iBooks in Schanghai

Auch die Deutsche Schule in Schanghai (DSS), China hat den Wert des Macintosh für Bildungseinrichtungen erkannt, bietet er doch doch neben der bekannten intuitiven Bedienung alle multimedialen Voraussetzungen für einen zeitgemäßen Unterricht, in dem sonst eher trockene Fakten akustisch eindrucksvoll untermalt oder vielfältig bunt bebildert werden sollen. Spätestens seit dem ersten iBook hat Apple eines der attraktivsten Lehrmittel geschaffen, das durch den Einsatz des DSS-Beauftragten Norbert Arnold nun auch im Reich der Mitte seine Anhänger gefunden hat.


Bild: Norbert Arnold
Aufgrund der rapiden Expansion Schanghais und der dadurch offenkundig auf der Strecke gebliebenen Stadtplanung (komplexe Verkehrssituation, keine zentralen Treffpunkte wie Freibäder usw.) leben Kinder relativ isoliert voneinander. So entstand zusammen mit einer Grundschule bei Rostock das Projekt „Was macht Ihr? – Was machen wir?“, in dessen Rahmen die weit voneinander entfernt lebenden Schüler sich über ihren Alltag austauschen. Sowohl länderübergreifend als auch innerhalb der Megapolis Schanghai kann der Macintosh die Schüler der DSS kommunikativ unterstützen helfen.

David Andel: Haben Sie neben dem Macintosh überhaupt noch andere Optionen in Erwägung gezogen und was genau hat Sie von Apple überzeugt?

Norbert Arnold: Die Entscheidung zum Wechsel zu Apple fand im Jahr 2000 statt und hat viele Gründe. Zunächst ist da das stabile und intuitiv zu benutzende Betriebssystem zu nennen, das sowohl Grundschülern als auch Gymnasiasten gerecht wird. Weiterhin stand damals mit den bunten iBooks attraktive schulgerechte Hardware bereit, die den Kostenvergleich nicht zu scheuen brauchte. Besonders der damalige Vorsprung von Apple mit der AirPort-Technologie, die in gewohnter Plug-and-Play-Form zu installieren war, hat überzeugt.

Zwar ist der Abstand zwischen Apple und dem „Rest der Welt“ in den folgenden Jahren geringer geworden, doch beim jährlichen Einkauf neuer Notebooks lässt sich ein Kostenvorteil durchaus erkennen. Für mich als Administrator wichtig ist, dass ich ein Komplettsystem erwerben kann und keine Last mit Erweiterungen und Adaptionen habe.

David Andel: Wird sich der Mac-Einsatz in der Schule auch auf Kaufentscheidungen Ihrer Schüler oder deren Familien auswirken?

Norbert Arnold: Während Kollegen, Schüler als auch Eltern auf dem heimischen Windows-Rechner mit Viren, Systemabstürzen, Inkompatibilitäten und anderen Unfreundlichkeiten kämpfen, beobachten sie wie die iBooks trotz dauernder Benutzerwechsel störungsfrei und zuverlässig ihren Dienst versehen. Die Schüler und deren Eltern lernen das Apple-Systeme als zuverlässiges Arbeitsmittel kennen. Dieses wird besonders mit Umstellung auf OS X verstärkt.


Bild: Norbert Arnold

David Andel: In der DSS ersetzt das Notebook zunehmend den stationären Computer und findet immer öfter seine Anwendung im normalen Unterricht. Könnte dies früher oder später auf das Notebook als das dominante Lehrmittel hinauslaufen, da Computer außerhalb des pädagogischen Bereichs längst eine Vielzahl von Funktionen sehr dominant übernommen haben?

Norbert Arnold: Der Wandel vom stationären Computerraum zum flexiblen Notebook-Konzept ist an der DSS mit gutem Erfolg vor zwei Jahren abgeschlossen worden. Derzeit stehen 50 iBooks für 250 Schülerinnen und Schüler von Klasse 1-11 zur Verfügung. Unsere Erfahrung hat ergeben, dass ein Quotient von vier bis fünf Schülern pro Notebook eine sinnvolle Größe darstellt. Es ist ein Kompromiss auch zwischen Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit.

Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass wir Lehrer die Computer als Arbeitsmittel im Unterricht dort einsetzen wollen, wo Lernen stattfindet – und dies ist eben im Klassenraum. Plakativ gesagt: Wenn im Duden nachgeschlagen wird, geht man auch nicht in den „Duden-Raum“, sondern holt sich die Bücher in die Klasse. Voraussetzung dieses flexiblen Notebook-Konzeptes war eine zuverlässige Funkvernetzung, die frei von Kabeln eine Arbeit ermöglicht, also Internet und Drucken an jedem Ort der Schule.

