Ungewolltes Kind

Als selbst das ehemals durchaus renommierte und seit der populistischen Burda-Konkurrenz journalistisch zunehmend geschwächte Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ auf den gefälschten „iWalk“ einging, wurde nicht zum ersten Mal deutlich, wie groß die Sehnsucht alter Newton-Fans nach einer PDA-Neuauflage von Apple ist, obgleich deren Existenz kaum einen Sinn ergäbe.
Die Mitnahme nur wesentlicher Daten vor allem auf Geschäftsreisen, die Möglichkeit der Speicherung kurzer Notizen im Flughafenterminal, dem Hotelaufzug oder auch im Verkehrsstau ohne umständliches Hochfahren eines iBook oder PowerBook, sind im wesentlichen die Vorzüge eines Personal Digital Assistants gegenüber anderen Optionen. Effizient in der Leistung sowie klein genug und eben gerade nicht die tragbare Version eines Schreibtisch-Macintosh.

Leider aber sind die Umsatzerwartungen für einen PDA, sei er nun von Apple oder sonst wem, nicht gerade rosig. Ein iNewton müsste schon Besonderes leisten, soll er sich zum Verkaufserfolg entwickeln. Aber was sollte das sein? Die perfekte Integration von GSM-Telefonie, Bluetooth-, HCDC-, GPRS- und UMTS-Technologie zusammen mit AirPort? Wohl kaum, denn Apple wäre verrückt, mit den Major Playern der mobilen Telefonie konkurrieren zu wollen. Weder Sony Ericsson, noch Nokia, noch Siemens, noch Alcatel oder Panasonic können mehr allzu große Margen aus einem komplett überfressenen Markt herauskitzeln. Deren künftige Allround-Genies in der schönen neuen UMTS-(Alptraum-)Welt wollen erst von Apple eingeholt werden. Ein eher aussichtsloses Unterfangen. Nicht nur die vor sich hin kränkelnden Konkurrenten Palm und Psion haben im Gegensatz zu Apple den Markt längst untereinander aufgeteilt, auch die Mobilfunkfront wird spätestens in ein zwei Jahren mit geballter Wucht zuschlagen, denn der Übergang vom Telefon zum telefonierenden PDA ist fließend.

Und dann wäre da noch Motorola. Wir erinnern uns, Motorola schraubte nach dem erzwungenen Ende seiner PPC-Rechner den Enthusiasmus für Apple auf ein frostiges Niveau herunter, seither findet sich in den Büros des Halbleiter-Herstellers kaum noch ein Mac OS gleich welcher Prägung. Widmete Apple sich jetzt noch der PDA-Szene, würde das die Beziehungen nicht unbedingt verbessern. Motorola geht es außerdem schlecht, das Unternehmen hofft auf Verkaufserfolge kommender PDA-Wölfe im UMTS-Schafspelz – einen iNewton, iWalk oder was auch immer braucht da wirklich niemand. Gleiches gilt für Microsoft und künftige Kooperationen mit Apple. Neben Windows CE und Epoc ist allenfalls noch Platz für Ärger.

Es scheint also unwahrscheinlich, aus Apples Digital Hub Hype einen Personal Digital Assistant zu erhalten, wie traurig das auch für Manche sein mag. Und Steve Jobs hat den bereits abgefahrenen PDA-Zug in einem Interview mit dem US-Magazin Fortune völlig richtig erkannt, die PDA-Manie ist hinfort. Während noch vor Jahren jeder einen haben wollte, verstauben die meisten mittlerweile in den Schubladen von Schreibtischen vor sich hin, und nur ganz selten lässt sich nochmals einer blicken. Sicher, mit UMTS und der dann machbaren Bildtelefonie dürfte es eine – womöglich auch nur vorübergehende – Renaissance geben, nur baut Apple bekanntlich (noch?) keine Telefone.

David Andel