Der Dollar, der ein Euro war

Es war einmal ein großer Dollar, der wurde immer kleiner – oder aber, es war einmal ein kleiner Euro, der wurde immer größer. Naja, jeder weiß, worum es geht, denkt er an den US-Dollar und den uns Europäern vertrauten Euro. Der eine sackte fast bodenlos ab, der andere wurde immer teurer. Und so ist es wenig verwunderlich, dass US-Produkte fortwährend günstiger werden, während Exportgüter europäischer Herkunft schwere Absatzprobleme haben. Knapp anderthalb US-Dollar erhält der Tauschwillige für seinen Euro – so er ihn hergeben mag, während es 2003 noch eine Pattsituation war. Kurz nach der Jahrtausendwende stellte der US-Dollar sogar vereinzelt die stärkere Währung.
Wie schön, dass Apple sich da unverändert als Unternehmen der USA versteht, denn „Designed by Apple in California“ würde herrlich mit „Payed by customers in Euro“ harmonieren. Das derzeit in den USA für 229 US-Dollar zu erwerbende Apple TV würde uns zuzüglich deutscher Mehrwertsteuer umgerechnet gerade einmal 186 Euro kosten, das neue MacBook Air käme in der Grundausstattung auf 1463 Euro und würde plötzlich richtig attraktiv. Stattdessen jedoch veranschlagen Apple TV 299 Euro und das MacBook Air 1699 Euro, im Falle des TV-Beistellers wäre dies ein Mehrpreis von 60 Prozent, bei der Mac-Flunder immer noch der alte deutsche Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent zuzüglich für den offenkundig als sehr spendierfreudig eingeschätzten Europäer. Wären es in den USA hergestellte Geräte, ja dann ließe sich eine solche Kalkulation noch nachvollziehen. Da ein im Apple Store geordertes Apple-Produkt mittlerweile aber direkt aus dem Herstellungsland China eingeflogen wird, stinkt dieser Umrechnungsfaktor zum Himmel, zumal er auch noch in allen Euro-Ländern über den Kamm geschert wird, gleichgültig wie hoch dort der Absatz oder die Mehrwertsteuer tatsächlich ist.

Gerade in Zeiten eines zwangsglobalisierten Einkaufsvergnügens stößt es übel auf, dass einzelne Hersteller konsequent bestimmte Märkte bevorzugt behandeln und einem dies dann auch noch derart sichtbar unter die Nase gerieben wird. Die USA konsumieren lockerer, ergo ist alles viel billiger. Die Europäer kaufen anspruchsvoller, also versucht man es gar nicht erst über den Preis. So ist es selbstredend auch wenig überraschend, dass gewisse Produkte europäischer Herkunft in den USA billiger sind als in Europa. Und genau das wird dann sogar zum umgekehrten Kapitalismus: der Verkauf möglichst teurer Produkte in möglichst geringer Zahl. Wenig verwunderlich daher für Hinterwäldler aus Absurdistan, dass USA-Reisende unter uns zu iPhone- und iPod-Importeuren werden und europäische Händler so um ihren Umsatz bringen – allenfalls reparieren dürfen sie noch die eingeschleppten Elektronikprodukte. Warum ein internationaler Konzern mit eigenen Vertriebswegen wie Apple diese absonderliche Strategie mitverfolgt, bleibt schleierhaft. Dass es anders geht, zeigt mit leuchtendem Beispiel ein schwedisches Möbelhaus, welches mittlerweile bis auf wenige Ausnahmen vom Nordpol bis zum Südpol fast überall die gleichen Preise verlangt – das war mal anders. Nur wenige Produkte scheren aus, der Kunde bekommt das Gefühl, er wird an gleich welchem Ort auf der Welt gleichberechtigt behandelt.

Der Mac-Hersteller jedoch lernt es nicht. Er hält seine Haus- und auch seine Entwicklermesse unverändert in den USA ab, vernachlässigt die regionalen Veranstaltungen in Köln, London sowie Paris zunehmend und startet auch noch jeden einzelnen neuen Dienst zunächst grundsätzlich in seinem Heimatland. Als ginge ihn der „Rest der Welt“ nichts an, als wäre es nicht an der Zeit, auch in unseren Gefilden endlich mit niedrigeren Preisen und mehr Werbemaßnahmen für höhere Absätze zu sorgen, während gleichzeitig vor der eigenen Tür das ausbleibende Wirtschaftswachstum dem Namen Rezession gerecht zu werden droht.

Aber bei Apple wurde der Euro zum Dollar, basta. Macht ja nix, das sind einem die Umlaute auf der Tastatur doch allemal wert …

David Andel