Ein seltsames Update

Apple pflegt weiterhin auf fast professionelle Weise eine kleine aber feine Liste von Fehlverhalten in Mac OS X 10.5 Leopard. Das Update auf Mac OS X 10.5.2 hätte ein für alle schmerzlindernder Weg sein können, diese zu beseitigen. Leider passierte das auch diesmal nicht in der erwarteten Vollendung. So sind uns nicht nur die in Ausgabe 01.2008 an dieser Stelle erwähnten Ungereimtheiten erhalten geblieben. Unverändert anwesend sind auch zahlreiche mit Leopard neu eingeführte Bugs.
Besonders ärgerlich sind dabei jene Fehlverhalten, die zwar unübersehbar auftreten, jedoch absolut keine Spuren in den unzähligen Protokolldateien hinterlassen – nur beim Anwender. So müssen seit Leopard vor allem Besitzer von Macs mit den ATI-Grafikkarten X1600 und X1900 bemerkenswerte Qualen leiden. Durch einen Fehler im ATI-Treiber friert der Bildschirm in unschöner Unregelmäßigkeit ein, Tonwiedergabe und andere Systembestandteile folgen früher oder später nach. Dabei tritt das Phänomen primär bei jenen auf, die mit besonders vielen offenen Fenstern arbeiten, wohingegen bei Zeitgenossen, die ihren Bildschirm eher überschaubar halten, weniger oft Grund zur Besorgnis herrscht. Einer unserer Autoren wurde von diesem Fehler gar in einer solchen Form geplagt, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Ausgabe fast hätte verschoben werden müssen. Und auch der Verfasser dieser Zeilen hat sich mittlerweile so gut wie daran gewöhnt, dass sein MacBook Pro mitten in der iTunes-Wiedergabe wie bei einer alten verschlissenen Schallplatte einfach hängen bleibt. Einziger Ausweg dann wie üblich der langanhaltende Druck auf den Netzschalter. Aber das ist natürlich längst nicht alles.

Mail > Einstellungen … > Regeln – werden neuerdings „en gros“ ausgeführt. Nehmen wir also mal an, es ist Montag Morgen. Eine ganze Reihe von E-Mails trifft ein – etliche von Absendern, denen man ehemals in Apples Anwendung Mail individuelle Töne zugeordnet hatte. Nichts davon wird jedoch abgespielt – Schweigen im Walde (oder auf dem Schreibtisch). Wartet man dann ein Weilchen oder stellt in den Einstellungen irgendwas um, werden besagte Regeln alle auf einmal abgefahren, ein Ton folgt dem nächsten, so als wären die Mitteilungen gerade erst gesammelt eingetroffen …

Systemeinstellungen > Schreibtisch und Bildschirmschoner > Schreibtisch – verweigert sich seit Leopard der Ergänzung um eigene Ordner mit Hintergrundbildern. Sie erscheinen einfach nicht, obgleich beim wiederholten Versuch trotzig behauptet wird, sie seien schon in der Liste. Einziger Ausweg zur Nutzung eigener Bildschirmhintergründe ist damit ein schon vorgemerkter Ordner in der Übersicht, etwa der Bilder-Ordner im eigenen Anwenderverzeichnis.

Vorschau > Darstellung > Diashow – verhält sich seit Leopard auffällig störrisch im Zusammenhang mit PDF-Dokumenten. Zunächst ärgert der stete Zwang, das Dokument auf Bildschirmgröße vergrößern zu müssen, möchte man noch etwas lesen können. Darüber hinaus geht das manuelle Manövrieren ausschließlich, wenn zuvor kurz die Automatik aktiviert wurde (Klick aufs Startsymbol). Ausgesprochen unpraktisch beim Lesen großer PDF-Dateien im Vollformat.

Uns vorliegenden Informationen zufolge fahren Apple-Mitarbeiter zwischenzeitlich Sonderschichten, um auch nur annähernd das wieder gut zumachen, was mit Leopard alles angerichtet wurde. Erschwerend hinzu kommen neue Produkte wie etwa das MacBook Air, die leider die Auslieferung noch unvollständiger Wartungsupdates unabdingbar machen, so dass ein weitgehend fehlerbereinigtes Mac OS X Leopard weiterhin auf sich warten lassen dürfte.

So sehr also Mac OS X Leopard in vielerlei Hinsicht ein absolut lobenswertes Produkt ist oder zumindest hätte werden können, so verfrüht ist es doch erschienen. Dabei sind es kaum die oberflächlich hervorstechenden Merkmale, die wohl diesen Zustand verursacht haben dürften, sondern die unzähligen Änderungen an den Grundlagen des Systems. Der bittere Nachgeschmack, dass Apple nun am eigenen Erfolg scheitern könnte und sowohl personell als auch technologisch überfordert ist, entsteht damit unweigerlich, auch der Aktienkurs lässt derzeit darauf schließen.

David Andel