Noch mehr Abstand?

Mac-Zeitschriften plagt eine permanente Kritik, fast schon ein Erbfluch: Sie halten nicht genug Abstand zu genau jenem Hersteller, von dem sie im wesentlichen handeln. So dreht sich zwar der Inhalt besagter Blätter ganz und gar leidenschaftlich um das Leben um den Mac herum, dennoch ist es nicht allzu gern gesehen, wenn die Redaktionen den Mac zu sehr lieben und vergessen, dass es auch Geräte jenseits des Macintosh-Universums gibt, die doch so schlecht nun auch nicht sind, jedenfalls vorgeblich. Dieser Standpunkt hat mit dem Einzug der Intel-Prozessoren natürlich noch zugenommen. Denn nun lassen sich die Geräte mit identischen Prozessoren, Grafikkarten und weiteren Komponenten auch noch unmittelbar vergleichen, vor allem beim Preis.
Natürlich ist ein PC mit den gleichen Bauteilen noch kein Mac. Denn auf dem einen Gerät läuft immer noch überwiegend ein Betriebssystem aus Redmond, während auf dem anderen eines aus Cupertino seinen Dienst verrichten sollte. Letzteres hat sich seit Apples Boot Camp allerdings geändert. Und wer es gerne anstrengend mag, der wird es auch bewerkstelligen können, dass Mac OS X irgendwie auf einem Nicht-Macintosh läuft – die rechtliche Komponente mal außen vor gelassen. Also lassen sich in der Theorie zumindest ab sofort auch PCs und Macs ebenso grenzen- wie hemmungslos vergleichen. Was aber genau hätte man davon? Ist ein Mac-zentrisches Presseerzeugnis dann noch eine Publikation, die sich mit Apple-spezifischen Themen befasst oder wäre dann nicht eher ein „PC“ im Titel angesagt? Denn im Endeffekt erscheint es kaum weniger absurd, die Themen anderer Fachzeitschriften so lange aufzuweichen, bis alle über die selben Belange berichten. Wenn wir uns also auf Apple & Co. konzentrieren, dann geschieht dies genau zugunsten unserer Zielgruppe, also Ihnen zuliebe, verehrter Leser. Wer sich einen Mac kauft, der wird in aller Regel von allen anderen Zeitschriften im Blätterwald ignoriert, gelegentliche „Mac-Almosen“ mal außen vor gelassen. Apple-Medien handhaben dies exakt umgekehrt, sie konzentrieren sich auf den Mac und das „Leben“ drumherum, ignorieren währenddessen jedoch jene Geräte, die mit dieser Thematik nichts am Hut haben. Das ist auch gut so, denn unsere Leser haben schon einen Mac oder planen zumindest, einen zu kaufen. Nicht etwa einen Acer oder einen Dell oder einen Lenovo, sondern einen Mac – basta!

So ist es für uns selbstredend keine so gute Idee, die Produktlinie Apples pauschal niederzumachen, nur um kritisch, cool, frech oder konkurrenzfähig zu wirken. Wir mögen die Erzeugnisse dieses Herstellers ja größtenteils, nutzen sie allesamt selbst und begutachten daher auch weitere Produkte, die mit dem Mac und seinen Verwandten wie dem iPod kompatibel sind. Und in diesem Rahmen werden wir auch kritisieren, wo es sinnvoll ist. Dass wir uns da manchmal etwas vorschnell an gewisse Traditionen gewöhnen, die bei Apple im Gegensatz zu anderen Herstellern völlig normal sind, ergibt sich zwangsläufig und hat nichts mit einer mangelnden kritischen Einstellung zu tun. Nur selten wird einem als „Insider“ die Merkwürdigkeit des Apple-Universums mal bewusst, etwa wenn man nach der Übertragung der Rede eines Diktators im Fernsehen eine Keynote von Steve Jobs sieht …

Es ist schon eine paradoxe Situation. Je mehr man sich mit einem Thema auf abstrakte Weise auseinandersetzt, desto weniger zufrieden stellend wird das Ergebnis. Am Ende weiß man dann bestenfalls, dass man nichts weiß. Je mehr wir uns folglich vom Sujet unserer Zeitschrift entfernen, desto weniger wird von unserer Daseinsberechtigung übrig bleiben, desto mehr nimmt der Spaß an der Sache ab, desto anstrengender wird jede Ausgabe. Wir bleiben also beim Mac, sagen sogar „Hallo“ zu ihm und machen uns nicht verrückt. Noch mehr Abstand würde nur schaden.

David Andel