Lost @ the AirPort?

Nein, hier geht es nicht um eine neue TV-Serie mit lauter merkwürdigen Vorkommnissen – diesmal auf einem Flughafen –, sondern um ein zunehmend ärgerliches Phänomen an der Mac-Front. Die Lösung allerdings lässt bemerkenswert lange auf sich warten, was dann doch wiederum irgendwie an den Mystery-Dauerläufer „Lost“ erinnert.
Als vor fast sieben Jahren die ersten Macs mit AirPort-Karten ausgeliefert wurden, funktionierte der drahtlose Weg ins Netz ganz einfach – sehr zur Überraschung übrigens jener PC-Freaks aus der Windows-Welt, die dergleichen noch nie zuvor gesehen hatten und sich erst noch geraume Zeit gedulden mussten, bis auch sie einigermaßen bezahlbar in den Genuss des WLAN kamen. Zwar plagte einzelne Apple-Anwender noch ein Virus namens Mac OS 9, doch stand Mac OS X ja schon in Form von Developer Previews zumindest vor der Tür. Leider funktionierte AirPort erst mit Einführung der ersten offiziellen Version, namentlich Mac OS X 10.0 (Codename Cheetah).

Jahrelang gab es dann nichts von Bedeutung zu vermelden. AirPort wurde irgendwann schneller, sicherer und musikalischer, das nicht kabelgebundene Netz funktionierte einfach, man vergaß es schnell, merkte noch nicht einmal mehr, dass es da war. Schaltete man sein i- oder PowerBook ein, war man ohne jedwedes Kopfzerbrechen wieder im zuletzt verwendeten Netz eingebucht, gleiches galt fürs Beenden des Ruhezustandes.

Mit Einführung der Intel-Hardware jedoch ist diese sorglose Phase ein für allemal Vergangenheit. Apple hat nach dem Prozessorwechsel und etlichen Geburtswehen fast alles wieder im Griff, nur eben nicht AirPort. Der Hersteller scheint komplett überfordert zu sein, die Lösungsansätze betroffener Anwender weisen einen nicht unbeträchtlichen Vodoo-Faktor vor – manchmal hilft ein komplettes Löschen aller Netzwerkumgebungen oder Ausschalten jeglicher Sicherheitsvorkehrungen (die Nachbarn wollen ja schließlich auch mal ins Netz), manch anderes Mal wiederum funktioniert AirPort nur auf einem jungfräulichen System oder durch Downgrade der Version von Mac OS X. Auf jeden Fall kostet der permanente Einsatz des Trial-And-Error-Verfahrens ein beträchtliche Menge Zeit und bringt in nicht seltenen Fällen überhaupt nichts. In den Apple-eigenen Diskussionsforen unter „AirPort & AirPort Express“ häufen sich derweil die immer gleichen Phänomene in immer neuen Darstellungsvarianten, während der von Apple vorgeschlagene Weg zur Lösung auch nicht grundsätzlich zum gewünschten Ergebnis führt.

Mit der Eleganz drahtloser Daten- und Musikübertragung hat dies rein gar nichts mehr zu tun, AirPort wird zunehmend zur Qual, die AirPort-Express-Basis zum Stotterfunk. Oft startet die Funkstrecke mit vollem Empfang, um dann kurze Zeit später komplett zusammenzubrechen, zuweilen klappt auch das Anmelden im Netz rein gar nicht mehr oder aber die Zugriffsrechte vom Schlüsselbund werden so verändert, dass dieser von anderen Anwendungen nicht mehr genutzt werden kann. Last but not least tauchen bei einigen AirPort-Opfern sogar mehrere Einträge für die gleichen Netzwerke im Schlüsselbund auf, einmal in Englisch und einmal in Deutsch. Nein, AirPort macht keinen Spaß mehr, das gute alte Ethernetkabel erlebt schon seine Renaissance, denn es funktioniert wenigstens.

Die Hard- und Software-Updatefrequenz hat seit der Intel-Ära bei Apple deutlich zugenommen. Leider sieht es so aus, als könne der Hersteller seiner Hardware selbst nicht mehr ganz folgen – vielleicht doch zu viel Outsourcing und zu wenige Mitarbeiter in Cupertino, die das noch alles überblicken.

David Andel