paket, der irische Irrweg zu 39 DM samt „externem Dienstleister“ steht aber offen. Ob es nicht auch die 10.1 User CD getan hätte, zu ergänzen per 10.1 Server-Update aus dem Netz?

Wird das nächste Update wieder auf dem Leidensweg ausgeliefert, könnten einige Kunden dies nachtragen. Um es frei mit Jerry Seinfeld zu formulieren: „Kunden sind wie Organismen. Pflegt man sie nicht, verkommen sie; hungert man sie aus, wenden sie sich gegen einen“. Aus Erfahrung sollte Apple klug werden. Wie wäre es nach diesem logistischen Reinfall denn mit der im nächsten Laden gegen kleines Entgelt gebrannten CD oder dem Vertrieb per Fachzeitschrift? Ja, schön wär’s!

David Andel