Tizio (Richard Sapper)

Arbeitsleuchte


Bild: David Andel

Sie steht in fast jeder Anwaltskanzlei, Arztpraxis, jedem Chefzimmer und fast jedem Büro eines Kommunalpolitikers. Die Rede ist keineswegs von einer Flasche Wodka, sondern einer Schreibtischlampe namens Tizio. Entworfen hat das seltsame Leuchtgerät, das sich mithilfe von Gewichten ausbalanciert und lediglich mittels Druckknöpfen aus dem Textilbereich zusammengehalten wird, der Münchener Richard Sapper.
Alleine über die Tizio ließen sich Abhandlungen voller Bewunderung schreiben, denn 1970 waren Schreibtischleuchten mit Halogenlampen in Reflektoren aus Aluminium unter glasfaserverstärktem Nylon, die einfach in jeder Position verharrten, egal wie man sie gerade über den Schreibtisch zog, und die sich absolut auf die beleuchtende Fläche konzentrierten und den Rest des Raumes in intimes Dunkel hüllten, ein Blick in die Zukunft. Die Tizio hat als Industrieprodukt wie moderner Klassiker über eine Generation überlebt, hat gar das Zeug, unsterblich zu werden. Dabei fing die gelenkige Leuchte unter dem preislich schlechten Vorzeichen der Fertigung in Handarbeit an, Hersteller Artemide wollte es so. Erst durch Sappers Beharren auf einer industriellen Fertigung halbierte sich der Preis, wodurch dann auch der Absatz rapide anstieg.

David Andel