We don't talk about future products

Der Satz, der in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli in den weltweiten Apple Stores auftauchte, kündigte entweder eine Revolution oder einen gewaltigen Logistik-Patzer an: „Apple has stopped taking orders for the current iMac as we begin the transition from the current iMac line to an all-new iMac line which will be announced and available in September.“ – was schlimmstenfalls heißen könnte, wie „zur WWDC hatten wir noch nichts vorzuweisen, unser Lager an alten Geräten ist aber leer.“
Seit der Integration von NeXT in das Unternehmen Ende 1996 und der damit ausgelösten Einkehr des ehemaligen Gründers und heutigen iCEO in das Unternehmen hat Apple eine herausragende Strategie vorzuweisen: Kundenstamm und Kundenpotenzial in absoluter Ungewissheit zu lassen. Das führt zu teilweise absurden Situationen, insbesondere dann, wenn die Erwartungshaltung nach monatelanger Produkt-Ebbe einem bis zum Bersten unter Druck stehenden Vulkan gleicht, dann jedoch gerade mal ein geblümter iMac, verkleinerter iPod oder ein Musizierprogramm zu Tage tritt. Oder aber das lang erwartete neue Produkt ist zwar in vielerlei Hinsicht gelungen, wurde aber gänzlich am Markt vorbei konstruiert, was zuletzt beim iMac mit Flachbildschirm der Fall war.

Und gerade diesem schönen Ladenhüter geht es nun auf eine Weise an den Kragen, die für Apple seit über einem Jahrfünft beispiellos ist. Es wurde nicht etwa das Ereignis der WWDC genutzt, um den neuen Einstiegs-Macintosh vorzustellen, nicht etwa die Jobs’sche Keynote per weltweiter Live-Übertragung als Botschaft an die Welt gerichtet, der neue iMac käme bald. Nein, es wird im Apple Store darauf hingewiesen, dass es nichts mehr zu verkaufen gibt und der geneigte Kunde sich doch bitte gedulden möge, bis Apple gewillt ist, anzukündigen, was dann gleich auch kommen mag. Damit wäre der Satz „We don't talk about future products“ (Wir sprechen nicht über künftige Produkte) in eine neue Variante überführt worden, die in etwa in „Wir sprechen über neue Produkte, sagen aber nicht, wie sie sein werden“.

Aha, es wird also einen neuen iMac geben, der Markt soll jedoch immer noch kalt erwischt werden. Diese Taktik ist entweder zum Erfolg verdammt, nämlich wenn das neue Gerät alle Erwartungen übertrifft – oder aber sie wird ein absoluter Schuss in den Ofen, wenn das Gerät abermals im Wolkenkuckucksheim ersonnen wurde, also ein geschlossenes System in klinischem Weiß zu einem hohen Preis würde. Auch nach den unlängst erschienenen neuen Cinema-Displays ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass Jonathan Ives noch für einen gestalterischen Paukenschlag gut wäre. Eher dürfte der neue iMac weniger extravagant und damit bodenständiger werden als das alte Modell. Farblich dürfte er wiederum alles andere als Schwarz sein, der spekulative Rest fällt ins Ressort von AppleInsider.com, Thinksecret.com & Co.

Und jene Gerüchteküchen haben wie schon öfters zuvor nämlich allesamt recht. Die einen, die einen neuen iMac zur WWDC ankündigten, sind der Auffassung, richtig gelegen zu haben, weil die Produktion des neuen iMac sich offenkundig so verzögerte, dass sogar besagter Hinweis auf den offiziellen Seiten erforderlich wurde. Die anderen beharren auf ihrem Standpunkt, recht behalten zu haben, dass zur WWDC kein neuer iMac angekündigt werden sollte.

„Der iMac ist tot, lang lebe der Cube“, mag sich mancher wünschen. Ob die Konstruktion eines schweigenden Würfels aber für einen Prozessor wie den G5 überhaupt geeignet ist, darf bezweifelt werden. Und noch einen iMac oder Cube G4 will nicht unbedingt wer haben.

Wie dem auch sei, der waghalsig bis stümperhafte Schritt zum Bekenntnis eines Modellwechsels könnte für Cupertino zur interessanten Erfahrung werden, die nächsten beiden Monate werden für Gerüchte-Abhängige mit zu den heißesten seit langem werden – sogar dann, sollte dieser Sommer ein verregneter werden.

David Andel