Äh?

Das Gegenlesen vieler Texte kann schnell langatmig, zum regelrechten „Frusterlebnis“ werden, wäre da nicht der reizvolle Vorschlag des in Mac OS X integrierten Salzstreuers unfreiwilliger Komik namens Rechtschreibprüfung, daraus ein „Brusterlebnis“ zu machen. Das lässt sich der Verfasser dieser Zeilen nicht zweimal sagen, schon kurz zuvor sollte ja aus der „Leibesertüchtigung“ die „Liebesertüchtigung“ werden. Aber muss es gleich so hochgradig pervers wie eine „Buckelorgie“ werden, ist mal von einer eher wenig angenehmen „Ruckelorgie“ in einem Videoprogramm die Rede? Und woher bitte schön den erotischen Anteil bei der banalen Textkorrektur nehmen, wenn nicht stehlen? Auch ein dazu passender Vorschlag ist nicht weit, soll doch aus Kollegin „Stanek“, Frau „Stahnke“ werden, die (im Gegensatz zu Frau Stanek natürlich!) ja vermeintlich zu allem bereit ist, verschafft man ihr auch nur ein klein wenig Publicity …


Bild: Bildschirmfoto
Aber Namen sind Schall und Rauch, weshalb Kollege „Jaap“ fortan „Japan“ heißen soll. Der tatsächlich begeisterte Anhänger Nippons wird besagten Änderungsvorschlag seines Familiennamens gewiss anerkennen. Moderne Medienerzeugnisse sind ohnehin international ausgerichtet, das weiß auch die Rechtschreibprüfung und kann deswegen mit „Emittern“ nichts, mit „Emiren“ aber sehr viel anfangen.

Kommen wir zum Kapitel Flora und Fauna. Verdammt lang her ist der letzte Zoobesuch – kann gut sein, dass es da eine Treppe ins Gehege der Bestien gab. Die Rechtschreibprüfung weiß jedenfalls von einer „Zoostufe“ als Alternative zur „Zoomstufe“ zu berichten und stellt uns vor das Rätsel, ob diese vor Abgabe des Artikels zwingend zu erklimmen wäre. Auch im Bereich der Fotografie geht es längst lebendiger als bislang angenommen zu, denn anstelle des schnöden „Leuchttisches“ sollten wir doch bevorzugt den auch im Dunkelkammer-Aquarium einsatzfähigen „Leuchtfisch“ verwenden. Dass ebenso der Mensch zum Tier werden kann, davor warnt uns die Rechtschreibprüfung beim Thema Einwahl ins Internet. Nicht „einwählen“, sondern „einwühlen“ möchten wir uns gefälligst – sicher ist sicher.

Redakteure gehen mit der Zeit und kleiden sich flott. Wie anders wäre es wohl zu verstehen, wenn uns Mac OS X beim Sujet analoge Datenübertragung per Modem (Modulator/Demodulator) immer wieder Alternativen aus der Welt der Haute Couture vorschlägt? Sei es das „Modekabel“ anstelle eines „Modemkabels“, die „Modeeinstellungen“ anstelle der „Modemeinstellungen“ oder – last but not least – supergünstige „Modetarife“ als Ersatz für schnöde „Modemtarife“ beim Kommunikationsdienstleister.

Aber es gibt durchaus auch gefährliche Momente beim Korrekturlesen. So erschien sofort die Drohung einer „Fraktur“ bei einem Beitrag über „Fraktale“. Ob Benoit Mandelbrot wohl sein Schutzgeld nicht bezahlt hatte? Immerhin blieb ihm das Schicksal seiner Kollegen erspart, die einst „Vektorwelten“ erkunden wollten und als die „Vertrottelten“ enden sollten …

Doch wer braucht schon Mathematik, denn es gibt ja Gottvertrauen. Und Glaube versetzt bekanntlich Berge – nur ob dies auch für Häuser gilt? Das wäre jedenfalls eine Erklärung für die so genannte „Hausbewegung“ anstelle der schnöden „Mausbewegung“ im Text. Aber was um alles in der Welt ist dann ein „Hausklick“ alternativ zum „Mausklick“?

Ist im frisch erworbenen Song aus dem iTMS mal kein Gesang zu hören, dann kann das gut am versehentlichen Einsatz von kaum sichtbaren „Lidtexten“ anstelle von erwarteten „Liedtexten“ liegen. Zum Glück lässt sich der „Lautstärkepegel“ ja senken, dummerweise kennt Mac OS X den dazu zwingend notwendigen „Lautstärkeregler“ nicht. Wer nach so viel Wortklauberei Hunger verspürt, darf sich jetzt darüber freuen, dass der Mac natürlich „brotfähig“ ist, denn „bootfähig“ kann er unmöglich sein.

Sie empfanden diese Kolumne als „Affektparade“? Kein Wunder, war dies doch die 50. „David gegen Goliath“ und natürlich als „Effektparade“ geplant – leider nicht mit Mac OS X. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

David Andel