Mobil und vernetzt

Vor ziemlich genau zehn Jahren schlich sich etwas in unsere heimischen Gefilde, was sich heute als zunehmend unentbehrlich herausstellt. Es scheint rein alltäglich zwar kaum einen Unterschied zwischen 1993 und 2003 zu geben, nur steckt der Wandel in den vielen kleinen Details, den in immerhin zehn Jahren nur sehr schrittweise veränderten Abläufen. Anno 1993 waren Anrufe selbst ins europäische Ausland fast ein Luxusgut, Funktelefone überwiegend analog sendend sowie Festeinbauten für Fahrzeuge und schriftliche Kommunikation papiergebunden – je Mitteilung fielen mindestens 40 Eurocent an. Erst nach und nach emanzipierte sich das gerade mal aufkeimende GSM-Netz vom Kfz und infiltrierte mit Geräten wie dem „Knochen“ von Motorola, dem 2110 von Nokia oder dem GH337 von Ericsson auch private Bereiche. GSM-Kurznachrichten folgten Jahre später und als 1996 die ersten kostenlosen SMS-Gateways im Internet entstanden, zeichnete sich eine erste verheißungsvolle Begegnung zwischen Computer und Mobilfunk ab.
Zwischen den winzigen Universaltalenten meist skandinavischer Hersteller und den klobigen, gerade mal auf einen Zweck hin optimierten Telefonen zu Beginn der digitalen Funknetze stehen Welten. Beides ist zwar immer noch GSM, nur gab es in kaum einem anderen Alltagsbereich einen derartigen Technologiesprung. Daher scheint es sich zischen den ersten GSM-Telefonen und den heutigen für die Hemdentasche um völlig unterschiedliche Gerätegattungen zu handeln. Mit geeigneter Software lassen sich die aktuelleren Modelle sogar als universelle Fernbedienung oder Reichweitensensor für den Macintosh zweckentfremden.

Stünden dem nicht horrende Übertragungskosten im Weg, träfe man vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft überall auf der Welt iPod-Besitzer an, die per Bluetooth über ihr Funktelefon Musiktitel direkt vom iTunes Music Store auf die integrierte Festplatte laden. Damit wäre es möglich, selbst vor den Pyramiden in Ägypten stehend, schnell die passende Musik zur majestätischen Kulisse zu erwerben. Oder anstelle des schnöden Tournee-Plakats danach kauft der Musikfan mit iPod noch während des Konzertes jene live gespielten Titel, die ihm am meisten zusagten. Und schon entwickeln sich dank Apple Ansätze für UMTS, das bislang nur ein teures Netz ohne Inhalt war. Fallen pro mobil erworbenen Titel keine Unsummen an, könnte daraus ein Kaufrausch entstehen und ganze Branchen ihre Nähe zum Konsumenten auch in anderen Bereichen unter Beweis stellen.

Telefonie und Macintosh waren jahrelang kaum mehr als ISDN-Lösungen zum direkten Dateiaustausch, meistens im DTP-Umfeld. GSM und UMTS als Protokolle für die weltweite mobile Kommunikation, AirPort fürs lokale Netz und das Internet sowie Bluetooth für den Nahbereich – alles findet seinen Weg zum Mac. Mac OS X in Verbindung mit den Funktechniken WLAN (AirPort) und Bluetooth sind für die Apple-Anwenderschaft selten anzutreffende Begegnungen technologischer Art, die zu perfekten Symbiosen führen. In keinem dieser Bereiche sind neidische Blicke hin zu anderen Plattformen nötig, Apple ist hier zweifelsohne eine der Hauptantriebskräfte.

David Andel