Jahr des Hub

Die Vorzeichen stehen gut. Im Gegensatz zu Sony hat Apple keinen Musikverlag-Klotz am Bein, der die Hardware der Japaner seit Jahren mit einem meist rigiden Kopierschutz immer genau dort lahmen lässt, wo die Interessen der Kundschaft am größten sind. Apple ist es nicht nur verboten, überhaupt auf solche Gedanken zu kommen, die Strafe wäre zudem ein Verlust der Identität. Einer millionenschweren Einigung mit dem Plattenlabel „Apple Records“ der legendären Beatles zufolge muss Apple (der Computerhersteller) nämlich auf Gedeih und Verderb seine Finger aus allem heraushalten, was nach Musikindustrie klingt. Ärger gab es deswegen schon, als Cupertino seinen Maschinen die Fähigkeit zum Musizieren beibrachte. Was ehemals wie ein Nachteil geklungen haben mag, scheint heute ein Segen zu sein. Denn die Musikindustrie ist erstes und prominentestes Opfer der Informationsgesellschaft, kann sich nur noch mit Anwälten und überwiegend verbraucherfeindlichen Maßnahmen über Wasser halten.
Ironie des Schicksals, scheint auf diese Weise doch die größtmögliche Ferne zur Musikindustrie gewährleistet. Trotzdem existiert an Musikhardware aus der Reihe „Digital Hub“ bislang nur ein einziges Gerät, der iPod. Kaum zu glauben, wie wenig es ist und wie oft darüber geredet wird. Die Frage nach einer neuen Hardware als Schnittstelle zwischen Stereoanlage und Macintosh stellt sich somit zwangsläufig. Nur, was sollte das werden? Eine Musicbox, ähnlich dem „streamenden“ SliMP3 Ethernet MP3 Player der kalifornischen Firma Slim Devices, wäre gar nicht mal so unglaubwürdig. Das 249 US-Dollar teure Gerät arbeitet schon jetzt problemlos mit iTunes zusammen, erhielte von Apple womöglich noch einen FireWire-Anschluss sowie eine AirPort-Karte dazu und könnte mit komfortabler Software ein Verkaufsschlager werden.

Trotz deren extravaganten Designs kann Apple auch mögliche Mitbewerber wie den im dänischen Struer ansässigen Hersteller Bang & Olufsen getrost hinter sich lassen. Denn B&O setzt entgegen aller gestalterischen Avantgarde einerseits ausschließlich auf die Windows-Masse, wenn es um die Kommunikation mit dem PC geht und andererseits auf selten überzeugende technische Ansätze mit einem fast marktfeindlichen Kostenfaktor. Alleine der Vergleich zwischen den MP3-Playern BeoSound2 und iPod ist vielsagend und kürt die Apple-Entwicklung als schnellen Sieger. Die Marktnische für Apple scheint also gefunden. Die Fähigkeit, Multimedia und Informatik perfekt zu integrieren und zu verpacken, wird von der Möglichkeit ergänzt, neue Technologien in einen stagnierenden Markt einzuführen, denn an Ideenarmut sind Hersteller von Unterhaltungselektronik kaum zu unterbieten. Die Mehrzahl der beispielsweise heute gefertigten Lautsprecher basiert auf Vorkriegstechnologie. Innovationen aus den Achtzigern, in denen mit Plasma-, und Bändchenhochtönern sowie Wabenscheiben-Flachmembranen als Tieftöner experimentiert wurde, sind längst vergessen.

Wer angesichts der um und bei Apple zunehmenden Lösungen für Videoprofis auf etwas wie einen digitalen Videorecorder hofft, dürfte hingegen enttäuscht werden. Hier ist die Vielfalt internationaler Normen bei der Empfangstechnik einfach zu groß für einen auf diesem Gebiet doch recht unerfahrenen Hersteller. Besagtes Tätigkeitsgebiet dient bevorzugt lokal operierenden Hard- und Software-Herstellern und muss nicht unbedingt mit einer iApp oder iHardware von Apple einverleibt werden. Allerdings wäre etwas frischer Wind längst überfällig, denn die Zahl attraktiver Lösungen für PC-Hardware ist ärgerlich und ein unschöner Makel am Digital Hub.

Um sich die Freude nicht zu verderben, scheint es vorerst besser, die Erwartungen nicht allzu hoch zu schrauben. Wird die Konsumfreude weiterhin von Kriegs- und Terrorängsten zweifelhafter Herkunft aufs Spiel gesetzt, könnte eine neu lancierte und schleppend über den Ladentisch gehende Hub-Hardware für Apple sehr unangenehm werden. So prognostizieren die üblichen gut informierten Kreise denn als erstes auch keine Hub-Hardware, sondern eine Hub-Software als Sprach- und Video-Erweiterung für iChat. Ein solches Produkt würde jeder gutheißen, denn noch gibt es nichts dergleichen für den Macintosh, was einigermaßen leicht zu bedienen ist oder gefällt. Um jeden Fehlstart schon im Vorfeld zu vermeiden, sollten alle Gedanken an eine Zwangskoppelung zu .Mac jedoch besser aufgegeben werden.

David Andel