David Andel: Setzen Sie beim Erlernen von Fremdsprachen ebenso auf Software als Lernmittel oder folgt der Unterricht eher traditionellen Mustern?

Norbert Arnold: Grundsätzlich werden die iBooks als Werkzeug im Unterricht eingesetzt. Dies bedeutet vorrangig die Verwendung von Standardsoftware (Safari, MS-Office, AppleWorks, i-Applications, Keynote …) zur Erstellung von Texten, Grafiken sowie Präsentationen. Weiterhin haben sich Nachschlagewerke und Infotainment als fester Bestandteil des Konzeptes bewährt. Auch DVDs, die man anstelle im Filmraum auch in Kleingruppen einsetzen kann, haben ihren Platz im Unterricht gefunden. Lernsoftware in hergebrachter Weise dagegen findet kaum Anwendung. Sie bietet dem Lernenden wenig Freiheit, seinen Lernweg selbstständig zu bestimmen („Drill is kill“). Im übrigen sei verwiesen, dass die Computer trotz ihrer ständigen Verfügbarkeit keine dominante Stellung übernommen haben, denn sie konkurrieren mit den traditionellen Lehr-und Lernmitteln, die je nach Beschaffenheit durchaus auch Vorteile haben. Es soll nicht vergessen werden, dass sich auch ohne PowerPoint ein lebhafter und informativer Vortrag gestalten lässt!


Bild: Norbert Arnold

David Andel: Gibt es allgemein nach wie vor Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bei der Akzeptanz von Computern?

Norbert Arnold: Im Gegensatz zu Kindern in Deutschland leben die Schülerinnen und Schüler in Schanghai innerhalb der Großstadt mit 16 Mio. Einwohnern eher isoliert, denn spontane Besuche bei Schulfreunden und Treffen auf der Straße sind aufgrund der großen Entfernungen und der Verkehrssituation kaum möglich. Lesbare Zeitschriften und Bücher sind nur mit großem Aufwand beschaffbar und jeder Besuch bei der Freundin oder dem Freund muss im voraus geplant werden. Lokale Informationen sind aufgrund der andersartigen Schriftzeichen schwer zu bekommen. Hier kompensiert der Computer die „Isolierung“ vom deutschen Sprachraum sowie von Freunden und Familie. Der Umgang mit E-Mail und Internet stellt daher eine übliche Form der Kommunikation dar – unabhängig von Geschlecht und Alter.

David Andel: Beim Macintosh ist oft die Rede von einer besonderen Liebe zum Detail, sowohl bei der Hardware als auch beim Betriebssystem. Erkennen Sie bei Ihren Schülern dafür eine erhöhte Sensibilität?

Norbert Arnold: Das Design der iBooks in der Schule ist schon deutlich konträr zu den üblichen „Aldi-Notebooks“, die vielfach zu Hause vorherrschen. Dies stellen Besucher der Schule auch immer wieder fest. Die Geräte sind unauffällig, kompakt und doch sehr schick. Ganz wichtig dabei ist, dass Betriebssystem und Gerätedesign zu einander passen und eine Einheit bilden. Es ist halt keine Mogelpackung nach dem Motto „Außen hui – innen pfui!“ Dies wird von den Schülern durchaus als Wert betrachtet und erhöht die Wertschätzung des Werkzeugs Computer deutlich.


Bild: Norbert Arnold

David Andel: Der Beschreibung der Partnerschule der DSS, der Grundschule „Che Zhan-lu No. 2“, ist zu entnehmen, dass die Einschulung dort erst ab dem siebten Lebensjahr erfolgt. Ist eine kürzere Schulzeit auch für die DSS erstrebenswert?

Norbert Arnold: Die Deutsche Schule ist derzeit auf dem Weg, eine „erwachsene“ Schule zu werden. Begann man 1995 mit sechs Schülern, zählt man acht Jahre später bereits 250 Schüler – Tendenz stark steigend. Im Jahr 2005, mit Abnahme der ersten Hochschulreife-Prüfung, wird der Aufbau einer gymnasialen Oberschule abgeschlossen sein. Wunsch aller Verantwortlichen war, ein zwölfjähriges Schulsystem zu schaffen, so wie es derzeit in Thüringen und Sachsen zu finden ist. Dieses ist in den Lehrplänen umgesetzt. Bereits der erste Hochschulreife-Jahrgang im Jahr 2005 wird nach der zwölften Klasse entlassen. Schneller ist nirgendwo ein Wandel des Systems umgesetzt worden, was der DS Schanghai den Spitznamen „Transrapid der Auslandsschulen“ eingebracht hat. Die Schüler unserer chinesischen Partnerschule werden zwar erst mit sieben Jahren eingeschult, beginnen aber bereits im Kleinkindalter mit dem Schreiben, weil sie in einem Schreiblehrgang wie in Deutschland die komplexen Schriftzeichen nicht erlernen würden. Vorteil unserer Schule ist, dass sowohl Kindergarten als auch Schule einen einheitlichen Träger haben. Dies erleichtert eine Kooperation und Durchlässigkeit zwischen beiden Systemen – beispielsweise unterrichten Lehrerinnen der Grundschule auch im Kindergarten. Mit Bau eines neuen Schulgebäudes – der Architektenwettbewerb findet Mitte September statt – wird die Kooperation auch in baulicher Form deutlich mehr berücksichtigt.


