Man spricht deutsh

Apple nachzusagen, die Qualität der deutschen Lokalisierung von Mac OS X samt mitgelieferter Anwendungsvielfalt ist schlecht oder mittelmäßig, wäre Unsinn. Im großen Ganzen ist der Grad sprachlicher Genauigkeit und Verständlichkeit gut, die beauftragten Übersetzer scheinen um Sorgfalt bemüht. Auch hat sich die Lage für Nicht-Angelsachsen im Vergleich zu alten Classic-Zeiten sehr zum Vorteil geändert. Während früher zumindest Wochen, schlimmstenfalls gar Monate vergingen, bis endlich Sprachfassungen fürs „alte Europa“ vorlagen, kommen heutige Updates, Upgrades und Patches meist sofort mehrsprachig. Zwar verharren Inkwell-Schrifterkennung und die Sprachwiedergabe (Vorlesen) noch im Englischen, die Rechtschreibprüfung wurde aber mit 10.2 zum echten Sprachtalent und beherrscht neben den elf mitgelieferten Wörterbüchern sogar einen multilingualen Modus.
Mac OS X ist ein kontinuierlich wachsendes riesiges Softwarepaket, welches von vielen unterschiedlichen Personen gepflegt werden muss. So ist es wenig überraschend, wenn nach jeder gründlichen Überarbeitung etliche Fehlerteufel einziehen, denn eine umfassende Endkontrolle in allen verfügbaren Sprachen wäre kaum durchführbar. Einerseits bedürfte es dazu der Bereitschaft des Herstellers, Vorversionen auch an sprachlich bewanderte Testpersonen auszugeben, andererseits vervielfachte sich der Aufwand infolgedessen, schließlich müssten entdeckte Fehler behoben werden, um wieder in der Endabnahme zu landen – und das in einem Dutzend Sprachen. Dieses logistische Problem führt leider zur sehr schleppenden nachträglichen Behebung vieler kleiner Mängel in der Lokalisierung, die den Betrieb als Ganzes nicht fundamental beeinträchtigen, jedoch immer wieder störend ins Blickfeld des Anwenders rücken. Mittlerweile sieht es aus, als stünden Fehler in der Lokalisierung nur ganz unten auf der Liste zur Behebung in einem der kleinen Updates, denn trotz mehrfacher Reports tut sich nichts.

Mit einem Datum im US-Format in Mail lässt es sich noch leben. Wenn auch nicht gerade elegant, so kann der Mangel immerhin selbst behoben werden. Das fälschliche Löschen des gesamten Ausgangskorbes in der deutschen Lokalisierung von Mail ist jedoch auf Dauer unzumutbar. Die beiden Tipps zur Vermeidung des Datenverlustes aus Apples Knowledge Base Artikel 107284 fallen in die Kategorie übles Flickwerk und verharren dort schon seit November. Weshalb deutsche Anwender von Jaguar bei eingeschalteter Option „Suffix immer anzeigen“ vollständig auf lokalisierte Pfade verzichten müssen, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Kleine GUI-Mängel in der deutschen Fassung sind dagegen eher harmlos – zumindest in Cocoa-Anwendungen können diese bei entsprechendem Geschick per InterfaceBuilder von der Developer Tools CD leicht ausgebügelt werden.

Leider schiebt Apple der Do-It-Yourself-Strategie seiner internationalen Kundschaft immer öfter einen Riegel vor und verkrüppelt die so genannten .nib-Dateien. Dabei wird genau jener Bestandteil entfernt, der die nachträgliche Bearbeitung ermöglicht hätte. Ob Cupertino Kopien seiner Oberflächen oder allzu neugierige Blicke auf womöglich versteckte Optionen fürchtet, bleibt unklar. Dass es auch anders geht, zeigt auf vorbildliche Weise das Beispiel Safari. Nur wenige Wochen nach Erscheinen des kostenlosen Browsers auf KHTML-Basis waren Sprachpakete selbst für die exotischsten Sprachen verfügbar. Neben Deutsch, Französisch, Russisch und neun weiteren Sprachen, kamen auch die katalanisch sprechenden Spanier sowie die Serben zu ihrem Recht.

Da Apple bei der Einbindung der internationalen Vielfalt in Mac OS X auf Outsourcing angewiesen ist, wird die sprachliche Pflege wohl weiterhin stiefmütterlich gehandhabt. Nicht-englische GUI-Mängel fallen dem Hersteller offenkundig nicht deutlich genug auf, während die internationale Anwenderschaft sich Monat für Monat darüber ärgert. Schön wäre es daher, würde Steves Truppe auch in diesem Bereich auf seine Jünger hören, vielleicht sogar nachträgliche Verbesserungen der Lokalisierung infolge einer Begutachtung berücksichtigen, so wie bei der Open-Source-Gemeinde üblich. Natürlich wären dazu komplette, nicht verkrüppelte .nib-Dateien erforderlich.

David Andel