BeoLab 5 (David Lewis)

Was muss wohl in Bang & Olufsen gefahren sein, als vor über einem Jahrfünft der Gedanke zur Konstruktion eines solch extremen Lautsprechers aufkam? Vielleicht „Wir stecken alles Know How in ein raketenförmiges Gehäuse und hoffen dann auf zahlende Kundschaft …“? Wie dem auch sei, beim BeoLab 5 war nicht etwa die Form der Konstruktionsmaßstab, sondern die Funktion. Ein System „akustischer Linsen“ sorgt dafür, dass der ideale Hörbereich wesentlich vergrößert werden konnte und die Aufstellung der Lautsprecher somit fast nebensächlich wird. Dieses ungewöhnliche Konstruktionsprinzip von Manny LaCarrubba, Geschäftsführer der US-Firma Sausalito Audio Works, nutzt B&O in Lizenz und kombiniert dies mit der „D-Klasse“-Verstärkereigenentwicklung ICEpower. Heraus kommt dabei ein Produkt der Superlative mit absolut unverwechselbarem Aussehen und extremer Leistungsfähigkeit.


Bild: David Andel
Design
An den BeoLab 5 erfreut man sich zumindest viele Jahre, wenn nicht gar jahrzehntelang. Sinnbildlich gesprochen geht es hier um das Überspringen einer Hürde, wobei nicht etwa jene des beträchtlichen Geldwiderstandes, sondern vor allem die der erreichten akustischen Dimension gemeint ist. Zunächst einmal nämlich sind die BeoLab 5 nicht wie manche der bisherigen Lautsprecher aus Struer völlig kompromisslose Umsetzungen ziemlich extravaganter Konzepte. Zwar werden noch herkömmliche Treiber verwendet, sonst jedoch hat man alles anders gemacht. Die Verwendung konventioneller Treiber spielt bei der Ausarbeitung des Gesamtkonzeptes eine wichtige Rolle, ist diese doch das bewährteste und klanglich perfektionierteste technische Verfahren, Musik wiederzugeben – ganz gleich, was man in den letzten Jahrzehnten so alles entwickelt hat, es klang selten völlig überzeugend und war technisch ebenso selten zu bändigen. Die BeoLab 5 vertrauen also dort auf Bewährtes, wo es nicht nachteilig ist und setzen in jenen Bereichen auf Revolutionäres, wo es tatsächlich zur Besserung führt.

Das technische und ästhetische Design der B&O-Geräte ist bei weitem durchdachter und robuster als das sämtlicher Konkurrenten, auch von Apple. Zu fast jedem Gerät des Herstellers gibt es einen ausgesprochen langen Entwicklungsprozess zu berichten, was man oft im redaktionellen Teil der jährlich erscheinenden Kataloge ausführlich nachlesen kann (die Hälfte des Kataloges wird durch Umdrehen zum Magazin).

Was auch immer Bang & Olufsen aber dazu veranlasst hat, seine Produktpalette nun auch in Gold und Weiß anzubieten – es ist und bleibt ein völliger Reinfall. Die kühle Sachlichkeit vergangener Tage wurde wohl dem ewigen Minderwertigkeitskomplex einer neureichen Unterschicht geopfert. Die nun auch in Gold angebotenen TV-Geräte scheinen für Bordelle oder die Ruhesitze osteuropäischer Diktatoren konzipiert zu sein, was ein einziges Drama darstellt. Und fades Weiß als Alternative zu Schwarz geht eindeutig zu Lasten der ästhetischen Unbelehrbarkeit Apples und zerstört die bisherige Stilsicherheit der Dänen in nicht unbeträchtlichem Maße.