Bild: Norbert Arnold

David Andel: China ist fern, Sinologen selten, erfahrene Berichterstatter Mangelware. Was hat Sie alles vor Ort überrascht?

Norbert Arnold: Zunächst muss gesagt werden, dass wir in Schanghai leben und arbeiten. Schanghai ist nicht China, sondern stellt ein ganz kleines Fenster innerhalb der chinesischen Welt dar. Das Land ist so groß, dass Schanghainesen und Kantonesen sich gar nicht verstehen können. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen. Schanghai ist wie kaum eine Region in China technisch entwickelt und verändert sich im atemberaubenden Tempo weiter. Internet, ADSL sind keine Fremdworte. In Schanghai gibt es mehr Mobiltelefone als in der gesamten EU! Schanghai ist als die größte Baustelle mit der dichtesten Konzentration von Baukränen zu betrachten. Ein Bereich ist bei aller Entwicklung vergessen worden: das öffentliche Gesundheitswesen entspricht dem Stand der 60er und die Gesundheitsversorgung ist aufgrund der aufgelösten Krankenversicherung zusammengebrochen.

Das Bildungswesen wurde deutlich ausgebaut, aber ebenso kapitalistischen Strukturen unterzogen. Schulen in Schanghai sind zu vielen Teilen finanziell autonom. Computer, Datenprojektor und Video sind an unserer Patenschule durchaus gängig, schließlich müssen Eltern jährlich 2000-4000 Yuan aufbringen (dies könnte man bei einer deutschen Familie gleichsetzen mit einer Rechnung über 1000-2000 Euro).

Nicht entwickelt haben sich die pädagogischen Strukturen. Es handelt sich hier bei Klassenstärken von 50-60 Schülern ausschließlich um frontale Belehrung, die im Chor nachgesprochen wird. Schulbücher haben den Geist der 50er Jahre. Die Einkind-Politik verschärft die Situation, dass Eltern alle Erwartungen, Hoffnungen und Ehrgeiz in die Ausbildung ihres einzigen Kindes stecken. Nicht, dass man für sein Geld eine volle Stundentafel und haufenweise Hausaufgaben erwartet, nein – Heerscharen zusätzlicher Pianolehrer, Sprachenlehrer etc. bemühen sich um die armen Kinder und sorgen für einen vollen Terminkalender am Wochenende. Freies Spielen wird als nutzlose Freizeitbeschäftigung betrachtet und bleibt armen Wanderarbeiter-Kindern vorbehalten.

David Andel: Wie waren die Reaktionen der chinesischen Gast-Englischlehrerinnen und -lehrer auf Atmosphäre und Vorgehensweise der DSS?

Norbert Arnold: Kommen chinesische Lehrer an die DS Schanghai, begegnen sie erstmalig offenen Lernstrukturen, bei denen Schüler ihren Lernweg frei bestimmen können und flexibel beispielsweise auch den Computer als Arbeitsmittel wählen. Dies ist ein ganz neuer Ansatz, dem sie mit Skepsis gegenüber stehen. Diese Ideen einer veränderten Schule weiter anzupreisen würde gleichzeitig bedeuten, den chinesischen Weg in Frage zu stellen – sie gegebenenfalls zu blamieren … und nichts ist auch heute noch schlimmer, als sein „Gesicht zu verlieren“. Daher bleibt es unsere Aufgabe, diese Unterrichtsformen zu präsentieren und zu hoffen, dass einige Konzepte aufgegriffen werden.


Bild: Norbert Arnold

David Andel: Spielen die Folgen der so genannten „Kulturrevolution“ im Jahr 2003 noch eine Rolle?

