Treiberjagd

Es gibt eine ganze Reihe schöner und/oder leistungsfähiger Scanner, und es gibt das schöne und/oder leistungsfähige Mac OS X. Beides zusammen jedoch scheint nur schwer unter einen Hut zu bringen zu sein, die Gründe dafür bleiben im Dunkeln.
Natürlich kennt mittlerweile fast jeder leidgeprüfte Besitzer eines Scanners und Mac OS X auch VueScan, eine „Shareware“ für umgerechnet knapp 46 Euro, die so manchen originalen Scannertreiber ersetzen könnte. Doch erstens ist es unverständlich, weshalb für eine Bringschuld des Herstellers teurer Hardware ein weiteres Mal gezahlt werden soll und zweitens ist VueScan für viele ein funktionaler Overkill sowie auch nicht unbedingt optisch und ergonomisch vom Feinsten – die Oberfläche bleibt auch nach unzähligen Updates unklar und überkompliziert.

Canon, Epson, Hewlett Packard, Umax & Co. treibe(r)n ein für Kunden wenig vergnügliches Spielchen, kündigen wiederholt aufschiebend an oder schweigen einfach. Umax etwa hat Mac OS X monatelang ignoriert, erst vor kurzem tauchte überraschend eine Ankündigung auf, es wären Treiber in Arbeit. Epson hingegen stiftet Verwirrung. Einerseits eine Ankündigung für Januar, die dann noch ungenauer auf den Sommer verschoben wurde, andererseits ein Bestellformular, allerdings nur für US-Kunden und das auch noch gegen eine Bearbeitungsgebühr. Am Support-Telefon schließlich erhält der Fragende allenfalls widersprüchliche Auskünfte. Mal wartet man auf Software von Apple, mal soll Apple selbst Hand anlegen (was Apple bestreitet) und in letzter Zeit heißt es, Ende März wäre mit fertigen Treibern zu rechnen. Canon schließlich übt fromm Enthaltung, was die Angabe eines Termins angeht – erst einmal reicht ja auch der Classic Modus. Ja, uns reicht es allmählich ebenfalls.

Agfa ist ein Sonderfall. Die Fertigung der SnapScan-Modelle für Privatanwender wurde nämlich eingestellt. Ausgerechnet Agfa aber hat schon länger einen Release Candidate seiner ScanWise-Software für Mac OS X parat. Warum Agfa etwas kann, was sonst niemandem zu gelingen scheint, bleibt ebenso unverständlich wie das VueScan-Phänomen, dessen Autor Ed Hamrick sich vermutlich ins Fäustchen lachen dürfte, bei all den vielen verzweifelt um Abhilfe suchenden Scanner-Besitzern.

Wer immer schon wissen wollte, was Globalisierung ist, aber bisher nicht zu fragen wagte, erhält bei der zermürbenden Treiberjagd im tiefen Dickicht des Internet einen ersten zaghaften Einblick. In Deutschland ist von Mac OS X so gut wie nie die Rede, in Großbritannien allerdings ziemlich oft. Gibt es dafür eine sinnvolle Erklärung? Arbeiten die Presseabteilungen internationaler Konzerne gegen- oder miteinander? Seltsamerweise ist die Suche nach Informationen zum Thema Mac OS X und Scannertreiber eine sehr globale Angelegenheit, wenig überraschend daher, wenn etliche lokale Seiten verschiedener Hersteller bei Treiberfragen gleich in die USA verweisen. Interessant in diesem Zusammenhang auch eine TWAIN-Seite vom Juli 2001, die mit den Worten „Want to get a jump on your Mac OS X TWAIN-compliant application?“ eingeleitet wird.

Ein Bremsklotz für die fortdauernde Misere dürfte Adobes Photoshop sein, da gängige TWAIN-Umsetzungen den Einsatz externer Software zum Aufruf des Scanner-Plugins vorsehen. Adobes Photoshop ist nur eine von vielen Spätgeburten für Mac OS X. Ohne Photoshop (respektive der abgespeckten Variante Adobe Elements) kein TWAIN-Scanvorgang scheint es, auch wenn es alles andere als angenehm ist, für den schnellen Passbild-Scan ein solch riesiges Programm starten zu müssen.

Schön wäre es, würden sich Canon, Epson, Umax & Co. dazu herablassen, ihrer wartenden Kundschaft ganz konkrete Termine zu nennen oder zumindest nachvollziehbare Gründe, weshalb dies nicht passiert – und zwar wirklich bald. Die jetzige Taktik ist zweifelsohne nur eine schallende Ohrfeige für denjenigen, der auch künftig bei der Stange gehalten werden soll.

David Andel