Alles Pippifax!

Es gibt einen Satz, der den Verfasser dieses Beitrags schnurstracks auf die Palme bringt: „Schicken Sie uns doch einfach ein Fax!“ Einfach? Gewiss, kein Weltuntergang, keine schwere Krankheit, kein Tod und Verderben. Dennoch, eine elende Technologie-Antiquität diese Faxerei, eine Kommunikationsbelästigung erster Güte und Ursache oft sogar stundenlanger Zeitverluste.


Bild: HOsy - intelligent software
Klar, der Einfachheit ihrerseits halber setzen viele Unternehmen (auch jene der Hochtechnologie) gern auf Althergebrachtes. Beim Fax hat schließlich den größten Stress der Versender, denn der kann sich ruhig die Finger wund tippen, pennt die Empfangsseite, mangelt es ihr an Papier oder verstehen sich die beiden Seiten partout nicht. Wer nicht nur eine analoge Telefonleitung, sondern auch noch ein herkömmliches Faxgerät sein Eigen nennt, ist da fein raus. Der selten überbeschäftigte Ganzjahres-Stromschmarotzer Faxgerät mogelt sich die meiste Zeit aber faul durch den Tag und ist damit eine selten dämliche Investition.

Der Computer könnte die Aufgabe des primitiven Datenaustausches über die Telefonleitung selbstverständlich übernehmen. Schließlich sitzt auf der anderen Seite nicht selten auch ein Faxserver, so simuliert dann nicht nur der Versender, sondern auch der Empfänger besagte Kommunikationstechnik … Wer allerdings das Kapitel Faxsoftware aufschlägt, schlägt zuweilen auch die Hände über dem Kopf zusammen. Softwarelösungen haben nur ab und zu die Eigenschaft, erwartungsgemäß zu funktionieren. So ist es auch erst unter Mac OS X 10.4 wieder möglich, ohne Nutzung externer Lösungen mittels Modem einigermaßen komfortabel zu faxen. 10.3 faxte spartanisch und bis Mac OS X 10.2 galt es gar, die diversen Softwareexperimente allesamt durchprobieren zu müssen, was Nerven kostete und graue Haare verursachte.

Wer überhaupt keine Telefonleitung mehr hat, ist sowieso angeschmiert. Zwar zwingen der rosa Riese und manch Konkurrent einen noch dazu, Internetverbindung samt Telefonanschluss zu erwerben, einzelne Anbieter wie Broadnet oder QSC jedoch beinhalten bestenfalls die IP-gestützte Telefonie ohne jeden POTS- oder ISDN-Umweg. Auch dort gilt Faxen wiederum als Glückssache, so dass als Modemersatz oft nur das per Bluetooth angebundene Mobilfunktelefon bleibt – komplizierter geht es kaum. Natürlich gibt es auch Anbieter im WWW, die den Versand von Faxen mittels Upload einer eingescannten Datei ermöglichen. Spätestens dies ist dann aber genauso pervers wie ein Mac mit Windows. Wieso den Mistdienst also nicht einfach abschaffen?

Nichts wäre doch einfacher, Dokumente einzuscannen und sie dann als Dreingabe per E-Mail zu versenden. Aber damit eröffnet sich ein Nebenkriegsschauplatz par excellence. In Unternehmen gibt es eine Infrastruktur der Unsicherheit, die schon beim Betriebssystem anfängt. Ergo wird seitens der Administratoren oftmals eiskalt alles von außen abgeblockt, was nur irgendwie Ärger verursachen könnte. So gerät es zum Hindernislauf, etwa mehrere Dokumente in einen Ordner zu packen und dann im ZIP-Format zu versenden, denn das denkbar harmlose Päckchen würde nur zum unerwünschten Gast erklärt. ZIP-Dateien gelten längst als Sinnbild des Bösen, werden pauschal als Viren eingestuft, die lediglich vorgeben, komprimierte Anhänge zu sein. Dass dies wiederum die allmähliche Sperrung fast aller Dateivarianten nach sich zieht, ist ein alberner Nebeneffekt, letztlich wird damit aus dem multimedialen Medium E-Mail ein frühzeitlicher Telex-Dienst.

Das erste Telefaxgerät erfand der am 11. März 2002 im Alter von hundert Jahren verstorbene Rudolf Hell anno 1929. Seither gab es u. a. einen mörderischen Weltkrieg, ein wirtschaftliches Wunder, eine sexuelle Revolution, eine weibliche Emanzipation, eine unmenschliche Globalisierung, einen technologischen und einen börslichen Boom – höchste Zeit also auch über eine Ablösung des altmodischsten aller Übertragungsverfahren von Bildern über herkömmliche Telefonleitungen nachzudenken.

David Andel

[Nachtrag vom 26. Juni 2013] Acht Jahre nach der Erstveröffentlichung dieses Beitrags linderte der Softwarehersteller HOsy mit seiner Anwendung Faxer die Kommunikationsschmerzen des leidgeprüften OS-X-Anwenders und integrierte den Faxversand auch per T.38 nahtlos in den Druckdialog des Systems. Damit das funktioniert, ist derzeit allerdings eine FRITZ!Box 7390 der Firma AVM als Kommunikationsschnittstelle vonnöten.