Norbert Arnold: Während der Kulturrevolution galt es möglichst unauffällig durch alle Stolperfallen des Lebens zu kommen. Wer sich in irgend einer Form hervortat – andere Meinungen oder besondere Leistungen – war gefährdet, verurteilt und in ein Arbeitslager auf dem Land verbannt zu werden. Dies hat zu einem Volk der „Duckmäuser“ geführt. Das ist wohl auch ein Grund, dass auch heute noch Arbeitnehmer gewissenhaft vermeiden, Verantwortung zu übernehmen. Sollte er es doch müssen, hat er zumindest sofort ausgearbeitete Entschuldigungsszenarien griffbereit, die die Schuld des Scheiterns in eine andere Richtung lenken. Hinzu kommt das aus westlicher Sicht nicht immer ausreichend berücksichtigte Prinzip des „Gesichtverlierens“. Das Eingestehen einer fehlerhaften Entscheidung bedeutet auch immer den Verlust des Gesichts … und dies ist etwas besonders schwerwiegendes.

Leider spielt das Bildungssystem noch keine Rolle bei der Stärkung der Entscheidungskompetenz. Das Bildungssystem ist durchgängig vom Typus „Pauken und Instruieren“ geprägt. Aus meiner Sicht wird sich die Dynamik im Land erst wesentlich ändern, wenn Impulse vom Bildungssystem ausgehen.


Bild: Norbert Arnold

David Andel: Erleben Sie China heute als stabiles, sich allmählich wieder selbst findendes System?

Norbert Arnold: In China sind Strukturen des Sozialstaates abrupt demontiert worden. Das Wohlstandsgefälle von Stadt-Land verändert sich dramatisch. Verdient ein Arbeiter im Westen des Landes durchschnittlich 700 Yuan, bekommt er für gleiche Arbeit in Schanghai ca. 2000 Yuan. Die Folge sind große Ströme von Wanderarbeitern, die durch das Land vagabundieren. In Schanghai spricht man von von fünf bis sechs Millionen Wanderarbeitern, die zur Stärkung der Wirtschaftskraft in Schanghai beitragen. Die chinesische Staatsführung erhofft sich, dass der Reichtum Schanghais mit schwindelerregenden Wachstumsraten sich auf das übrige unterentwickelte Land überträgt. Dabei befindet sich China meines Erachtens aber auf einer gefährlichen Gradwanderung, denn bei der sich täglich vertiefenden Kluft zwischen Arm und Reich gilt es möglichen sozialen Unfrieden und Separationsbestrebungen zu begegnen.


Bild: Norbert Arnold

David Andel: Unlängst sprach ich mit Alex Lindsay, einem Gestalter visueller Effekte (u. a. für „Krieg der Sterne“) aus den USA, der sich derzeit in Simbabwe und Tansania stark für die Verbreitung des Macintosh im Bereich kreativer Bildungsstätten einsetzt. Lindsay meint, wir stünden erst ganz am Anfang des Informationszeitalters. Sobald Infrastruktur und Ausbildung verfügbar wären, könnten Freischaffende in einem Teil der Welt mit Kollegen ganz woanders zusammenarbeiten. Der Zugang zum Internet für Schüler und Lehrer spielt auch in der DSS eine wesentliche Rolle. Wie beobachten Sie den Siegeszug des Internet in kaum zehn Jahren?

Norbert Arnold: Lassen Sie mich die Auswirkungen des Internet mit meiner persönliche Situation beschreiben. Als ich 1985 an die Deutsche Schule Istanbul gekommen bin, war ich nach nur wenigen Flugstunden Entfernung weiter von der Heimat entfernt, als jetzt nach elf Flugstunden in Fernost: Deutsche Welle Fernsehen, Internet-Banking, NDR2 Online, Online-Zeitungen, zeitnaher Kontakt zu Institutionen, Behörden, Freunden und Bekannten per E-Mail lassen die Entfernungen schrumpfen. Auch vor Abreise nach Schanghai begonnene Softwareprojekte beispielsweise können unabhängig des derzeitigen Aufenthaltsortes nahtlos weitergeführt werden, als säße ich in Norddeutschland am Schreibtisch.

Meine Arbeit als IT-Verantwortlicher wäre ohne die Nutzung von Ressourcen aus dem Internet undenkbar. Informationen aus dem Internet erlauben mir bei meiner Aufgabe meinen Informationsvorsprung aufrecht zu erhalten bzw. auszubauen. In Zeiten des schnellen Technologiewandels hätte der Mangel an Informationen, den ich während meiner Türkeizeit erleben konnte, einen Stillstand an Entwicklung bedeutet. Der Aufgabe des einzigen IT-Verantwortlichen, auf den alle Probleme „abgeladen“ werden und von dem zu jeder Zeit Lösungen erwartet werden, kann ich nur gerecht werden, in dem ich anstelle eines kollegialen Gespräches unter Fachkollegen – wie in Deutschland üblich – Online-Foren besuche, vielfältige Informationsangebote aus Industrie und Handel nutze und Fachzeitschriften lese. Hier muss ich als Allrounder mit Hardware und Technik vertraut sein und kann mich nicht auf Sachbereiche spezialisieren.

