.Mac – Spaßgesellschaft ohne Kostenloskultur?

Jeder von uns hatte es, viele sogar mehrere davon. Es war virtueller Disketten-Ersatz für den schnellen Tausch mittlerer Datenmengen oder der einfachste Weg, Informationen zu veröffentlichen. Ob es Fotos vom Ereignis des Jahres oder dem letzten Besäufnis waren, alles fand seinen Weg dorthin. In der Grauzone gab es Musik und Software, beides ursprünglich zum Verkauf gedacht. Auch nutzten viele Kleinunternehmer gerne die Gelegenheit, Kosten für hohe Datenvolumen zu sparen und boten ihre Produkte auf diesem Wege feil.
Apple hat seit Jahren Volumen und Speicherkapazität verschenkt, verspürt dies jetzt als Kostenfaktor zunehmend störend. Das dürfte erklären, weshalb Downloads seit einigen Monaten gedrosselt wurden und .Mac sich bis heute sprachlich nur an Angelsachsen und Japaner richtet. „Aufstieg kommt vor dem Fall“ ist die Umschreibung für das, was sich seit letztem Jahr an den Börsen der Welt tut, Panik die Reaktion. Mit aller Gewalt sollen ab sofort Einnahmen mit allem generiert werden. Und dieser zündende Funke scheint allen Vorständen dieser Welt zur gleichen Zeit gekommen zu sein. Ein deutlich sparsamer gewordener Verbraucher wird dabei mit einer Fülle von Inhalten und Dienstleistungen konfrontiert, die er eigentlich überhaupt nie wollte. Leider fällt .Mac genau in diese Entwicklung und könnte auch genau daran scheitern.

Fatal an dieser Lage ist der auf Cupertino lastende Zwang, den nicht gerade bescheidenen Jahresbeitrag rechtfertigen zu müssen – drei Utilities für 100 Euro sind kein Schnäppchen. Und sollte dieser Zwang dann die Vollständigkeit des ebenso nicht gerade billigen Mac OS X Jaguar beeinträchtigen, könnte dieser Schuss schnell nach hinten losgehen. Schon jetzt ist rätselhaft, weshalb eine Backup-Software, die auch lokal Daten sichern kann, dies ohne .Mac-Account verweigert, also mit Gewalt verkrüppelt wurde. Falls Kunden nicht in Massen zu .Mac strömen, wie sieht Mac OS X dann in Zukunft aus? iCal nur mit .Mac, iChat nur mit .Mac, iPhoto nur mit .Mac, iSync nur mit .Mac, iTunes nur mit .Mac, iMovie nur mit .Mac, Rendezvous nur mit .Mac und Sherlock nur mit .Mac? Hoffentlich nicht – der Bogen wäre schnell überspannt.

Als sich Larry Ellison vor fünf Jahren die Schnapsidee vom Netzcomputer leistete, schüttelte jeder Mensch von Vernunft heftig den Kopf, inklusive der beiden älteren Herren beim WDR-Computerclub. Die Bereitschaft, private Daten in irgendwelche fremden Systeme auszulagern, sie dort sogar verarbeiten zu lassen, besteht heute noch weniger als damals. Der Gedanke an „My home is my castle“ lässt uns Firewalls errichten, verschlüsselte E-Mails versenden, Festplatten mit riesigen Kapazitäten und Prozessoren mit enormen Leistungen nutzen. Für eine Auslagerung gibt es so gut wie keinen Bedarf und falls doch, dann ist der eigene Provider näher als der Hersteller der verwendeten Hardware. Ellison ist einer von sieben Direktoren im Vorstand von Apple. Sollte uns das zu denken geben? Soll .Mac Reinkarnation der Totgeburt Netzcomputer werden und als Lizenz zum Gelddrucken dienen? Das wäre eine selten dumme Idee und dem Erfolg wie dem Image von Mac OS X alles andere als zuträglich.

Nutzer eines besonderen Computers verdienen einen besonderen Service. iTools war arriviertes Werbegeschenk im Sinne der Kundenbindung, .Mac hingegen wirkt wie eine Geschwulst, deren Gut- oder Bösartigkeit noch nicht festgestellt ist. Die ersten Zeichen sind negativ, der Preis ist zu hoch, der Nutzen zu gering und fraglich, die Konkurrenz zu vielfältig und billig. Welche Daten einer 160-GB-Festplatte sollen ferngesichert werden und warum gerade auf die iDisk? Welche Viren bedrohen Mac OS X konkret genug, um den Einsatz einer Software dagegen zu rechtfertigen? Und wieso beseitigt Apple diese vermeintliche Gefahr nicht schon bei der Konzeption von Mac OS X?

iTools hätte leicht an die Seriennummer eines Macintosh gebunden werden können, um Missbräuche wie die mehrfache Einrichtung zu vermeiden und damit Kosten zu senken. Das jetzige Konzept steht für einen Abstrich beim Service, der außerhalb Japans ohnehin zu gering ist. Der unternehmerische Drang, die Kundschaft auch nach dem Kauf weiter melken zu wollen, ist nervtötend. Nichts hilft mehr gegen fallende Kurse, keine Branche bleibt verschont. Wenn wir alle unser Geld zusammenhalten wollen, dann gilt das auch für .Mac. Schon jetzt scheint zumindest eine Preissenkung unausweichlich und auf eine als „Tendenz“ erkannte Einstellung kostenloser wird eine reihenweise Einstellung kostenpflichtiger Dienste folgen.

David Andel