Auf einen Sprung?

In der Welt der Raubkatzen erledigt sich alles „auf einen Sprung“, wäre anzunehmen. In Wirklichkeit ist „Panther“ aber keine bissig fauchende, schwarzhaarige Feld-, Wald- oder Wiesenkatze, sondern nur bodenständiges Upgrade eines Betriebssystems, bestehend aus guten wie schlechten Ideen, Optimierungen und Fehlern. Mal wird Mac OS X dadurch schneller, mal langsamer, mal besser, mal mangelhafter, mal ganz anders und mal bleibt alles beim Alten. Derjenige, der schon seit der Public Beta dabei ist, mit den DP-Versionen, mit Rhapsody oder gar mit NEXTSTEP noch etwas anfangen kann, weiß auf ein beträchtliches Maß an Systempflege zurück zu blicken. Denn der „chirurgische Eingriff“ ins Software-Kontrollzentrum der Hardware ist selten eine Kleinigkeit und wiederholt sich alljährlich wie ein Familienfest.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn der Finder von Mac OS X 10.3 bei sinnvoller Nutzung des neuen Konzeptes einen deutlich höheren Raumbedarf entwickelt und die Displays des Herstellers gleichzeitig immer größer werden. Innovationen brauchen offenkundig einiges an Terrain, um sich zu entfalten. Und so steht der zentrale Systemsucher erst ab ordentlichen Auflösungen nicht mehr den Schreibtisch überschattend im Weg. Besitzer der kleineren mobilen Rechner kommen eher schlecht weg und müssen sich für die „Magervariante“ des Finders entscheiden, bei der Symbol- und Seitenleiste ausgeblendet sind. Aber jene kosmetischen Hürden sind gerade mal die erste Etappe eines langen und anstrengenden Hindernislaufes.

Den ganz persönlichen Unix-Horror namens „sendmail“ in Cheetah, Puma und Jaguar bis zur individuellen Nutzbarkeit zu zähmen, bedeutete zuweilen selbst für sachverständige Anwender eine Sache von Tagen (und Nächten). Besser spät als nie hat sendmail in Panther ausgedient und wurde durch „postfix“ ersetzt. Wir reden hier nicht von einem sanften Übergang. Der altbekannte Mailserver wurde restlos entfernt und der neue setzt Motivation und Zeit voraus, wieder alles wie gehabt lauffähig zu machen. Das wäre an sich zu bewältigen, gingen damit nicht noch Überraschungen wie der Ausfall vieler unter Mac OS X Jaguar perfekt laufender „Kernel Extensions“ (Systemkernerweiterungen) einher. Weder tut es mehr der lieb gewonnene Paketfilter noch die Erweiterung, die zu deren Aktualisierung erforderlich wäre. Auch ist es alles andere als eine positive Überraschung, wenn zusammen mit „MagicMenu“ aus Aladdins Stuffit Deluxe 7 gleich alle nachgerüsteten Objekte in der Menüleiste ihre Zusammenarbeit verweigern.

Beim E-Mail-Versand fliegt ein Düsenjäger durch den Raum, zumindest akustisch. Apples Mail ist jetzt ganz zeitgemäß mit allerlei Effekten ausgestattet. Dafür verweigern die bisherigen Mail-Bundles ihren Dienst, schließlich ist die genutzte Schnittstelle keine offizielle oder überhaupt dokumentiert. Zwar gibt es erste aktualisierte Versionen, nur wieso wird besagte Schnittstelle nie offen gemacht und weshalb ändert sie sich mit jedem Upgrade? Die meisten von uns nutzen solche Erweiterungen, um ihr Betriebssystem „wohnlicher“ zu machen oder es besser kontrollieren zu können. Gewürdigt wird dies kaum, die Integration der vielen kleinen Helferlein bleibt folglich ein fortlaufender Kampf.

Geduld ist – auch in solchen Fällen – eine Tugend. In der Anfangszeit erscheint Panther nur für forschende und tüftelnde Geister oder aber auch solche, die ihr System lediglich sporadisch nutzen wirklich lohnend. Wer sich nicht zum Sklaven seines Macintosh machen will, sollte in aller Ruhe erst einmal die unweigerlichen Wartungsupdates folgen lassen, andere forschen lassen, ein genügend hohes Maß an Tipps und Tricks abwarten. Klarer Sieger nach Punkten wird aber auch diesmal wieder das Gespann aus Ungeduld und Unvernunft, ähnlich dem Ritual eines Familienfestes. Auch wenn sie selten schön sind, finden sie doch immer wieder statt. Und sei es auch nur, um an den bekannten Stellen aus voller Leidenschaft zu lästern.

David Andel