Auch für China waren jüngst die Auswirkungen des Internet greifbar deutlich: Während der SARS-Krise im Frühjahr war das Internet der wesentliche Mittler, Informationen und freie Gedanken zeitnah zu verbreiten. Ohne das Informationssystem der WHO wäre die Lage wohl kaum beherrschbar gewesen. Nur weil alle an der Bewältigung der Krise beteiligten Parteien umgehend ihre Informationen zeitnah publizieren konnten, war eine Vernetzung von Informationen und damit eine bestmögliche Reaktion möglich. Die Verfügbarkeit zeitnaher zuverlässiger Informationen war auch ein Grund, warum die Regierung ihre übliche Form der Informationspolitik aufgeben musste. Führende Politiker standen in der Nachrichtensendung erstmalig nachfragenden Journalisten gegenüber, die sich nicht mit Floskeln abspeisen ließen.

Den Verantwortlichen an der DSS ermöglichten die unzensierten Informationen über das Internet eine verlässliche Lagebeurteilung. Das Web-Angebot der Schule konnte mehrmals täglich aktualisiert werden, um den besorgten Eltern ausführliche Informationen zu bieten. Formulare zum Eintragen von Körpertemperatur, Hinweise auf Reisebeschränkungen … Sachinformationen waren nur einige der Bausteine dieses Informationspaketes.


Bild: Norbert Arnold

David Andel: Was planen Sie für die Zukunft in Sachen Macintosh und DSS?

Norbert Arnold: Zunächst ist geplant, das System den wachsenden Schülerzahlen anzupassen. Dies bedeutet an der DSS den jährlichen Zukauf von ca. 12-15 Notebooks. Da im Gegensatz zu den bunten iBooks der ersten Generation die weißen iBooks der aktuellen Generation mechanisch wesentlich empfindlicher sind, hat sich eine Nutzungsdauer der Geräte von maximal zwei Jahren als realistisch erwiesen. Netzstecker, Akkus, Scharniere und der Verschluss sind die „Sorgenkinder“.

Grundsatz beim Design der IT-Struktur an der DSS ist, ein System zu schaffen, das einfach und ohne großen Zeitaufwand zu administrieren ist. Internet- und E-Mail-Service wurden an die Firma gedas ausgelagert. Outsourcing weiterer IT-Leistungen hat sich bislang als nicht praktikabel erwiesen, denn deutschsprachige Betriebssysteme, die wir als deutsche Schule schon der Rechtschreibung wegen einsetzen möchten, kann derzeit kein chinesisches IT-Unternehmen warten.

Die Verbindung zwischen Rechnern wird aus Gründen der geringen Wartung mittels FileSharing durchgeführt. Ein zentraler Lehrerrechner ist dabei Festplatten-Pool. So konnte bislang auf die Installation eines Servers verzichtet werden. Mit zunehmender Zahl von iBooks allerdings muss diese Struktur überprüft werden. Die Einrichtung eines Servers wird wohl eine der nächsten Aufgaben sein. Da bereits im Sommer 2005 eine komplett neue Schule errichtet sein wird, bleibt zu prüfen, wann dieser Schritt vollzogen wird.

Da sich der Werkzeuggedanke beim Einsatz von Notebooks bewährt hat, könnte die nächste Stufe des Ausbaues die Abwendung vom Notebook-Pool sein. Vision wäre, den Schülern ein durch das Schulgeld finanziertes persönliches Notebook bereitzustellen.

Das Gespräch mit Norbert Arnold führte David Andel

Zur Person Norbert Arnold
Jahrgang 1953, Lehrer für Deutsch und Biologie (P, SI) an der Deutschen Schule in Schanghai.

Seit 1980 übt Arnold den Beruf des Lehrers aus, zunächst in Bremerhaven, dort u. a. mitverantwortlich für Konzepte zum Einsatz von Informationstechnologie. Apple Computer setzt er ab 1984 ein. Erste Auslandserfahrungen als Lehrer erwarb er von 1985-1988 an der Deutschen Schule in Istanbul. Vor drei Jahren begann er seine Arbeit an der Deutschen Schule in Schanghai. Dort ist er verantwortlich für den IT-Bereich und gleichzeitig Webmaster. Norbert Arnold ist passionierter Freizeitfotograf.