Verarbeitung
In Sachen Verpackung kann Bang & Olufsen von Apple noch etwas lernen. Nicht selten sind die teuersten B&O-Produkte eher lieblos in ganz gewöhnlichem braunen Karton verpackt, nur ab und zu gibt man sich mal etwas mehr Mühe, beispielsweise beim Schlüsselanhänger mit integrierter Fernbedienung „Keyring“ A9 oder beim Stereo-Earset 3. Der Hersteller geht sichtlich von nur einer Art Kunde aus, nämlich der, die selbst keinen eigenen Finger rührt und sich die neu bestellten Geräte vor Ort installieren lässt, wozu auch die Montage von TV-Geräten an Wänden sowie das unsichtbare Verlegen von Kabeln gehört – hier dürfte auch das eigentliche Haupteinnahmefeld so manches Händlers liegen.

Kauf
Der Neukauf eines BeoLab 5 erfolgt ausschließlich im dafür autorisierten Fachhandel. Das heißt nicht etwa, dass dieser Fachhandel auch andere Marken anbieten dürfte, sondern bedeutet vor allem, dass es vom Hersteller Bang & Olufsen ausgewählte Franchising-Partner sind, die sich dem Verkauf nur dieser einen Marke widmen. Dabei ist die sehr große Bandbreite von Aufmachung der Läden und Kompetenz deren Mitarbeiter auffällig. So sind mehr oder weniger alle Varianten anzutreffen, vom B&O-Fan, der zum Ladenbesitzer wurde und als einziger Mitarbeiter einer eher kleinen Ladenfläche sein gesamtes Herzblut investiert, damit die Anwenderschaft des dänischen Herstellers wenigstens ein bisschen wächst bis hin zur Filiale eines Gesamtsortiment-Anbieters, die sich jedoch ein separat vom Massenmarkt abgesondertes B&O-Segment leistet, nicht selten unter einer teuren Adresse in einer nicht minder teuren Aufmachung.

Das Design der Läden entspricht in kaum einem Fall dem, was man von üblichen Verkaufsflächen gewohnt ist. Besonders weit entfernt ist man von den so genannten Kistenschiebern wie etwa dem Media Markt. Ein B&O-Geschäft ist fast immer leer, selbst in Großstädten wie Brüssel oder London. Das kann auch einschüchternd sein, besonders dann, wenn man nur mal „so schauen“ möchte, denn das kann man gerade in dieser Art Geschäft eher nicht. Immer ist die Beratung in der Nähe, was aber nicht immer gewünscht wird. Auch ist die absolute Monokultur der Läden so manches Mal ein Ärgernis. So hat man zwar mittlerweile akzeptiert, dass iPhone und iPod auch mit noch so ignorantem Elitismus nicht mehr aus der Welt zu eliminieren sind und bietet sogar passendes Zubehör dafür an (vom Headset bis zur Ladestation), die technischen Details kennt der Fachhändler jedoch nur selten bzw. will sie nicht nennen. Welches Plasma-Panel genau wird im BeoVision 9 verbaut, was kann die aktuellere Softwareversion 3.00a des BeoLab 5 im Vergleich zu den älteren Varianten 2.61a und 2.6 oder handelt es sich beim Synchronisierungskabel mit der Artikelnummer 6270901 um ein gewöhnliches Stereo-Miniklinkenkabel? All das sind Fragen deren Beantwortung man allenfalls im BeoWorld-Forum erwarten kann, nicht jedoch in den B&O-Geschäften.

Service
Er ist ausgezeichnet, wenn man einen ausgezeichneten Händler gefunden hat. Er ist schlecht, wenn der Händler außer verkaufen nicht viel im Sinn hat – so in etwa lässt sich das Thema Service in Sachen Bang & Olufsen zusammenfassen. Der Hersteller selbst wäscht generell seine Hände in Unschuld und wälzt alle Kundenprobleme auf den Händler ab, was bei einem Zerwürfnis mit dem Händler natürlich ziemlich negative Konsequenzen haben kann.

