Wer zu früh kommt, den bestraft die Presse

Am 7. November überraschte uns der viel gelesene Online-Nachrichtendienst eines großen IT-Verlages mit der Meldung „Wissenschaftler nutzt Handy als Fernbedienung“, seltsamerweise nachdem die exakt gleiche Informationsquelle uns schon am 26. Juni darauf verwiesen hatte, dass eine Anwendung namens Salling Clicker dies längst vollbracht hat, allerdings war das im Jahr 2003. Da stellt sich dann unweigerlich die Frage, was die Schlagzeile mit dem eher wenig findigen Wissenschaftler überhaupt noch soll.


Bild: Tobias Lidskog
Schon kurz zuvor wies uns die populistische Internet-Variante eines nicht minder großen Nachrichtenmagazins darauf hin, dass nun gar die PC-Kontrolle via Bluetooth möglich wäre. Dem gingen die Meldungen einiger weiterer Info-Dienste unterschiedlichster Art voraus respektive folgten (etwa ein dpa-Artikel, der zu einer sehr breiten Streuung führte). Abermals wäre es interessant zu erfahren gewesen, ob das vom Macintosh verwandte Bluetooth vielleicht kein echtes war oder ein Mac womöglich nicht zwangsläufig zur Kategorie der Computer respektive PCs gehört. Letzteres würde uns sehr freuen, entfiele dann doch schließlich die angekündigte GEZ-Pflicht für unsere Rechenknechte der besonderen Art.

An sich völlig gleichgültig, wenn es unter Windows mittlerweile etwas auch gibt, was für Anwender von Mac OS X fast schon langweilig geworden ist. Skurril wird dies aber in Kombination mit einigen anderen Beiträgen in diversen „Nicht-Mac“-Medien, inklusive solcher in ansonsten recht fundiert berichtenden Blättern. Spätestens die konsequente Missachtung von Apple-Marken lässt auf eine seltsame Skepsis gegenüber dem Hersteller aus Cupertino schließen. Während sich wohl niemand veranlasst sähe, besserwisserisch Kaffee H-AG („HAG“ steht hier nämlich für eine „Handels-Aktiengesellschaft“) oder aber AG-ö-r-RA-D (immerhin ist die „ARD“ tatsächlich eine „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands“) zu schreiben, lesen wir in schöner Regelmäßigkeit die Wortkreationen I-Mac, I-Tunes oder I-Pod, denn es gehört sich ja so, wenn man nach unendlich aufwändiger Recherche erst einmal erfahren hat, dass das „I“ für Internet steht. Der Bindestrich unterstreicht dann nur konsequent das hohe Maß an Weisheit des jeweiligen Verfassers oder zumindest das Eigenleben seiner Korrekturhilfe.

Fast sieht es so aus, als hätten sich manche Kollegen unlängst dazu entschlossen, das schnöde Apple-Bashing zu beenden und sich stattdessen auf den Bereich der psychologischen Kriegsführung zu konzentrieren (Zitat aus einem Artikel über AirPort Express: „so freuen sich die daneben liegenden restlichen Steckdosen des 230-V-Verteilers bestimmt schon darauf, die Stereoanlage in die Luft zu jagen, falls der Kontakt suchende Stecker sich nun ungeschickterweise zu ihnen verirren sollte“). Ab einer bestimmten Größe oder nicht mehr zu verleugnenden Popularität lohnen sich konsequente verbale Demontageversuche einfach nicht mehr so. Kaum jemand würde schließlich sagen: „Ich gebe Microsoft noch drei Monate“. Also muss der Frust auf andere Weise raus, eher schleichend-subtil und oft auffällig einfältig.

Es gäbe gewiss genügend Themen, die für jene eklektizistischeren Medien besser geeignet wären als das Dilettieren rund um den Bereich IT-Innovationen und Apple: Pamphlete wider den ewig verfressenen Gierschlund GEZ, die konsequente Einschränkung bürgerlicher Rechte und Freiheiten oder auch nur die grenzenlos überflüssige Sommerzeit böten sich da an. Rumhacken auf solchen Bereichen und das auch noch ohne Ende brächte uns allen nämlich etwas. Apple hingegen ist nur eine mehr oder weniger harm- und belanglose Firma, die die Dinge, die sie herstellt, nicht ganz so offenkundig banal wie manch andere umsetzen will. Unternehmen jenes Schlages gibt es ohnehin schon viel zu wenige, das unterschwellige Nörgeln braucht kein Mensch.

Vor Augen führt uns das auf vorbildliche Weise, wie Nachrichten entstehen. Garantiert ist die Welt anders als die Darstellung in der Zeitung oder im Fernsehen (auch in dem, das vorgibt, einen Auftrag zu haben). Garantiert haben viele Länder längst Errungenschaften eingeführt oder abgeschafft, die hierzulande als die eine große Revolution angepriesen oder als Teufelswerk verabscheut werden. Und zweifelsfrei kann es in einer Zeit voller Lug und Trug niemals schaden, sich über alles ein eigenes Urteil zu bilden.

David Andel