There’s a long way to multimedia

Seit dem 12. Oktober 2005 und einem passendem Mac mit Infrarotempfänger können wir in den Genuss einer Vorversion von Apples Multimedia-Vision kommen. So hat man die Wahl, beispielsweise einen Mac mini an ein x-beliebiges TV-Gerät oder einen Projektor anzubinden, respektive gleich den Monitor des Mac zu nutzen, hier wären die 30" des Cinema Display momentan die Obergrenze.
In allen Fällen heißt die mitgelieferte multimediale Steuerungssoftware Front Row. Besagte Anwendung ist durchaus praktisch, kann man doch so – Apple Remote sei Dank – auch vom Sofa aus auf Bilder, Musik und Filme im Mac zugreifen. Leider jedoch stagniert die Entwicklung von Front Row mehr oder weniger vollständig, das letzte Update vom 12. September 2006 galt lediglich einer erhöhten iTunes-Kompatibilität – die letzten Fehlerbereinigungen gab es vor genau einem Jahr. Offenkundig floss sämtliche Energie diesbezüglich in die Entwicklung von Apple TV, während sich der geneigte Mac-Anwender mit dem üblichen Mac OS X schwarz warten darf. Irgendwann in Leopard mag es vielleicht mal Abhilfe geben, bis dahin schert sich Apple allerdings einen feuchten Kehricht um Front Row.

Die Bereitschaft des Mac-Herstellers, auch „zwischen den Versionen“ Hand an die Ausstattungsmerkmale seines Betriebssystems zu legen, ist gleich Null. Und so hat sich zwar in Sachen Aperture etliches getan, so dass sogar ambitionierte Amateure auf diese beeindruckende RAW-Software setzen. Will man jedoch mittels Front Row eine Diaschau starten, dann ist ausschließlich iPhoto angesagt, das alleine zu diesem einen Zweck weiterhin auf der Festplatte verweilen muss. An multimedial veranlagte Fotografen mit höheren Ansprüchen wird einfach nicht gedacht – Leopard wird es schon richten, vielleicht auch nur zusammen mit Aperture 2.0, wer weiß das schon.

Und DVDs oder Musik? Gnade demjenigen, der mehrere Audiosysteme nutzt, um beispielsweise je nach Bedarf zwischen größeren und kleineren Lautsprechersystemen umzuschalten. Soll die DVD übers Mehrkanalsystem laufen, die Musik jedoch stereo vernommen werden, so gibt es unter Mac OS X keinerlei Möglichkeit, dies zu automatisieren. Immerhin kann in den Einstellungen der Anwendung DVD Player die Tonausgabe grundsätzlich über ein bestimmtes Audio-Wiedergabesystem festgelegt werden, was dann auch Front Row respektiert. In Sachen Bildschirmformat stellt sich Front Row jedoch stur und erlaubt keinerlei Formatanpassung des jeweiligen Films an den angebundenen Bildschirm. Zwar kann sich Apples DVD-Player-Software Format- und Equalizer-Einstellungen gar filmabhängig merken, in Front Row hat dies jedoch keinerlei Effekt.

So ist der wesentliche Vorteil von Front Row gegenüber den eigenständigen Anwendungen derzeit nur, dass die spärlichen Möglichkeiten bequem vom Sofa aus genutzt werden können. Von der Bedienung her ist Front Row bestenfalls puristisch, gerade mal den Auswurf des Mediums per Apple Remote beschert uns der multimediale Ansatz Apples zusätzlich.

Auch ist es merkwürdig, dass Front Row erst die träge Standardapplikation (iTunes) aufrufen muss, um auf die Musikbibliothek zugreifen zu können, während dies in Sachen DVDs, eigene Filme und Bilder (DVD Player, iPhoto, iTunes) nicht nötig wird. Ausgerechnet in Zeiten eines fortwährenden technologischen Wandels scheint der Hersteller die Weiterentwicklung seiner Multimedia-Software völlig vergessen zu haben. Daher sollten sich besser auch die Käufer von Mac OS X 10.5 Leopard darauf gefasst machen, erst wieder mit Version 10.6 im Jahre 2009 neue Ausstattungsmerkmale zu erhalten …

David Andel