Ich kann Dir nicht geben, was Du von mir erwartest!

MacBooks sind wie Elefanten – schön anzusehen, doch man möchte keine besitzen (frei nach W. C. Fields). Auch wenn der notorische Sexist Fields sich hier keineswegs auf MacBook-Pro-Modelle bezog, sondern auf Frauen, so fallen doch die Gemeinsamkeiten auf. Das 15" MacBook Pro ist ein schönes Gerät, das rein von den technischen Daten her für eine ganze Menge Erleichterung im Leben sorgen könnte. Es ersetzt trotz seiner geringen Größe fast einen ausgewachsenen G5 und kann sogar noch ein 30"-Cinema-Display mit Inhalten versorgen, ohne dabei allerdings neun Lüfter und eine Flüssigkeitskühlung zu benötigen.


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Doch so perfekt wie angenommen ist der tragbare Macintosh bei weitem nicht. Die beiden Intel-Herzen in seiner Brust schlagen derart heftig, dass bei einigen Anwendern keine rechte Zufriedenheit aufkommen mag. Läuft ein Programm mal Amok, dann schnellt die Temperaturanzeige auf beachtliche 90 °C hoch, während die beiden Lüfter das ansonsten recht leise Notebook zum brüllenden Staubsauger im Flachformat werden lassen.

Es scheint, wer ein MacBook Pro hat, der benötigt kein anderes Hobby mehr, wie sich seit dem März unschwer zahlreichen Foren entnehmen lässt. Seit Verfügbarkeit des Gerätes gibt es Woche für Woche neue Hiobsbotschaften. Eine jüngere ist das SMC-Firmware-Update 1.0, welches aus heiterem Himmel den Verbleib des Akkus im MacBook Pro erfordert, will man nicht die Hälfte der Taktfrequenz verlieren. Das ist bei einem beispielsweise vorwiegend am Netz betriebenen Gerät Unfug und geht durch die übermäßige Hitze sehr zu Lasten der teuren Energiezellen, die beim MacBook Pro wiederum sehr anfällig für solche Hitzestaus sind.

Aber auch die Portierung von Mac OS X auf die neue Intel-Hardware ist so perfekt noch nicht vollendet, kommen doch völlig neue Hardwarekomponenten zum Einsatz. Wer verschiedene Netzwerkumgebungen betreibt, kann womöglich ein Lied davon singen. So schlugen alle bislang bekannten Ansätze beim Verfasser dieses Beitrages fehl, dem Gerät über seine Vergesslichkeit hinsichtlich des letzten AirPort-Netzwerks zu helfen. Das MacBook Pro möchte grundsätzlich ganz genau gesagt bekommen, mit wem es sich zu verbinden hat – jedes zweite Mal zudem manuell aufs Neue eingetippt. Und wenn eine am externen Cinema Display montierte iSight mir nichts Dir nichts nur noch die Farbe Grün darstellt oder sich aber DVDs ums Verplatzen nicht mehr mounten lassen, dann wird es schwierig, noch miteinander auszukommen – kleinere Mängel, wie eine hakende Kommataste beispielsweise, mal außen vor gelassen.

Angefangen hatte es im März mit relativ harmlosen zirpenden oder „muhenden“ Geräuschen, gefolgt von klirrenden rechten Lautsprechern, psychedelischen Bildschirm-Darstellungsfehlern oder gleich dem zeitweisen kompletten Ausfall der Stromzufuhr im Akkubetrieb – das alles ist natürlich nicht behoben. Das MacBook Pro mit 15"-Display dürfte damit zum führenden Modell in Sachen Unzuverlässigkeit bei Apple werden – ein alltagstauglicher Nachfolger lässt noch auf sich warten.

Das ehemals sehnlichst erwartete Gerät wird mit jedem Monat mehr zur Primadonna und damit Spaßbremse. Böse Erinnerungen an den störrischen Supercomputer H. A. L. in Stanley Kubricks „2001 – A Space Odyssey“ werden wach. Für einen an sich gefühllosen Rechenknecht ungewöhnlich egoistisch, verlogen und abgebrüht, brachte dieser der Reihe nach die Crew eines Raumschiffs um und verweigerte sich dem letzten Überlebenden schließlich mit dem Satz: „I’m sorry Dave, I cannot do that for you!“ …

David Andel