Größtes Problem aber ist ein Umzug. Wenn der allerbeste Händler denn in einer ganz anderen Stadt oder gar in einem anderen Land ist, man selbst aber zwischenzeitlich das Weite gesucht hat, kann man auf besonderen Service nicht mehr zählen. Der Händler im Land A hat mit dem Händler im Land B herzlich wenig zu tun und kann auch nicht damit rechnen, dass man sich die gesamte teure AV-Ausrüstung in der neuen Heimat gerade noch einmal kaufen würde. Ergo ist man für einen anderen Händler an einem anderen Ort erst einmal ein unbeschriebenes Blatt, wohingegen das B&O-Geschäft, in welchem man ehemals seine BeoLab 5 gekauft hat, einen natürlich in guter Erinnerung behält und einem auch immer mal wieder Entgegenkommen zeigt, wozu man sonst eigentlich gar nicht nicht verpflichtet wäre. Auch erhält man unregelmäßig Einladungen zu besonderen Ereignissen sehr unterschiedlicher Art, auch Weinproben und individuelle Geldanlagen privater Bankhäuser gehören dazu. Das alles hört am neuen Wohnort schlagartig auf, auch wenn man auf den WWW-Seiten des Herstellers brav seine neue Anschrift angibt – man existiert folglich nicht mehr.

Die WWW-Seite hinkte bereits wiederholt den eigenen Produkten hinterher. So fand sich beispielsweise jahrelang nur eine veraltete PDF-Version der BeoLab-5-Bedienungsanleitung online, die kein Wort vom PIN-Code-System enthielt. Wer also jemals von zuhause telefonisch dazu befragt wurde, wie nach einem Stromausfall denn nun vorzugehen wäre, musste sich den Prozess schon per Auswendiglernen verinnerlicht oder seine gedruckte Bedienungsanleitung dabei haben. Das herstellereigene Forum spart man sich mittlerweile, zumal sowieso fast immer auf die Händler verweisen wurde. Besonders missraten ist ein Konzept namens BeoLounge, in welchem virtuelle Moderatoren eine virtuelle Produkttour durch ein virtuelles Haus durchführen, was alles außer informativ und endlos zeitraubend ist.

Fazit
Die Produkte von Bang & Olufsen sind ästhetisch sehr anspruchsvolle, aufs Wesentliche reduzierte und ausgezeichnet verarbeitete Geräte mit einer sehr langen und unbeschwerten Nutzungsdauer, wohingegen die meisten Konkurrenten ihre Kunden nicht nur mit einem fliegenden Modellwechsel und Preisverfall, sondern auch noch mit selten ausgereiften und angemessen verarbeiteten Produkten tyrannisieren. Bei B&O sehr negativ zu bewerten ist das skurrile monokulturelle Distributionssystem mit seinen ganzen Begleiterscheinungen. Von einem B&O-Händler fühlt man sich nicht nur selten herstellerübergreifend informiert, man hat auch nie den Eindruck eines echten Wettbewerbs, denn die Preise bleiben dort, wo sie in der Preisliste festgelegt wurden – seltene Ausnahmen bestätigen die Regel. Wie bei Apple gibt es echte B&O-Fans, die ihre Geräte jahrzehntelang benutzen oder gar unbenutzt sammeln. Wie bei Apple gibt sich der Hersteller unerreichbar, führt zwar Betriebsbesichtigungen in Dänemark durch, schüttelt seine Kunden aber ansonsten an seine Händler ab. Schön ist, dass man im Gegensatz zu Apple nicht selten weiß, was an Produktneuerungen auf einen zukommt, was als Investitionsschutz von unschätzbarem Wert ist, insbesondere weil B&O-Geräte zu den teuersten Anschaffungen ihrer Kategorie überhaupt gehören. Das vom Hersteller unabhängige BeoWorld-Forum gibt aber meist Auskunft und macht in vielerlei Hinsicht wett, was in Dänemark mit blinder Ignoranz gehandhabt wird.

David Andel